Gesichter des Komet: Rainer Schulz

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Der erfahrene alte Hase

Seit mittlerweile rund 50 Jahren schreibt Rainer Schulz schon für den „Komet“ und gehört damit als dienstältester freier Mitarbeiter sozusagen zum Inventar. Wie jeder hat auch er seine Ecken und Kanten und gelegentlich kommt es vor, dass er beim Vermittelnseines Wissens nicht innehält. Eines ist ihm besonders wichtig: Er ist ganz und gar nicht darauf erpicht, „everybodys Darling“ zu sein. Schon immer lautet sein Lebensmotto: „Non generabo“ (lateinisch für „sich selbst treu bleiben“ –„sich nicht verbiegen lassen“ –„nicht aus der Art schlagen“) und so mag sich so mancher die Zähne an dem Sparkassenbetriebswirt i. R. ausgebissen haben, der versucht hat, sich bei ihm einen besonderen Vorteil zu verschaffen. Wer ihn jedoch mit allen seinen persönlichen Eigenschaften zu schätzen weiß, kann ihn als treue Seele mit dem Herz am rechten Fleck erleben. Hat er jemanden einmal in sein Herz geschlossen, wird er nicht mehr vergessen. Was bewegt ihn dazu, seit so vielen Jahren für unsere Zeitung zu schreiben?

Rainer Schulz ist ein waschechter Werner und nicht nur das: Sein Elternhaus, in dem der Traditionalist immer noch wohnt, befindet sich unweit des Kirmesplatzes und so rätselte er schon als Kind fieberhaft, was sich wohl in den Kirmeswagen befinden könnte, die kurz vor der Maikirmes und Sim-Jü angerollt kamen. Aber nicht nur er interessierte sich dafür. Schon sein Vater hatte einen Hang zum fahrenden Volk und so erzog er seinen Sohn zu einer herzlichen liberalen Haltung den Reisenden gegenüber, die in den 40er und 50er-Jahren nicht so selbstverständlich war. Es war der viel zu früh verstorbene Schausteller Otto Wendler, der den heutigen Rentner ermunterte: „Schreib doch mal für unsere Fachzeitschrift über Sim-Jü“. Das tat er und begann damit seine langjährige Arbeit für den „Komet“. Im Laufe der Zeit übernahm er immer mehr Berichte über die unterschiedlichsten Plätze –häufig auch mit kritischen Anmerkungen und Kommentaren. „Wer Kritik übt, muss allerdings auch Vorschläge liefern“, ist der 76-jährige überzeugt. Deshalb sind Anregungen in seinen Texten ebenfalls oft vorhanden. Auch über gesellschaftliche Anlässe hat Schulz häufig kenntnisreiche Artikel geschrieben. Fotos für den Komet wurden anfänglich in seinem eigenen Labor entwickelt und Collagen für die früher üblichen Foto-Sonderseiten erstellt, um sie anschließend per Post an den Komet-Verlagzu schicken. „Dort wurden sie damals noch in Blei gegossen –später stellte der Verlag einen ersten sehr großen und auch sehr teuren Scanner in Dienst –damals wurde noch alles in Schwarz-Weiß gedruckt –das waren noch Zeiten“, erzählt Rainer Schulz aus der Geschichte des Komet. Über seine Familie, die er über alles schätzt, sagt er: „Ohne das Verständnis meiner Familie und insbesondere die großartige Unterstützung meiner Frau, hätte ich das Engagement für die Schausteller neben meinen beruflichen Aufgaben kaum bewältigen können.“Mittlerweile lässt es der Ehemann von Dänin Kirsten Juhl Schulz, Vater zweier erwachsener Kinder und Großvater von Zwillingen, ruhiger angehen und hat auch schon Plätze an jüngere Kollegen abgegeben. Seinem Interesse für die Schaustellerei tut das jedoch keinerlei Abbruch. Neben seinem Engagement in zahlreichen Vereinen hat er bereits mehrere Bücher –unter anderem „625 Jahre Sim-Jü“ –veröffentlicht und an der Erstellung einiger Festschriften von Schaustellervereinen und Verbänden wie z. B. „Auf neuem Weg…“ Geschichte des Deutschen Schaustellerbundes und „125 Jahre Der Komet“ mitgewirkt.Seit 1991 ist er stolz auf seine Ehrenmitgliedschaft im Schaustellerverband Münsterland e. V. und seit 1998 Träger des Kulturpreises der Stadt Werne – verliehen für langjähriges Engagement im Bereich Heimatkunde und Stadtgeschichte. Im Jahr 1998 erhielt er auch die goldene Ehrennadel des Deutschen Schaustellerbundes.Sein größtes Interesse gilt seit je her der Historie des fahrenden Volkes. So verfügt der leidenschaftliche Hobby-Volkskundler über eine riesige Bibliothek und ein umfangreiches Archiv aus historischen und neuzeitlichen Schriftstücken und dreidimensionalen Gegenständen rund um die Themen Volksfeste, fahrendes Volk und natürlich „Sim-Jü“.Was fasziniert Rainer Schulz besonders an den reisenden Kaufleuten?

„Vor allem ihre unbedingte Beweglichkeit –wechselt ein einstiger Fahrgeschäftsbetreiber im Alter zum Beispiel zum Mandelbrennen, so sehen er und seine Kollegen das keineswegs als Abstieg. Im stationären Gewerbe sähe das wohl anders aus. Schausteller können sich einfach unglaublich gut auf neue Situationen einstellen, das gilt auch für die jetzige Coronazeit!“ Außerdem bewundert er den Zusammenhalt in Notfällen: „Bei allem Konkurrenzneid, der mitunter herrscht –bei Not am Mann steht jeder Gewehr bei Fuß!“ Auch menschlich hat Schulz in seinem Leben vieles in dieser besonderen Branche erlebt und sogar einiges für seinen Beruf in den Bereichen Marketing und Öffentlichkeitsarbeit lernen können. Zu manchen Menschen, mit denen ihn besondere Geschehnisse verbinden, hat sich eine starke Verbundenheit entwickelt. Mit diesen steht er regelmäßig in Kontakt und sie klingeln immer wieder gerne an seiner Haustür, weil sie wissen, dort willkommen zu sein.

 

Bilder: Sim-Jü-Archiv

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