Palmkirmes in Recklinghausen

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Ungünstige Witterung – teilweise kam es knüppeldick

 

Wie so oft im Frühjahr machte Petrus diesmal einen Strich durch die Rechnung der Palmkirmes-Beschicker und ließ drei der 10 Spieltage praktisch gegen null laufen. Wenn alle Beteiligten am Ende dennoch zufrieden sein konnten mit dem Verlauf des größten Volksfestes im Vest, dann lag das insbesondere an den jeweils zwei guten Samstagen und Sonntagen, wobei insbesondere der Palmsonntag – gemessen an den Recklinghauser Möglichkeiten – in Schaustellersprache einer Granate gleichkam. Der erste Einsatz des neuen Platzmeisters in Zusammenarbeit mit dem Schaustellerverein Recklinghausen verlief zudem vielversprechend.

Flotter Start
Die erneute offizielle Eröffnung beim Kollegen Leo Fichna ging ein weiteres Mal ohne große Formalitäten und betont locker über die Bühne. Maßgebend dafür war der 1. Vorsitzende des Schaustellervereins im Vest, Richard Abendroth, der als Nachfolger des unvergessenen Heinz Deh schon seit Jahren äußerst erfolgreich agiert und dabei die Werbe- und PR-Schiene für die Palmkirmes weiter nach vorne gebracht hat. Nach seiner kurzen Ansprache mit dem Motto „Endlich wieder Palmkirmes“, das insbesondere diesmal wie die Faust aufs Auge passte, überließ er das Feld der 1. stv. Bürgermeisterin Marita Bergmaier, die in Vertretung von Bürgermeister Christoph Tesche die offizielle Eröffnung mit sichtlicher Freude meisterte. Sie begrüßte zunächst die vielen Gäste und lobte sodann die Vertreter von Ordnungsamt und Schaustellerverein für ihr großes Engagement und das Durchhaltevermögen der letzten zwei Jahre. Bergmaier unterstrich die herausragende Bedeutung der Palmkirmes für Recklinghausen und Umgebung. Immerhin gebe es keine Veranstaltung in Recklinghausen, die so viel Publikum anziehe wie dieses Jahrhunderte alte Fest. Ein besonderes Dankeschön der Bürgermeisterin galt den Schaustellern und deren Einsatz für die Ukraine sowie für die Großzügigkeit insbesondere gegenüber Kindern und Alten, die in Recklinghausen bekanntlich nie zur kurz kommen. Albert Ritter (DSB) und Patrick Arens (BSM), ergriffen ebenfalls kurz das Wort und wiesen unter anderem auf die bedrohliche Situation der letzten zwei Jahre unter Coronabedingungen für die Schausteller hin. Als danach der traditionelle Fassanstich erstmals seit Jahren von Damenhand erfolgte, ging es auf dem Festgelände trotz Regens bereits rund, zumal zu Beginn wie immer auf dem Saatbruch Freifahrten anstanden.

Insgesamt gute Präsentation
Der erstmals aktiv agierende neue Recklinghauser Platzmeister Oliver Boßle zeigte sich aus dem Stand heraus sehr engagiert und war stets überall zur Stelle, wo es „brannte“. Wenn es auch bei der Besetzung des Areals mit attraktiven Zugnummern keine großen Schwierigkeiten gab, so war das Stattfinden der Palmkirmes immerhin noch recht lange zweifelhaft. Noch Ende Februar stand das zu Saisonbeginn so wichtige Volksfest auf der Kippe. Langjährige Palmkirmes-Besucher dürften sich gewundert haben, dass das Eingangstor an der Vestlandhalle diesmal weit zurück installiert worden war. Des Rätsels Lösung: Anfänglich sollte der vordere Teil der Eingangsgasse diesmal (Corona-bedingt) nicht bebaut werden. Nachdem die Beschränkungen im Wesentlichen fielen, erledigte sich diese Einschränkung der Bebauung von selbst. Erfreulich in diesem Zusammenhang: Erstmals seit Jahren konnte wieder die Schäfer’sche Konzertorgel als Aufmacher im Eingangsbereich präsentiert werden – sicher ein Gewinn für die Veranstaltung. Den Schäfers sei Dank, dass sie ihr Instrument seit Jahren hegen und pflegen und so an die beschauliche Kirmeszeit von vor hundert Jahren erinnern, als noch Gassenhauer und Operetten-Ouvertüren den musikalischen Rahmen solcher Volksfeste wie der Palmkirmes bildeten.

