„Kirmes auf Rezept“

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Pressekonferenz am 14. Juli im „Hannopark“

„Lachen ist gesund!“ Diese Tatsache ist nicht erst seit gestern bekannt. Seit mehr als zwanzig Jahren sorgen Clowns in Kliniken für Ablenkung auf humorvolle Art und Weise. Doch gibt es auch den Besuch einer Kirmes auf ärztliche Anordnung, praktisch die Kirmes auf Rezept? „Da spielen die Krankenkassen natürlich nicht mit“, sagt Andreas Feyerabend, leitender Dozent der Niedersächsischen Akademie für Gesundheitund Soziales, Psychotherapeut und Fachberater für Psychotraumatologie. „Der Zufall hat es ergeben, dass ich vor vielen Jahren die Schaustellerin Daniela Ahrend kennenlernen durfte.“ Gemeinsam mit ihr ist die Idee entstanden, das Lachen zu den Menschen zu bringen, die krankheitsbedingt wenig zu lachen haben. „Hierfür haben wir viele Freikarten für Volksfeste bekommen“, bedankt er sich. Fortgeführt wurde das Projekt mit Bewohnern eines psychiatrischen Wohnheimes, die sie auf die Kirmes begleitet und dabei festgestellt haben, dass die Bedarfsmedikation um 30 % reduziert werden konnte. Gibt es Heilfaktoren auf der Kirmes, die sich nutzen lassen, um den stark gestiegenen psychischen Belastungen entgegenzuwirken? Diese Frage stellen sich auch Experten der Medizinischen Hochschule Hannover, wie Prof. Dr. med. Kai G. Kahl, Geschäftsführender Oberarzt, Ärztlicher Leiter der Ausbildungsinstitute und Facharzt für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Prof. Dr. med. Tillman Krüger, ebenfalls Geschäftsführender Oberarzt, Leiter des Arbeitsbereiches Klinische Psychologie und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Psychologin Dana Kuschlyu, die sich in ihrer Doktorarbeit mit den Heilfaktoren auf der Kirmes auseinander setzt und sich in ihrer Studienzeit besonders mit dem Thema psychische Widerstandskraft beschäftigt hat. Gemeinsam haben sie zu einer Pressekonferenz im „Hannopark“ auf dem Schützenplatz in Hannover eingeladen, um zahlreiche Medienvertreter über ihre ersten Erkenntnisse zu informieren. Kevin Kratzsch ist ebenfalls anwesend. Der Vizepräsident des Deutschen Schaustellerbundes e. V. für Marketing freut sich über das Engagement des medizinischen Teams: „Volksfest ist nicht nur eine Party, die man beliebig austauschen kann, das haben wir in der Pandemie deutlich bemerkt“, betont er. Mit den Wissenschaftlern hat er nun Menschen an seiner Seite, die das, was er schon seit vielen Jahren immer wieder mit sehr emotionalen Worten erklärt, fachlich belegen können. „Die coronabedingte Absage von Veranstaltungen hat uns alle finanziell schwer getroffen. Was uns aber noch viel mehr getroffen hat, ist das Gefühl, nicht gebraucht zu werden“, spricht er im Sinne einiger Kollegen. „Viele von ihnen sehen ihren Beruf nicht nur als solches, sondern vielmehr als gesellschaftlichen Auftrag, Lebensfreude zu bringen. Dieser ist am meisten gefragt, wenn es den Menschen am schlechtesten geht“, ergänzt er.

Gestiegene Stressbelastungen durch Corona

Prof. Dr. med. Kai G. Kahl spricht von der Wichtigkeit von sozialen Kontakten. Studien in über 140 Ländern haben ergeben, dass die Stressbelastung durch die Pandemie massiv angestiegen ist und sich deutlich in Form von Angsterkrankungen, Panikattacken und Depressionen zeigt. Die endgültigen Auswirkungen der Traumata seien jedoch erst in 10-15 Jahren erkennbar. Betroffen seien vor Allem sensible Gruppen wie ältere Menschen und Kinder.

Was bewirken Krisen und was brauchen Menschen in Krisen? Krisen bewirken bei den Menschen vor Allem eines, die Angst. „Wenn Menschen Angst haben, machen sie oft komische Dinge“, sagt Prof. Dr. med. Tillmann Krüger. „Doch wie lässt sich dieser Angst am besten begegnen? Das kann man gut in vier Punkten zusammenfassen: Soziale Kontakte, Musik und Unterhaltung, Nervenkitzel und Bewegung. Das alles findet man auf einer Kirmes.“Dana Kuschlyu sieht darin sogar die Möglichkeit, die psychische Widerstandskraft damit zu trainieren. „Kirmes auf Rezept“ eine Aussage, die vielleicht etwas übertrieben klingen mag. Aber eines steht fest: Das Expertenteam ist sich einig, dass es auf der Kirmes Heilfaktoren gibt!

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