Grandiose Sim-Jü-Kirmes 2021

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Die Bürger von Werne
im Volksfest-Fieber

 

Nach Wochen des Bangens und Hoffens präsentierte sich das größte Volksfest an der Lippe, Wernes Sim-Jü-Kirmes (Simon-Juda-Markt), nahezu wie in „Vor-Corona-Zeiten“. An allen Tagen konnten starke Besucherzahlen und dem entsprechend gute Umsätze erzielt werden. Die Beschicker zeigten sich durchweg beeindruckt vom hervorragenden Verlauf der vier vom Wetter begünstigten Veranstaltungstage.

 

Es war alles vorhanden, was man seit Jahr und Tag gewohnt ist in der Lippestadt, lediglich das große Festzelt musste aus organisatorischen Gründen durch einen Biergarten ersetzt werden und sowohl das Ausstellungs- als auch das Partnerschaftszelt – sonst hinter dem traditionell verpflichteten „Roue Parisienne“ platziert – fehlten diesmal. Der freie Platz wurde für eine Reihe von Rollen, Packwagen und Zugmaschinen der Beschicker genutzt, die dieses Angebot wegen der Nähe zu ihren Geschäften natürlich gerne wahrgenommen haben. Den endgültigen Segen für Sim-Jü 2021 seitens des entsprechenden Ausschusses gab es allerdings erst relativ spät am 21. September. Zu diesem Zeitpunkt stand in Werne jedoch alles bereits in den Startlöchern.

Die Planungen für Sim-Jü 2021 begannen wie immer Anfang Februar des Jahres, wobei man das Programm der ausgefallenen Veranstaltung im Jahre 2020 (wie viele andere Veranstalter ja auch) zunächst komplett übernahm. Allerdings sollte sich im Laufe des Jahres herausstellen, dass der eine oder andere Beschicker seinen Vertrag würde nicht erfüllen können. Das waren vor allem einige Reihengeschäfte von Stammbeschickern, deren Betriebe für die Saison 2021 stillgelegt waren. Aber auch Fahr- bzw. Belustigungsgeschäfte mussten aus nachvollziehbaren Gründen Abstand nehmen, so Schützes „Geisterschloss“, Barths „Feuer und Eis“ und Schäfers „Voodoo Jumper“, was kein Problem für die Veranstalter war. Dagegen war die Art und Weise der erneuten Absage einer Großschaukel mit einer fadenscheinigen Begründung inkorrekt. Das fragliche Geschäft, das für die Top Position auf dem Werner Hagen vorgesehen war, gastierte doch entgegen den Beteuerungen auf einem parallellaufenden Volksfest im Münsterland (Lesen Sie hierzu den Kommentar). Das alles waren für die Vorbereitungen erschwerende Begleiterscheinungen, die jedoch für die Gesamtattraktivität von Sim-Jü letztlich keine Bedeutung hatten, zumal bei der Verpflichtung von Ersatzgeschäften aus dem Vollen geschöpft werden konnte. So bekamen Thilo Janßens „Crazy Mouse“, Weltes „Big Spin“, Oberschelps „Mr.Gravity“ und Molengraft-Sipkemas „Geister Villa“ noch unverhofft Platz in Werne.

Protagonisten der Pressekonferenz mit BM Lothar Christ (rechts)

