Großer Erfolg, trotz Sturm und Evakuierung

Romina Fellinger

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Pilsting trotzt nach zwei Jahren Coronapause dem Unwetter

Zwei Jahre musste das traditionelle Pfingstvolksfest im niederbayerischen Pilsting ruhen, doch 2022 gab es kein Halten mehr. Schon früh wurde beschlossen, die Veranstaltung stattfinden zu lassen, sofern die Gesetzgebung es erlaubt. Spätestens Ende März war die Sache klar und die letzten Schritte der Planung konnten abgeschlossen werden. Am 3. Juni war es dann so weit und das fünftägige Volksfest begann mit seinem bislang größten Auszug der örtlichen Vereine. Im Zelt angekommen konnte Bürgermeister Martin Hiergeist zum ersten Mal seit seiner Wahl das Fass anzapfen und Festwirt Ferdinand „Ferl“ Limbrunner eröffnete anschließend das Fest mit den Worten: „Mit drei Schlägen is o‘zapft!“

Neue Auflagen sorgen für eine andere Aufstellung
Um den großen Besuchermassen gerecht zu werden, musste der Biergarten auf Anordnung der Gemeinde vergrößert werden. Dies hatte zur Folge, dass das Kinderkarussell “Fantasia” von Josef Kollmann nicht mehr an seinem angestammten Platz vor dem Zelt stehen konnte, sondern an das andere Ende des Platzes umsiedelte. Durch das neue Vereinsheim und dem Umzug des Kinderkarussells hatte nun kein weiteres Rundfahrgeschäft auf der Seite mehr Platz. Glück im Unglück für Pilsting, denn dadurch wurde eine für den Ort völlig neue Attraktion verpflichtet: Pilstings erstes Riesenrad.

„Zeit is’s worn!“
Eigentlich eine Ironie, dass erst im Jahr 2022 das erste Riesenrad auf dem Volksfestplatz zu finden war, denn seit vielen Jahren ziert ein Solches das Plakat des Festes. Das Familienrad „Luftikus“ von Johann Agtsch feierte erst in diesem Jahr in Konstanz am Bodensee Premiere. Somit war Pilsting gerade einmal die dritte Station auf der Reise. Mit 17 Metern Höhe, 18 Metern Länge und 7,5 Metern Tiefe ist es sehr platzsparend, sodass alles auf einen Transportwagen passt und auch ein Packwagen ist nicht nötig. In den zehn Gondeln für jeweils vier Personen erlebten viele einmal eine ganz neue Perspektive, denn immerhin gab es bisher kaum eine Möglichkeit für die Einheimischen, ihren Ort von weiter oben zu betrachten. Dabei fanden sich Alt und Jung unter den Mitfahrern und alle waren sich über “ihr” Riesenrad einig: “Zeit is’s worn!” (Zeit wurde es!)

Belustigung an Fahr- und Spielgeschäften
Für die Besucher nicht mehr wegzudenken ist der Autoscooter der Familie Rilke. Seit fast 60 Jahren steht Lydia Rilke schon in Pilsting und ist der Dreh- und Angelpunkt, da der Autoscooter den Mittelpunkt des Platzes bildet. Die Chaisen wurden vor circa 20 Jahren ausgetauscht, doch noch immer stehen Leute an der Kasse und fragen, warum ihr alter Chip nicht funktioniert. Zwar dauert es noch bis zum sechzigsten Jubiläum in Pilsting, doch nach 17 Jahren darf man den „Bavaria Dance“ von Alexander Thalkofer ruhig als Stammgast bezeichnen. Selbst strömender Regen hielt das überwiegend junge Publikum nicht davon ab, sich mit dem Hopser durchschütteln zu lassen. Nicht nur Fahrgeschäfte sorgten für Unterhaltung. Beim Kugelstechen von David Neigert und an Franz Sonntags Verlosung forderte man sein Glück heraus, während man am Schützenhaus von Christian Diebold und beim Dosenwerfen von Olga Klimkeit-Kollmann sein Können unter Beweis stellen musste. Wobei auch hier immer ein Fünkchen Glück mitspielt.

Von der Riesenbreze bis zum Luftballon
Auf keiner Veranstaltung darf die Kulinarik zu kurz kommen. Mit Hendl Ernst, Fischbraterei Babel und Niedermeier Käse standen drei Klassiker der Volksfestgastronomie auf dem Platz. Doch auch anderweitig konnte der Hunger gestillt werden, denn die heimische Pizzeria und Metzgerei ließen sich so ein Fest ebenso nicht entgehen. Süß wurde es bei der Mandelbrennerei von Brigitte Zimmermann-Weber oder den Crêpes von Sabine Kraus. Strahlende Kinderaugen gab es vor allem bei den Luftballons von Karl Kollmann und die Erwachsenen hatten zum ersten Mal die Möglichkeit, sich mit sogenannten Glubberl, also Holzwäscheklammern, mit eigener Gravur von Günther Volgberger auszustatten zu lassen.

Erst der Pfingstmarkt, dann der Sturm
Der Pfingstsonntag begann traditionell mit dem Pfingstmarkt auf dem Marktplatz, bei dem sich heimische Geschäfte mit Marktkaufleuten mischten. Von handgefertigten Schnitzereien bis zum Trachtenzubehör war allerlei geboten. Doch die ersten dunklen Wolken trübten die Stimmung, sodass weniger los war als sonst üblich. Auch am eigentlich sonst stärksten Abend des Volksfestes war es merklich ruhiger. Die ausgegebene Unwetterwarnung veranlasste viele, zu Hause zu bleiben. Trotzdem fanden sich an dem Abend 2500 Besucher ein, als ab 19 Uhr ein schweres Unwetter mit Starkregen und Sturm über das Fest hereinbrach und die Evakuierung des Zeltes und des Festplatzes angeordnet wurde. Dank der guten Zusammenarbeit der Feuerwehr, Polizei und der Security gelang dies ohne große Zwischenfälle und alle fanden in den umliegenden Gebäuden Unterschlupf. Am nächsten Morgen die große Erleichterung, als der Festplatz begutachtet wurde und sich an den Ständen und Fahrgeschäften nur kleine Schäden herausstellten, die bis zum Nachmittag allesamt behoben waren. Auch das Festzelt musste neu verankert werden, da der Sturm das Zelt mehrere Zentimeter angehoben hatte. Zum Glück konnte man ab Nachmittag den Festbetrieb wieder aufnehmen, denn normal ist der Montag der ruhigste von den fünf Tagen, doch diesmal wollten alle den verloren gegangenen Sonntag nachholen. Auch der Familiennachmittag am Abschlusstag dienstags sorgte noch einmal für einen großen Zulauf. Alles in allem war das Pfingstvolksfest Pilsting ein voller Erfolg, das ohne das große Unwetter einen Ausschank- und Besucherrekord aufgestellt hätte.

Text und Fotos: Romina Fellinger

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