Als seinen Beruf gibt André Heller gern „Poet“ an, häufig wird er als Multimediakünstler bezeichnet. Bei-des trifft zu, denn es charakterisiert zwei Seiten seines künstlerischen Schaffens: die kreative „dichterische“ als Hersteller von Kunstwerken und die Vielfalt der medialen Felder, in denen er sich betätigt. In beidem ist er schwer zu überbieten: zum einen in der überbordenden Fantasie und Hartnäckigkeit, mit der er Ideen entwickelt und realisiert, und zum anderen in den so unterschiedlichen Bereichen, derer er sich annimmt. Den Prozess seines Lebens mit der permanenten Spannung zwischen innerer Unsicherheit, ekstatischem Schaffensrausch, Provokation und Ruhm versteht der Kulturjournalist und Buchautor Christian Seiler in der umfangreichen autorisierten Biografie, die anlässlich André Hellers 65. Geburtstag erschienen ist, einfühlsam und durchaus nicht unkritisch darzustellen. Das Besondere an Hellers Kunstprojekten, den „möglichen Wundern“, ist wohl immer, dass es ihm gelingt, die „Hochkultur“ mit der „Massenkultur“ zu vereinen. Am besten wurde das wohl bei seinem Rummelplatz „Luna Luna“ 1987 in Hamburg deutlich, ein Firmenjubiläum-Event, für das er Künstler wie Roy Lichtenstein, David Hockney, Jörg Immendorf, Georg Baselitz, Hans Magnus Enzensberger und Herbert von Karajan verpflichtete. Über Jahrzehnte hat er mit seinen Kunstwerken – einige dauerhaft wie die „Kristallwelten“ in Wattens, andere vergänglich wie die Feuertheater in Lissabon und Berlin – Massen von Zu-schauern entzückt und die Meinungen der Kunst-kritiker polarisiert. Einige Innovationen haben Trends gesetzt, so der Zirkus Roncalli (den er allerdings unter Hinterlassung eines Schuldenbergs kurz nach der Premiere verließ), das Varieté Flic Flac, die Show „Begnadete Körper“, mit der er den Boom der China-artistikprogramme in Europa einleitete, oder auch „Afrika! Afrika!“, das die Akrobatik der schwarzen Künstler auf die Showbühne brachte. Natürlich werden in dem Buch auch die literarischen und musikalischen Produktionen gewürdigt, seine Fernsehdokumentation, das Kulturprogramm zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006, die Gestaltung seiner Gärten oder das jüngste Scheitern der Pferdeshow „Magnifico“. Gebührender Raum wird dem Verhalten André Hellers auch als politischer Mensch eingeräumt. Man mag zu der Persönlichkeit von Heller stehen wie man will – das Buch jedenfalls trägt wesentlich zu seinem Verständnis und dem seine Rolle in der Kunstlandschaft bei. (Christian Seiler: André Heller. Feuerkopf. Die Biografie. C. Bertelsmann, München 2012, 448 S., Abb., ISBN 978-3-570-10063-9). (gwi)

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