15. Juni 2024

100 Jahre Krefelder Sprödentalkirmes

Martin Wehmeyer

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Wetterkapriolen behinderten die Jubiläumskirmes

100 Jahre Krefelder Sprödentalkirmes
vom 26. April bis 5. Mai

„Bei so einem großen Riesenrad müssen wir auch mal öfter mitfahren.“, unterhielten sich die Besucher vor dem 60 Meter hohen „Sky Lounge Wheel“. In der Tat war zu notieren, dass Oscar Bruchs Riesenrad bei seinem voraussichtlich einmaligen Gastspiel am ersten Wochenende direkt das entsprechende Interesse fand. Auch manche älteren Krefelder erinnerten sich, denn nach dem Riesenrad der Familie Steiger Anfang der Jahre war dies das zweithöchste Rad, welches in dieser Größenordnung auf der Traditionskirmes Station machte. Schon auf den Zufahrtstraßen rund um den Sprödentalplatz bildete die Megaattraktion eine tolle Perspektive, egal aus welcher Richtung man Krefeld ansteuerte.

Ein Prost auf 100 Jahre Sprödentalkirmes (v.l): Oscar Bruch, Theo
Versteegen, Ute Römgens, Timo Kühn und Albert Ritter.
Fahneneinmarsch mit der DSB-Fahne vorweg (v.l.) mit Hermann Fellerhoff, Bürgermeister Timo Kühn und Ute Römgens, Vorsitzende des Krefelder Schausteller Verbandes.

Dass die Kirmes in diesem Jahr eine ganz besondere sein sollte …
konnte man auch an den neu gestalteten Plakaten erkennen, die weitverbreitet zu sehen waren. Lediglich die großen aufgestellten Banner blieben noch im alten Stil. Dies soll sich laut Elisabeth Abbing, Abteilungsleiterin Finanzservice, Liegenschaften, Märkte und Allgemeine Verwaltung bei der Stadt Krefeld, in der nächsten Zeit ebenfalls ändern, sodass ein einheitliches Erscheinungsbild für die Sprödentalkirmes entsteht. Ansonsten umfasste das Werbepaket wieder Bus und Bahnen sowie Zeitungswerbung. In den Wochenzeitungen erschienen mehrere Artikel. Die Krefelder Presse, bestehend aus Rheinischer Post und WAZ, widmeten der Kirmes in ihren Artikeln mehr Aufmerksamkeit zum Jubiläum als sonst. Bis an die niederländische Grenze reichten die Werbeaktivitäten. Der Social-Media-Bereich wurde mit Facebook abgedeckt. Dabei wurden, wie es auch bei anderen Volksfesten gehandhabt wird, im Vorfeld einzeln die Geschäfte vorgestellt. Das erhöht die Spannung und sogar der DFB hat jetzt diese spannende Vorstellungsart für die Bekanntgabe seiner Spieler zur Europameisterschaft aufgegriffen. Welle Niederrhein verloste vor dem Start per Quiz von den Schaustellern zur Verfügung gestellte Chips. Diese Kirmesbeutel im Wert von 140 Euro wurden durch Reportern im Sendegebiet versteckt und die Standorte mussten durch Hinweise aufgespürt werden. Eine gute Sache, die ein Volksfest immer wieder ins Gerede bringt und Aufmerksamkeit schürt.

Die Platzorganisatoren Markus Plenker und Detlef Könkes mit Peter Loosen vom Autoscooter, der schon im 33. Jahr auf die Kirmes kommt.

Zwar ist ja das ganze Jahr 100 Jahre Sprödentalkirmes … Die Maßnahmen zum Jubiläum für besondere Aktionen, wie auch ein größeres Feuerwerk am ersten Freitag, konzentrierten sich aber auf diese Frühjahrskirmes. Wie Elisabeth Abbing im Nachgespräch erläuterte, ist es zur Oktoberkirmes aufgrund der Konkurrenzsituation mit den großen Volksfesten in Süd und Nord immer schwieriger, große Highlights zu verpflichten. Marktmeister Detlef Könkes hatte für das Frühjahr ein glückliches Händchen bei der Verpflichtung der Attraktionen. Keine Absagen waren zu verzeichnen und die Neuheiten wie der „Rock & Roll“, die Achterbahn „Crazy Mine“ sowie das Laufgeschäft „Big Bamboo“ mit Karibikfeeling kamen gut an. Von weit her aus Süddeutschland, von ihren Gastspielen reisten Hermann Fellerhoffs „Geisterstadt“ und Thilo Jansens Achterbahn an. Dabei kann man Fellerhoffs größte Geisterbahn jetzt getrost in Neudeutsch als Geisterstadt 2.0 bezeichnen, denn Familie Fellerhoff hatte viel Zeit und Geld in neue Geisterfiguren und Effekte investiert. Ein Blick vom Riesenrad zeigte, dass auf dem Gelände alles enger zusammengestellt war als sonst. Viele Wohnwagen stehen hier direkt am Geschäft. Das ist wie ein Familientreffen, und die Schausteller kommen auch gerne aus diesem Grunde zur Krefelder Kirmes. Bei einer Stadtkirmes ist dies nicht möglich. Der Festplatz präsentierte sich wieder sauber und die gute Infrastruktur mit allem Drum und Dran wird immer geschätzt.

