Der Beste kommt zum Schluss

Dennis König

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Bei Müller & Volklandts „Entertainer“
geht es ekstatisch zur Sache


Januar 2018. Der Gedanke, den Huss Magic, mit dem man seit 23 Jahren auf Tournee war umzugestalten, kam recht plötzlich. Familie Müller & Volklandt waren des Themas „Zirkus“ überdrüssig – zumal diese Art des reisenden Gewerbes zu jener Zeit häufig in der medialen Kritik stand. Alles sollte bunter, moderner, peppiger werden. Mitten während den Umbauarbeiten stellte sich die Frage nach einem neuen Namen. Da kam die Eingebung: Was zeichnet die Branche im Allgemeinen und Familie Müller & Volklandt im Besonderen aus? Unterhaltung! „Das ist das, was wir machen!“ dachte sich Seppel Müller. Wie lautet das Motto einer der erfolgreichsten Rampensäue der Welt, Robbie Williams: „Let me entertain you!“ So ward der Titel „Entertainer – das Karussell“ geboren.

 

Kurioserweise wurde dieses Thema noch nie bei einem Fahrgeschäft genutzt und dabei ist es doch der Beruf, ja die Berufung, etwas zur Schau zu stellen und zu unterhalten. Wenn Seppel Müller am Pult bzw. Mikrofon sitzt, ist das Entertainment der ersten Kategorie. Er setzt immer noch einen drauf und am Ende der Umbauphase konnte man sagen, dass das Karussell seiner energiegeladenen Verarbeitung angepasst wurde. In unglaublichen acht Wochen ist ein „neues“ Fahrgeschäft entstanden.
Darüber, dass es nicht von jetzt auf gleich möglich sein würde, dass sich der „Entertainer“ und nicht mehr länger der „Magic“ in den Köpfen der Veranstalter und der Besucher festsetzt, war und ist sich Müller im Klaren. Aber seine Kollegen haben ganz Ähnliches vollbracht: Ein Mitbewerber reist mit dem „Circus Circus“ und ein „Flipper“ ist als „Playball“ bekannt geworden, – warum also nicht auch der Wandel zum „Entertainer“.
Seppel Müller ist für das Entertainment am Geschäft geboren. Dazu kommt, wenn jemand in der Schaustellerbranche über ein sehr gutes Gehör und ein noch besseres Gespür bei elektronischer Musik verfügt, dann er. Müller selbst spricht von seinem eigenen „geilen Musikgeschmack“. Man muss dazu sagen, dass Seppl Musik liebt und lebt. Über Stunden beschäftigt er sich mit elektronischen Klängen und achtet dabei genaustens darauf, welche Titel in welcher Reihenfolge zusammenpassen könnten und stellt diese dann in Playlists für den Abend zusammen.
„Tanzen muss wie Fliegen sein und mit ständig neuen Höhepunkten gekrönt werden“, lautet eines seiner Mottos und er ist jemand, der zum Ersten selbst tanzt, zum Zweiten das Publikum zum Tanzen bringt und zum Dritten die Gondeln des „Entertainer“ tanzen lässt. Als negatives Gegenbeispiel zu seinen geliebten stampfenden Beats sieht er die Entwicklung des aktuell bei vielen Teens angesagten Deutsch-Raps. „Hier findet eine Verschandlung unserer Sprache statt!“ Man ist geneigt ihm für diese Aussage Applaus zu spenden.
