Das Freizeitgefühl soll wieder in die Stadt!

Autor s. unten

Teilen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin

Am 18. April wäre nach 16-tägiger Spielzeit das Nürnberger Frühlingsfest zu Ende gegangen.
Es hat nicht stattgefunden. Mit Hochdruck arbeitet Lorenz Kalb, 1. Vorsitzender des Süddeutschen Schaustellerverbandes und Vizepräsident für Organisationsfragen im Deutschen Schaustellerbund, am Alternativkonzept für einen Pop-up-Freizeitpark. Im Interview geben er und Barbara Lauterbach, Marketing-Spezialistin des Süddeutschen Schaustellerverbandes, einen differenzierten Einblick in den weit fortgeschrittenen Planungsstand.

Wie ist die Lage?
„Schwierig in jeder Hinsicht. Wir wollen nicht zuschauen, wie es weitergeht und wie für uns die Luft zum Atmen immer dünner wird. Wir brauchen Arbeit!“

Fürchten Sie einen neuen, harten Lockdown?
„Das ist mein Albtraum und wäre eine Katastrophe für das gesamte Schaustellergewerbe bundesweit.“

Im Moment wird über den Einsatz des russischen Impfstoffs Sputnik V diskutiert.
Kann er die Rettung bringen?
„Ich bin kein Arzt und auch kein Virologe. Aber alles, was der Bekämpfung der Pandemie nützt und wieder ein normales Leben ermöglicht, begrüße ich nachdrücklich. Dazu zählt in meinen Augen auch die jetzt angelaufene Impfung durch die Hausärzte spät, aber doch.“

Zurück zu Ihren Plänen. Wie kam es zu dem Namen des ersten Nürnberger Freizeitparks?
„Da gab es in der Findungsphase verschiedene Vorschläge. „NürnBärLand“ ist es geworden, weil es nach Meinung aller Beteiligten am besten passt.“

Also kein klassisches Nürnberger Frühlingsfest?
„Nein, ist es ja auch definitiv nicht wir planen einen Pop-up-Freizeitpark aufgrund der aktuellen Pandemiesituation.“

Wie groß ist die zu bebauende Fläche?
„Kleiner als das klassische Volksfest. Haben wir sonst auf dem rund 100.000 qm großen Gelände rund 170 Schaustellerbetriebe so sind es jetzt rund 100 Kolleginnen und Kollegen, die spielen.“

Es kommen also nicht alle zum Zug?
„Ja, das stimmt. Zum einen werden wir jeden Betreiber mit nur einem Geschäft zulassen und zum anderen werden wir uns nicht ausschließlich auf Betriebe aus unserem Einzugsgebiet fokussieren. Aus Gründen der Attraktivität brauchen wir auch Beschicker aus anderen Regionen. Das hat natürlich im Vorfeld für Diskussionen gesorgt. Konkret: Dass Nürnberger Steuerzahler auf Standplätze verzichten oder wie beispielsweise die einheimische Süßwarenbranche auf Frontmeter, ist ein großer Akt der Solidarität. Dadurch haben auch auswärtige Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland, auch in Standardbranchen, die Möglichkeit, Standplätze im „NürnBärLand“ zu erhalten.“

Wie werden Sie die Bebauung vornehmen?
„Natürlich coronabedingt, mit dem nötigen Sicherheitsabstand und mit deutlich erweiterten, also breiteren Publikumsstraßen.“

Mit täglicher Öffnung?
„Nein. Besucher sind von Donnerstag bis Sonntag inklusive Feiertage herzlich willkommen. Wir werden Montag, Dienstag und Mittwoch geschlossen haben.“

