Saisonstart zwischen Narrenkappe und Pferdedecke
Während der Januar noch von Neujahrsempfängen, Jahreshauptversammlungen und dem DSB-Delegiertentag geprägt ist, gehört der Februar traditionell den Narren und Jecken – und damit der Faschings- und Karnevalszeit. Da verwundert es kaum, dass eines der ersten Volksfeste des Jahres, der Leonberger Pferdemarkt, regelmäßig mit der fünften Jahreszeit zusammenfällt. Auch wenn der Pferdemarkt seit 1871 fest am zweiten Dienstag im Februar stattfindet, ist diese Überschneidung keine Ausnahme: In Leonberg treffen sich Narrenkappe und Pferdedecke regelmäßig auf demselben Kalenderblatt.
Dabei ist der Markt selbst deutlich älter. Am 15. Januar 1684 wurde er von Herzog Friedrich Karl genehmigt – und hat sich seitdem zu einer Veranstaltung entwickelt, die Fachprogramm und Volksfest klug miteinander verbindet.
333. Auflage mit Stadtprogramm und Festplatz-Rummel
2026 beging die Stadt den 333. Leonberger Pferdemarkt fünf Tage lang – von Freitag, 6. Februar, bis Dienstag, 10. Februar. Tagsüber zog ein umfangreiches Programm durch Straßen und Plätze, abends wurde in den Kellern gefeiert, die traditionell nur zum Pferdemarkt öffnen.
Zum festen Bestandteil gehört natürlich auch der Vergnügungspark auf dem Festplatz in der Steinstraße. Mit der Erweiterung auf den Belforter Platz, direkt vor dem Neuen Rathaus, rückte der Platz noch näher an die Innenstadt: Kinderkarussell, Spielbude, Süßwaren und verschiedene Markthütten sorgten dort für zusätzliche Frequenz.
Gerade eine Woche zuvor trafen wir Mark Roschmann bei der Jahreshauptversammlung des Schaustellerverbandes Südwest Stuttgart e. V., dessen Vorsitz er führt. In Leonberg begegnen wir ihm diesmal auf dem Platz – mit seiner Autoschleife „Crazy Cars“.
Die Familie Roschmann organisiert den Vergnügungspark in Leonberg bereits seit 1948. Bei rund 30 Veranstaltungen – überwiegend im Raum Stuttgart – fungiert die Familie als Generalunternehmer. Leonberg hat dabei einen besonderen Stellenwert: Urgroßvater und Firmengründer Paul Rebmann (Gründung 1920) lebte mit seiner Frau in Leonberg-Eltingen. (Hinweis der Redaktion: s. auch komet-archiv.de)
Eine Mischung, die funktioniert
Auch in diesem Jahr war auf dem Festplatz ordentlich Betrieb. Dank Imbissen wie Wurst, Crêpes, Langos, Maiskolben und Süßwaren wie gebrannten Mandeln – lag der typische Duftmix über dem Platz, der Besucher zuverlässig anzieht.
Zu den Highlights zählten der „Street Fighter“ (Thelen-Michel), Göbels Scooter „Crash Zone“ sowie Trabers Scheibenwischer „American Trip“.
Familienfreundlich präsentierte sich Mosers Laufgeschäft „Glasfabrik“. Für die Jüngsten waren neben Roschmanns „Crazy Cars“ der Kinderflieger „Aero Flug“ von Weeber und das Kinderkarussell von Sonja Schubert starke Anlaufpunkte. So beliebt, dass Familienvater Felix Hofmann aus Leonberg dem KOMET gegenüber scherzte: Eine eigene Autoschleife für seine beiden Kinder käme ihn langfristig vermutlich günstiger.
Und weil ein Platz nicht nur aus Fahr- und Laufgeschäften besteht, sondern auch aus dem Drumherum, gehören in Leonberg die klassischen Buden und Stände selbstverständlich dazu: Schieß-, Wurf- und Losgeschäfte – ebenso wie Greifer, etwa „E-Claw Cranes“. Am Ende ist es die Mischung, die den Platz rund macht.
Kommentar
Die 333. Auflage des Leonberger Pferdemarkts war erfolgreich – auch, weil das Wetter mitspielte: kühl, aber vor allem trocken. Anders als vorhergesagt blieben Sturm und Regen am letzten Tag aus; stattdessen zeigte sich sogar blauer Himmel über Leonberg.
Der Pferdemarkt zeigt einmal mehr: Trotz leerer kommunaler Kassen, steigender Anforderungen, teurer Schutzkonzepte und wachsender Bürokratie sind Feste wichtig. Für die Städte, weil sie die Innenstadt beleben. Für die Menschen, weil es Momente sind, in denen man seine Stadt erlebt. Und für die Schausteller, weil Volksfeste nicht nur Kultur, sondern auch Arbeitsplatz, Ausbildung und Familienbetrieb sind.
Passend zum Pferdemarkt beginnt nach dem chinesischen Mondkalender das neue Jahr. 2026 steht im Zeichen des Pferdes mit dem Element Feuer – eine Kombination, die nur alle 60 Jahre vorkommt. Das Pferd steht für Aufbruch und Bewegung, das Feuer für Energie. Etwas Passenderes für den Saisonauftakt kann man sich kaum wünschen.