Zurück zum „Entertainer“. Das Karussell ist fürs Tanzen wie gemacht. Kaum ein anderes Fahrgeschäft hat solch „tanzende“ Bewegungen wie der Huss Magic. Unterstrichen wird dies bei Müller & Volklandt durch Licht, Licht und noch mal Licht. Zwölf Moving Heads, Laser, Scheinwerfer und jede Menge LEDs lassen den „Entertainer“ zur Disco werden. Doch auch diese aufwendige Art der Illumination ist Müller nicht genug. Wasserspiele, Kaltfunkenfeuerwerk und eine Seifenblasenmaschine, die mit einer Nebelmaschine gekoppelt wurde, sodass sich Nebel in den Seifenblasen befindet, sind nur einige der Special Effects, die bei dem extravaganten Huss-Klassiker zum Einsatz kommen. Der neueste Clou werden CO2-Kanonen werden, die in der nächsten Saison als Novum zum Einsatz kommen. Es wird noch eine spannende Neuerung geben: Müller wird eine aufsehenerregende Live-DJ-Bühne unterhalb der Schrift bauen, sodass dort regionale DJ-Größen auflegen können. Der Begriff des Entertainment wird auf diese Weise noch einmal unterstrichen.
Wie bereits angedeutet, überlässt Müller, was Musik angeht, nichts dem Zufall. Nie darf es langsam oder gar langweilig werden. Allgemeine Party Power Hits wie Herbert Grönemeyers „Mambo“ oder Whams! „Wake me Up before you go-go“ werden direkt in der ersten Stunde als Aufmacher gespielt. Meist folgen dann discotaugliche Charthits. 2020 zählte „On My mind“ von Diplo & Sidepiece im Purple Disco Machine Remix zu seinen Favoriten. In diesem Jahr war sein persönlicher Lieblingstrack „Marea (we’ve lost Dancing)“ von Fred again & The Blessed Madonna, der auch von Kritikern in den höchsten Tönen gelobt, als Clubhymne gefeiert wurde und sich in der kurzen Phase der geöffneten Clubs europaweit etabliert hatte.
Im Laufe des Nachmittages wird es beim „Entertainer“ immer elektronischer, unkommerzieller und unkonventioneller. Seppel Müller bevorzugt echten Techno auf der 16.000 Watt starken Kort-Anlage zu spielen. Typische Interpreten dieses Genres sind Sascha Braemer oder auch Alfred Heinrichs, der gut mit Müller befreundet ist und auf der neuen Bühne auftreten wird. Lauscht man Titeln der genannten DJs und Producer, so fällt auf, dass sie entweder nur wenige kurze Textpassagen beinhalten oder gar völlig instrumental eingespielt wurden. Das ist kein Zufall. Müllers Ansicht nach, achtet man viel mehr auf Texte, wenn man schlecht drauf ist. Wirklich ausgelassene Stimmung erfolgt meist, wenn man von der reinen Musik, den Sounds getrieben wird. Genau so arbeitet er und wenn das Volksfestpublikum sich bereits beim Vorbeigehen bewegt, weiß er, dass er alles richtig gemacht hat. Techno, Electro und House in Geschwindigkeiten zwischen 126 und 128 BPM sind für ihn perfekt. Exemplarisch seien „Nebel“ von Droplex & Mark Dekoda, „Gummihammer“ von Der Dritte Raum oder „I am the Joker“ von Boris Brejcha genannt. Nicht selten feiern Müller, seine Fahrgäste und das Publikum ekstatisch.
Das Beste kommt meist zum Schluss. Die letzte Fahrt wird beim „Entertainer“ regelrecht zelebriert. In Annaberg-Buchholz auf der „Kät“ beispielsweise wird die Abschlussfahrt auf 10 Minuten oder gar eine Viertelstunde ausgedehnt. Hierzu muss (!) ein Titel gespielt werden: „Klick Klack“ von Pyjama Pack ist hier absolut Kult und wird vom Publikum gefeiert! Nach dieser finalen Showfahrt wird der „Entertainer“ mit Applaus bedacht – und wo gibt es das schon bei einem Fahrgeschäft?!  Dass letztgenannter Song fast immer zum Finale eines Tages gespielt wird, ist die rühmliche Ausnahme, denn Seppl Müller weiß: „Es gibt zu viel gute Musik, um Titel doppelt zu spielen.“

Text und Fotos: Dennis König

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