Da werden aber viele Besucher den Kinder-und Familientag mit halbierten Preisen vermissen?
„Wir können diesen gewaltigen Ansturm am traditionell eingeführten Mittwoch jetzt nicht realisieren. Dieser enorme Zuspruch würde die geltenden Auflagen definitiv sprengen und es gäbe an den Eingängen viele Diskussionen mit einem enttäuschten Publikum, dem kein Eintritt mehr gewährt wird. Es wären zu viele Menschen unterwegs, es gäbe lange Schlangen an den Geschäften und die Sicherheitsauflagen, die uns sehr wichtig sind, wären nicht mehr kontrollierbar und auch nicht mehr haltbar. Die Folge bei den befürchteten chaotischen Zuständen? Sofortige Schließung der Gesamtveranstaltung. Das ist der schlimmste denkbare Fall, den keiner der Beteiligten erleben und unter allen Umständen vermeiden will.“

Trotzdem kann die Pandemielage eine überraschende Schließung notwendig machen?
„Ja, das stimmt leider. Aber dann ist es höhere Gewalt und wir haben diese Situation mit einer leichtsinnigen oder gar fahrlässigen Verhaltensweise nicht provoziert. Unser Ziel ist es, mit der gegenwärtigen Lage und den daraus resultierenden Anforderungen vernünftig und verantwortungsvoll nach bestem Wissen und Gewissen umzugehen.“

Bisher gehörte immer zu einer guten Veranstaltung auch ein großes Festzelt dazu. Jetzt auch?
„Nein, das ist in der gegenwärtigen Situation nicht vorstellbar.“

Aber Essen und Trinkengibt es?
„Selbstverständlich. Wir schaffen mit dem „Kulinarikum“ in der Mitte des Platzes eine neue Erlebnisgastronomie mit verschiedenen bekannten und bewährten Betrieben. Es wird eine luftige und gemütliche Fläche, die alle Anforderungen erfüllt.“

Wann wollen Sie starten und wie lange wollen Sie spielen?
„Als idealer Startpunkt sehe ich das Pfingst-Wochenende. Wir planen eine siebenwöchige Spielzeit über acht Wochenenden, mit insgesamt 32 Tagen.“

Wie sieht es mit den beliebten Rahmenveranstaltungen Stichwort Feuerwerke aus?
„Sie sind leider nicht möglich und fallen aus. Dichtgedrängte Menschenansammlungen sind kontraproduktiv.“

Wie regeln Sie den Zugang der Besucher?
„Das Gelände wird komplett eingezäunt, Ein-und Ausgang sind getrennt. Maximal sind 6.000 Besucher auf dem Platz und wir rechnen mit einer durchschnittlichen Verweildauer von 2,5 Stunden.“

Pop-up-Freizeitparks gab es ja in der letzten Saison mehrere und mit unterschiedlichen Ergebnissen.
Was haben Sie aus den Erfahrungen gelernt?
„Dass es nicht reicht Schaustellergeschäfte aufzubauen und darauf zu hoffen, dass dann das Publikum strömt. Die Verpackung muss stimmen und das Gesamtkonzept sticht.“

Erkennt das Publikum den Unterschied zwischen dem beliebten Frühlingsfest
und dem jetzt gebotenen „NürnBärLand“?
„Ja, davon bin ich überzeugt. Es gibt eine deutlich sichtbare Unterscheidung. Wir haben den „NürnBär“ als Maskottchen, es gibt das Besucher-Leitsystem und vieles mehr. Übrigens wird der „NürnBär“ regelmäßig aufdem Platz anzutreffen sein und begrüßt die Gäste ganz besonders die Kinder. Wie in einem Freizeitpark. Wir sind die Belohnung für die Familien und ganz besonders für die die Kinder, die in der Pandemie so viel Tapferkeit beweisen mussten.“

Gab es die ernsthafte Suche nach alternativen Standorten?
„Selbstverständlich. Wir haben mit fachkundigen Spezialisten sorgsam verschiedene Plätze geprüft. Einmal hätten wir eine große grüne Erholungsfläche im Herzen der Stadt Nürnberg blockiert oder hätten auf einem Areal aus Gründen der Bodenbeschaffenheit keine zugkräftigen und schweren Attraktionen aufbauen können. Immer sind wir an einer nicht vorhandenen Infrastruktur mit Strom-und Wasserversorgung gescheitert. Das hätten wir zwar lösen können, aber nur mit gigantischen Investitionskosten. Die ideale Fläche ist also der Volksfestplatz am Dutzendteich mit der Anbindung des öffentlichen Nahverkehrs und einem sehr guten Parkplatz-Angebot.“