Tradition wird in Werne – namentlich zu Sim-Jü – schon immer großgeschrieben. Das gilt auch für die Werbekampagne des „Größten Volksfestes an der Lippe“: Seit Jahren steht das gleiche, lediglich farblich immer wieder veränderte Plakat mit dem eingängigen Sim-Jü-Logo im Mittelpunkt, das sich als geschütztes Markenzeichen auf allen Werbemitteln einschließlich der begehrten Gummi-Pins wiederfindet. Nach wie vor sind auch die Kirmesbeilagen der beiden örtlichen Tageszeitungen sowie neuerdings der Internet-Zeitung „Werne plus“, die allesamt über Werne hinaus verbreitet und ausschließlich von der heimischen Wirtschaft finanziert werden, eine wichtige Komponente im Werbemix. Der moderate, seit vielen Jahren fixe Werbebeitrag der Beschicker wird dagegen für das Feuerwerk und die vom Stadtmarketing produzierten Plakate, Flyer und sonstigen Werbemaßnahmen verwendet. Ergänzend laden die eingängigen Werbespots in den drei Regionalsendern des Einzugsbereichs zu Sim-Jü ein. Das gilt ebenfalls für den jeweils aktualisierten Internet-Auftritt der Veranstaltung, deren Einzugsbereich das Münsterland, die Stadt Hamm und Umgebung, der Kreis Unna, die Stadt Lünen und der Großraum Dortmund sind.

Eröffnung auf dem Marktplatz mit „gebremstem Schaum”

Die Offizielle Eröffnung lief diesmal unter dem Gesichtspunkt „Gebremster Schaum“ ab. So wurden coronabedingt keine Lebkuchenherzen verteilt und der traditionelle Bummel der Promis über das weitläufige Sim-Jü-Gelände fand in Grüppchen statt. Dennoch fanden sich zum Auftakt vor „Mr.Gravity“ auf dem historischen Marktplatz wieder einige Hundert Besucher und Ehrengäste ein, die von Wernes Bürgermeister Lothar Christ begrüßt wurden, bevor das Stadtoberhaupt zum Zeichen des Beginns die traditionelle Freifahne hisste. Zu diesem Zeitpunkt ging es auf den übrigen drei Veranstaltungsplätzen in der Innenstadt, dem Hagen, dem Platz am Griesetorn und dem Kurt-Schumacher-Platz, schon gut zur Sache. Die Befürchtungen, dass Corona die Besucherzahlen zurückgehen ließe, wie mancher Skeptiker im Vorfeld vermutet hatte, trafen schon von Beginn an nicht zu – das Gegenteil war der Fall.

Als attraktive bunte Palette hinsichtlich der Auswahl an interessanten Fahr-. und Belustigungsgeschäften zeigte sich Sim-Jü einmal mehr sehr vielseitig. Außer den zum Stamm zählenden Beschickern waren die bereits erwähnten Geschäfte sowie Deinerts „Rock & Roll“ und Armbrechts „Nightstyle“ erstmals mit von der Partie – allesamt optisch wirkungsvoll auf dem Festgelände platziert. Turnusgemäß wieder dabei: „Nessy“, Markmanns einzigartige Großschaukel auf ihrem traditionellen Platz an der Längsseite des Hagens. Hier präsentierte sich diesmal auch Schäfers Dauerbrenner „Shake & Roll“ – übrigens auf der Poleposition, wo das Geschäft eine tolle Atmosphäre verbreitete. Weiter auf dem Hagen vertreten: „Love-Express“ von Kreft-Wendler, die „Geister-Villa“, Burghards „Roue Parisienne“, Petters „Low Rider“ und auf seinem Stammplatz der „Twister“ von Deinert. Auf der Kreisverkehrs-Insel drehte sich wie immer Wendlers „Wellenflug“, während an der Kurt-Schumacher-Straße „Big Spin“ und Bonners „Breakdance“ diesmal in der kleinen Version, das Publikum lockten. Auf der sogenannten Büchereiplatte gastierte wieder einmal Michel Schneiders „Pirates Adventure“, das sich erneut großer Beliebtheit erfreuen konnte. Stark bebaut war schließlich erneut der Kurt-Schumacher-Platz mit Iskens „Skooter“, Hirsch’s Top-Kindergeschäft „Truck Stop“ und der quer vor Kopf platzierten „Crazy Mouse“. Einen starken Erfolg konnte an der Längsseite des Platzes das erstmalis verpflichtete und pfiffig verzappte Überkopf-Geschäft „Nightstyle“ verbuchen. So gesehen konnte man dem neuen Werner Platzmeister Sven Bohne, dem allerdings sein Vorgänger noch einmal mit zur Hand ging, durchaus gratulieren, insbesonders da die Vorarbeiten für Sim-Jü ja nicht ohne Komplikationen verliefen.

