Bilanz nach einem Jahr Pandemie

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Interview mit René Bauer

 

Seit Mitte März 2020 und verschärft durch den Lockdown ab Anfang November ist durch die Corona Pandemie Stillstand bei den Schaustellerbetrieben – Es gibt bundesweit keine Veranstaltungen. Wie ist die aktuelle Situation?

„Die aktuelle Situation ist mit Worten nur schwer zu beschreiben. Wenn das so weiter geht, wird es eine gravierende Änderung in unserem Reisegewerbe geben. Dies vom Staat uns auferlegte Berufsverbot führte dazu, dass verschiedene Schaustellerkollegen flexibel reagiert und sich andere Erwerbsfelder gesucht haben. Für diese Kollegen wird sich in der kommenden Saison die Frage stellen, ob Sie wieder gerne auf unsere Festplätze zurückkehren wollen. Auch für den Veranstalter wird es schwerer sein, dass hohe Niveau auf dem Festplatz weiterhin zu halten. Dieses Problem betrifft die gesamte Branche, die mit dem Schaustellergewerbe zu tun hat.

“Wie sehen Sie das Handling der Absage von Veranstaltungen?

„Viele Veranstalter haben viel zu früh und übereilt schon ihre Veranstaltung abgesagt. Dies bedauern wir sehr und ich hoffe, dass jetzt verschiedene Kommunen eine Ersatzveranstaltung in ihre Planungen mit aufnehmen.“

Welche Entscheidungen erwarten Sie bei Lockerung der gegenwärtigen Beschränkungen von Veranstaltern und Bundesregierung?

„Ich gehe davon aus, dass beim gegenwärtigen Impffortschritt und wenn die Herdenimmunität erreicht ist, wir eigentlich unter bestimmten Regelungen unsere Veranstaltungen wieder abhalten können. Dies ist unbedingt notwendig. Nicht nur für uns Schausteller, sondern auch für die Kommunen und Bürgerinnen und Bürger.“

Die Bundesregierung hatte ein Soforthilfepaket geschnürt für Unternehmenund Betriebe. Wie ist die Erfahrung damit?

„Das Soforthilfepaket der Bundesregierung war in ganz Europa beispielhaft großzügig gestaltet. Allerdings haben viele Kollegen bis heute noch nicht alle Gelder erhalten. Außerdem widerspricht es der Mentalität der Schausteller, Hilfeleistungen anzunehmen. Wir sind und bleiben stolze Schausteller.“

Thema Veranstaltungen generell. In den nächsten Jahren dürften dieUmsätze bei steigenden Kosten nicht mehr so sein, wie vor der Pandemie.Was sind Ihre Forderungen und Vorschläge an die Politik?

„Es dürfte jedem klar sein, dass, selbst wenn die Veranstaltungen wieder losgehen, wir mindestens 2-3 Jahre brauchen werden, um die Umsätze wieder zu erreichen. Es bleibt zu hoffen, dass die Veranstalter im ersten Jahr nach der Pandemie die Gebühren, Platzgelder und die weiteren Kosten für die Veranstalter reduzieren. Damit sich der Berufsstand in den nächsten zwei Jahren von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erholt, brauchen wir jetzt großzügige Kommunen, die wissen, wie wichtig wir Schaustellerfamilien für ihre Veranstaltungen sind.“

Stichwort Volksfeste als Kultur und Anerkennung?

„Ich kann es nicht mehr hören und ertragen, dass wir Schausteller immer nur dafür bezahlen, dass wir den einfachen Besuchern ein Stück Glück bringen und die Kollegen der Kultur werden dafür bezahlt. Das ist der große Unterschied, den ich nicht verstehen kann. Jeder Theatersitzplatz wird subventioniert, mit immer mehr Geld, von Jahr zu Jahr. Wir müssen im Gegensatz dazu immer mehr bezahlen, wie z. B. Bewerbungsgebühren, Müllgebühren, Werbeumlage, Platzgebühren, Stromgebühren, Gebühren für Sicherheitsdienste. Viele dieser Kosten sind nun die nächsten Jahre nicht mehr tragbar und man könnte sie aus dem Etat für Veranstaltungen subventionieren und für die Beschicker deckeln.“

Was tut Worms für die vielen dort beheimateten Schausteller?

„Die Stadt Worms tut viel für die Schausteller. Wir haben in der Innenstadt mit vereinzelten Ständen gastieren dürfen. Es gab einen Pop-up-Freizeitpark auf dem Backfischfestplatz Kisselswiese, der für die Kollegen und Beschicker kostenfrei war und für die Besucher nur einen geringen Eintritt kostete, welcher der Werbung und den zusätzlichen Auflagen diente. Wir sind in ständigem Kontakt mit der Stadt Worms, Abt. 3, Markt-und Messewesen und wollen ein zeitnahes Konzept für die Zukunftsplanung vorlegen.“

Wie geht es Ihrer Familie in der schwierigen Situation?

„Natürlich geht es uns auch nicht sehr gut. Man denkt in solchen Zeiten ganz anders über seine Zukunft nach und man merkt erst jetzt, wie klein doch die Probleme in der Vergangenheit waren.“

Wie sehen Sie die Zukunft der Weihnachtsmärkte?

Es ist absolut notwendig, dass in dieser Saison alle Weihnachtsmärkte wieder zum Laufen kommen. Sollte dies nicht der Fall sein, wird es für viele Kollegen und Kolleginnen sehr schwierig. Wir brauchen gute Weihnachtsmärkte, um diese Zeit zu überstehen. Außerdem sollten sich die Kommunen einmal Gedanken machen, was es für Auswirkungen auf die Innenstädte hat, wenn die von der Bevölkerung so beliebten Weihnachtsmärkte auch 2021 nicht stattfinden können.“

Was haben Sie aus der Pandemie gelernt?

„Ich habe vor allen Dingen gelernt, dass man in solch schwierigen Zeiten zusammenhalten muss. Nur wenn alle versuchen, sich gegenseitig zu unterstützen und Seite an Seite stehen, können wir diese schwierige Situation überstehen. Wir müssen die Reihen geschlossen halten und uns einig sein.“

Text und Foto: Ulrich Wehmeyer

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