Interview mit Oliver Wilmering

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Die Absage der Rheinkirmes erfolgt zum Anfang der Impfkampagne und trifft nicht nur die Düsseldorfer Schausteller hart. Die Hoffnung auf die Düsseldorfer Traditionskirmes war für das Überleben der 120 Düsseldorfer Schaustellerfamilien groß. Wie sehen Sie die Entscheidung?

„Die Entscheidung war zu erwarten. So weh es tut, es war das einzig Richtige, auch wenn es für uns katastrophal ist. Aber wir tragen die Entscheidung mit. Es ist jedoch ein Tiefschlag, dass die Kirmes abgesagt wurde, denn die letzten nennenswerten Einnahmen fanden Ende 2019 auf dem Weihnachtsmarkt statt. Das Wichtigste ist die Gesundheit, das ist keine Frage. Diese steht über allem. Deswegen können wir die Entscheidung verstehen und tragen sie mit.“

Wäre ein kurzfristigerer Aufbau der Kirmes möglich?

„Wir sind flexibel und könnten in 24 Stunden alles umsetzen oder aufbauen. Aber es ist unrealistisch, dass etwas so kurzfristig gehen wird, da ein Verbot für Großveranstaltungen bis zum 30. Juni für alle Bundesländer vorliegt. Eine eingezäunte Kirmes ist derzeit keine Option. Eine große Kirmes mit beschränktem Zugang ist kaum machbar. Menschentrauben vor bewachten Kirmeseingängen würden problematisch und kaum kontrollierbar werden.“

Wie geht es nun weiter?

„Wir sind mit Herz und Seele Schausteller. Das ist unser Leben, denn wir bringen damit Freude und haben an unserem Beruf Freude. Wir fangen in den Familien vieles gegenseitig auf und sind individuell. Das Jahr 2021 ist in den Auswirkungen für uns schlimmer als das vorherige, da es keine Perspektiven und Planungssicherheit gibt. Zudem spielt die Psyche nicht mehr mit. Kredite sind aufgenommen worden und müssen zurückgezahlt werden. Das Konzept mit den vierzig Hütten in der Innenstadt sichert uns das Überleben. Es gibt auch einige Kollegen, die schon Insolvenz angemeldet haben oder in Ausweichjobs, wie beispielsweise Kraftfahrer oder Verkäufertätig sind. Wir müssen das Augenmerk jetzt auf solche Veranstaltungen wie im Herbst beispielsweise auf dem Staufenplatz oder den Weihnachtsmarkt legen.“

Die Stadt schafft Ihnen Alternativmöglichkeiten?

„Wir sind unserer Landeshauptstadt dankbar, weil alles das, was von der Bundes-und Landesregierung erlaubt wird, umgesetzt werden kann. Wir sind permanent in Planungen und haben zu unserem seit Herbst 2020 amtierenden Oberbürgermeister einen guten Kontakt. Wir sind der Stadt und damit dem OB, Düsseldorf-Tourismus und Ordnungsamt für jede Unterstützung verbunden. Dazu zählt die dauerhafte Möglichkeit für unsere Schaustellerfamilien, mit unserem Innenstadtkonzept Einnahmen zu erzielen. Es ist das Licht am Horizont, gemeinsam durch die Krise zu kommen. Wir haben gerade wieder neue Ideen mit den Bannern mit Motiven aus den Dreißigerjahren an unseren Buden in der Innenstadt realisiert und damit unsere Verbundenheit zu unserer Heimatstadt ausgedrückt.“

Schwierige Zeiten auch für Sie persönlich?

„Es gibt bestimmtschönere Zeiten, Schaustellervorsitzender zu sein. Unsere Berufsgruppe ist am Ende. Wir vergessen nicht die anderen Berufsgruppen, die ebenfalls betroffen im Veranstaltungsbereich sind. Meine Kollegen und unsere Berufsgruppe habe ich noch nie so am Boden zerstört erlebt wie zu dieser Zeit. Unsere Gemeinschaft macht uns jedoch stark und das soll auch so bleiben.“

Text und Fotos: Martin Wehmeyer

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