Gottesdienst Dem vor Jahrzehnten vom verstorbenen EU-Generalsekretär Ulrich Rust gemeinsam mit dem Verfasser initiierten Ökumenischen Gottesdienst fehlte mangels eines Zeltes heuer ein Dach über dem Kopf. Robert Petter holte den Gottesdienst kurzerhand auf seine bestuhlte Skooterplatte, die inklusive der Skooter-Chaisen am Sim-Jü-Sonntag um 10 Uhr komplett ausgebucht war. Bei herrlichem Sonnenschein war der Gottesdienst ein voller Erfolg für die Schaustellerseelsorger beider Konfessionen. Während es mit dem Gottesdienst hervorragend klappte, musste diesmal ebenfalls weil das große Zelt fehlte, auf den montäglichen Senioren-Treff verzichtet werden. Der seit Jahren sehr erfolgreiche Programmpunkt wird in diesem Jahr mit Sicherheit durchgeführt werden. Auch auf das traditionelle Feuerwerk am Montagabend musste infolge der Pandemie verzichtet. werden.

Interessentenversammlung Die gut besuchte Interessentenversammlung am Montagmorgen verlief unter der Leitung von Bürgermeister Lothar Christ und seiner Ordnungsamtsleiterin Kordula Mertens äußerst harmonisch. Werne ist dafür bekannt, dass hier alle Probleme offen angesprochen werden können. Allerdings gab es diesmal keine kritischen Töne, stattdessen reichlich Lob für die Organisatoren, das der Bürgermeister mit Blick auf die Beschicker erwiderte. Polizei und DRK machten einmal mehr deutlich, dass die Werner Kirmeswelt noch in Ordnung sei, zumal kaum Ballermann-Tendenzen zu beobachten gewesen seien. Auch vom städtischen Bauhof kamen durchweg positive Rückmeldungen.

Gut besuchter Krammarkt Der traditionelle Kram- und Viehmarkt am Sim-Jü-Dienstag, der zunächst wie das Feuerwerk zur Diskussion stand, fand letztlich doch statt und konnte sich mit über 150 Beschickern sehr wohl sehen lassen. Allerdings war die Publikumsfrequenz hier nicht so stark wie in der Vergangenheit. Dennoch waren es reichlich viele Besucher, die für dieses besondere Sim-Jü-Attribut erneut von Fern und Nah anreisten.

Sim-Jü 2021: Der Hagen und die Bebauung an der K.-Schumacher-Straße

Fazit Wernes Sim-Jü präsentierte sich bei vier Tage andauernden angenehmen Witterungsbedingungen von seiner besten Seite. Die Besucher strömten in Scharen und genossen sichtlich die Freiheiten des Volksfestes. Daran änderte auch die stichprobenartige Erfassung der Besucher hinsichtlich der 3G-Regel nichts. Immerhin wurden rund 20.000 Gäste überprüft, von denen nur eine relativ geringe Anzahl ihre Zugangsberechtigung über die Testzentren nachholen mussten. Durch farblich verschiedene Bändchen wurden doppelte Überprüfungen mit Erfolg vermieden. Alles in allem waren die rund 210 Beschicker mehr als zufrieden mit dem Verlauf von Sim-Jü, mit der Rheiner Kirmes, dem Münster Send und dem Soester Allerheilgenmarkt. Die Stadt Werne dürfte richtig liegen, wenn sie das für die Region bedeutende Volksfest weiterhin so traditionell wie gewohnt durchführt. In diesem Sinne: „Auf eine gute Zukunft nach Corona!“

Text und Fotos: Rainer Schulz

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