Im letzten Jahr war der Hauptmarkt im Herzen der Stadt die ideale Fläche?
„Auf das Stichwort habe ich gewartet. Ja, es war damals der bestmögliche Platz und es hat ja auch funktioniert, sehr gut sogar funktioniert. Andere, parallel bespielte Flächen waren da schon deutlich problematischer. Für das „NürnBärLand“ ist der Hauptmarkt definitiv zu klein.“

Wie sieht das Hygienekonzept aus?
„Es ist elementar für das „NürnBärLand“. Auf dem gesamten Platz wird Maskenpflicht herrschen. Eine einzige Ausnahme gibt es bei der Gastronomie, beim Aufenthalt an den Tischen. Die Nutzung bargeldloser Bezahlmöglichkeiten wollen wir weiter steigern. Ferner gibt es ein eigenes Hygienekonzept für die Toiletten. An den beiden großen Eingängen werden jeweils zwei Kassen eingerichtet. Dort müssen die Besucher ihre Adressdaten angeben. Separate Ausgänge trennen die gehenden Besucher von den kommenden Gästen. Über Lichtschrankenzählung gibt es immer einen aktuellen Stand über die aktuelle Zahl der Besucher.“

Verlangen Sie Eintritt?
„Es wird ein Obolus von einem Euro von den Besuchern erhoben, kleine Kinder sind davon frei. Diese Einnahmen als Hygienebeitrag ermöglichen mithin die Finanzierung des Projektes.“

Was erwartet die Menschen, die ins „NürnBärLand“ strömen?
„Es gibt eine Ausstellungs-und Nostalgiefläche. Wir zeigen dem Publikum Fahrzeuge und Exponateaus verschiedenen Epochen. Auch die Partner des Süddeutschen Schaustellerverbandes haben die Möglichkeit, sich zu präsentieren.“

In welchem Radius wollen Sie Besucher an den Dutzendteich locken?
„Wir beschränken das Einzugsgebiet auf Nürnberg und die Region. Das bietet Unabhängigkeit von Risikogebieten außerhalb unseres Einzugsgebietes.“

Welche Unterstützung erfahren Sie bei diesem Konzept durch die Stadt Nürnberg und durch die Politik?
„Die Kommune unterstützt uns auf zweierlei Weise ideell und auch finanziell. Dafür sind wir sehr dankbar. Die Stadtspitze hat unsere bedrohliche Lage erkannt und will uns helfen.“Das „NürnBärLand“ ersetzt das Frühlingsfest. Ende August startet das Herbstvolksfest. Wie geht es weiter?„Wenn ich eine Glaskugel hätte wüsste ich es. Ich kann es heute nicht sagen. Natürlich liegt mir als Verbandsvorsitzender auch die Herbstveranstaltung sehr am Herzen. Die Lage im Schaustellergewerbe brauche ich an dieser Stelle ja nicht näher zu erläutern. Ich wünsche mir bis dahin einen gewaltigen Schritt nach vorne bei den Impfungen und damit eine realistische Chance für das Herbstvolksfest mit Start am Freitag, den 27. August 2021
Aber jetzt muss erst mal das „NürnBärLand“ starten!“

Text und Fotos: Helmut Bresler

Werbung

Auch interessant

Rubriken

58

Aktuelles

22

Feste

8

Märkte

5

Parks

27

Artikel

2

Events

6

International

2

Ratgeber

4

Gesichter

2

Hinweise

9

Interviews

Neueste Beiträge

58

Aktuelles

22

Feste

8

Märkte

5

Parks

27

Artikel

2

Events