Erstmals wird die Kirmesglocke durch den Bürgermeister geläutet.

Die Träger von rund einem Dutzend Schaustellertraditionsfahnen …
versammelten sich am ersten Kirmestag am neugestalteten Eingang. Hermann Fellerhoff, dessen Familie in Krefeld ihre Wurzeln hat, marschierte mit dem DSB-Präsidenten hinter der kleinen mobilen Orgel vorweg bis zur Eröffnung am Riesenrad. Dort nahmen die Fahnenträger Aufstellung, bis anschließend Bürgermeister Timo Kühn die Festansprache übernahm. Er entschuldigte den Oberbürgermeister Frank Meyer, der leider wegen einer Auslandsreise nicht teilnehmen konnte. „121 Schausteller heißen wir zur besonderen Kirmes willkommen. Wir freuen uns über Fahnen, die nur zu besonderen Anlässen zu sehen sind.“ Er dankte allen Beteiligten und wünschte gutes Gelingen für die Jubiläumskirmes. Doch da stand noch etwas, das bisher noch nie da war. Es war die Karussellglocke, die jetzt immer zur Kirmeseröffnung erklingen soll. Die Krefelder Kultfigur Meister Ponzelar mit der Seidenweberrolle verlas in Krefelder Plattdütsch die Grußworte zur Kirmes. Nach mehrfachem Bumbum durch die Böllerschüsse waren alle offiziellen Aufgaben erledigt. Traditionell erfolgte anschließend der Rundgang mit geladenen Gästen und Bewirtung durch die Schausteller bis in den frühen Abend.

Die Bilanz …
war trotz Kirmesstart am letzten Monatswochenende, wo bekanntlich das Geld nicht mehr so dicke im Portemonnaie vorhanden ist, zum Abschluss ganz ordentlich. „Hier auf der Kirmes bekommst du so ziemlich immer das Gleiche, egal wie der Start ist. Damit kannst du kalkulieren“, sagte ein Stammbeschicker. So war es auch diesmal trotz erstem mehr als erfolgreichen Wochenende. Der umsatzstärkste Tag war wohl der 1. Mai. Da knubbelte sich schon einiges an Menschen auf dem Gelände und Parkplätze waren Mangelware. Der Einbruch kam am Donnerstag, denn wegen Unwetterwarnungen musste die Kirmes ab 17 Uhr geschlossen werden. Auch wenn die Unwetter Krefeld nicht so stark tangierten, blieb es bei der Kirmesabstinenz. Zwei Tage später setzte ausgerechnet am Samstagabend Dauerregen ein. Die Gänge blieben ziemlich leer. Wenn diese Wetterkapriolen nicht gewesen wären, hätte man vermutlich an die Superkirmes vor zwei Jahren anknüpfen können. Übrigens war die Preisgestaltung vieler Beschicker der Krefelder Kaufkraft angepasst. Zum Schluss müssen noch zwei Dinge erwähnt werden: Bei Platzmeister Könkes entlud sich wohl die ganze stressige Kirmesgestaltung.

Am Eröffnungstag war er schon angeschlagen unterwegs, doch während der Kirmestage zwang ihn eine heftige Krankheit, das Bett zu hüten. So musste sich Kollege Markus Plenker mit Alexandra Wiener und Elisabeth Abbing den Bereitschaftsdienst teilen. Der ein oder andere Besucher vermisste doch das dort über viele Jahre platzierte Brunos Bierdorf am Eingang. Hier verköstigte jetzt Theo Hardt die Gäste. Was bleibt von der Jubiläumskirmes? Auf jeden Fall der aufgelegte besondere Jubiläums-Kirmes-Pin, der am Stand von Familie Römgens verkauft wurde, die selbst schon hundert Jahre die Kirmes in Krefeld bereichern.

Text und Fotos: Martin Wehmeyer

 

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