In Sachen Bebauung hielt sich Oliver Boßle im Wesentlichen an den Maßgaben von vor Corona und offerierte den Besuchern wie gewohnt eine abwechslungsreiche Vergnügungsstrecke, die wieder einmal an der Vestlandhalle vor Kopf mit Heitmann-Schneiders Wildwasserbahn „Piratenfluss“ startete. Nach dem in Deutschland üblichem Rechtslauf stießen die Besucher sodann auf Schäfers „Shake & Roll“ und wenig später präsentierte sich „The real Nessy“ von Markmann. Osselmanns „Diamond-Skooter“ auf der Innenseite, des weiteren Sturms „Kristall Palast“ und Heitmanns brandneuer „Disco-Jet“ auf der Außenseite folgten. Auf dem für normalerweise Geisterbahnen vorbehaltenen Platz hatte Boßle erstmals die wuchtige „Laser Pix“-Bahn von Hofmann-Jehn als Top-Neuheit für Recklinghausen gesetzt.  Dort, wo sich der Lauf teilt, drehte sich wiederum Bonners „Breakdance No.2“. In der Querverbindung zurück zum Hauptlauf gastierten diesmal als Neuheit vor Kopf das „Dschungel Camp“ von Agtsch und zum zweiten Mal der „Drifting Coaster“ von Ahrend, sowie statt der angekündigten „Geisterstadt“, Fellerhoffs „Geisterdorf“. Weiter im Hauptlauf nach dem Breakdance stand Bauermeisters kleine Acht „Willy der Wurm“ und schließlich Wendlers „Wellenflug“. Vor hier aus zurück zur Vestlandhalle traf man nacheinander auf Bruchs „Fighter“, Burghard-Kleusers „Roue Parisienne“ und Schäfers „Voodoo Jumper“. Den Abschluss der größeren Attraktionen bildeten Bruchs Kinderschleife auf ihrem Stammplatz, dann vor Kopf Hartmanns Laufgeschäft „Viva Cuba“, die Schaukel „X-Factor“ von Deinert und schließlich Petters Skooter „Low Raider“. Ebenfalls mit von der Partie waren heuer Kutschenbauers „Euro Rutsche“ und Strothenkes Simulator „Live Adventure 360“. Eine insgesamt nicht zu beanstandende Reihe von attraktiven Fahr- und Laufgeschäften, bei denen diesmal jedoch ein hoher Turm vermisst wurde. Einen insgesamt verbesserten Eindruck machten viele der unzähligen Randgeschäfte, deren Betreiber die beiden Corona-Jahre offensichtlich zur Attraktivitätssteigerung ihrer Geschäfte nutzten. Insgesamt ein Gewinn für die Palmkirmes, die, wenn wir uns an frühere Jahre erinnern, gerade bei den Randgeschäften erheblichen Nachholbedarf hatte.

Starke Werbekampagne
Runde 10 Jahre ist es nun her, dass die Palmkirmes-Werbung ganz auf „pink“ umgestellt wurde. Seither ist man sich treu geblieben und hat die pinkfarbenen   Werbekampagnen Jahr für Jahr mehr oder weniger stark verbessert. Dem Bekanntheitsgrad des mit rund 180 Beschickern größten Volksfestes im Vest hat das nachhaltig gutgetan.

Nach zwei Jahren Unterbrechung präsentierte sich die Palmkirmes wieder mit einem aufmerksamkeitsstarken Werbeauftritt, der in diesem Jahr besonders wichtig war.  Am 11. März, unmittelbar nachdem feststand, dass die Palmkirmes endlich wieder stattfinden würde, stellte der Schaustellerverein gemeinsam mit dem Fachbereich Bürger- und Ordnungsangelegenheiten der Stadt Recklinghausen Werbung und PR-Maßnahmen für das Volksfest vor.

Beworben wurde die Veranstaltung mit zahlreichen Großflächenplakaten in und um Recklinghausen sowie rund 180 City-Light-Postern. Dazu kamen Anzeigen in Form von Funkspots, Hissflaggen im gesamten Stadtgebiet sowie jede Menge Plakate an den Lichtmasten der Durchgangsstraßen.

Bereits zum dritten Mal warben im entsprechenden pinkfarbenen Outfit zwei Gelenkbusse der Vestischen Verkehrsgesellschaft für die Palmkirmes. Die beiden Busse kamen auf den am stärksten frequentierten Strecken zum Einsatz und konnten so möglichst viele Bürger- und Bürgerinnen erreichen. Doch damit nicht genug: Die vom Grafiker Werner Guhe entworfenen Plakate waren auch im Innern der Busse zu sehen, denn parallel lief die Kirmes-Werbung auf den Info-Monitoren der Fahrzeuge. Oliver Boßle damals zur Presse: „Wir freuen uns sehr auf die Palmkirmes. Die Werbung auf den Bussen ist ein echter Hingucker“ und Joachim Schirrmeister-Drews, stellvertretender Vorsitzender des Schaustellervereins, ergänzte: „Zusätzlich zur Außenwerbung erreichen wir mit der Monitor-Kampagne noch einmal mehr Personen über die Stadtgrenzen von Recklinghausen hinaus.“

Zusätzliche pinke Werbehinweise ergaben sich außerdem per Internet-Auftritt und durch die verstärkte Nutzung von Facebook, Instagram und Twitter. Darüber hinaus wurde für den „Meet and Greet“-Tag weitere spezielle Plakate rund um den Saatbruch platziert.

Wechselhafter Verlauf mit Kälte, Regen, Sturm und wenig Sonne
Wie bereits zu Beginn erwähnt, meinte es Petrus nicht gut mit den Palmkirmes-Beschickern, nachdem die Schausteller des Münster’schen Send zuvor von ihm geradezu verwöhnt worden waren und allen Grund zum Jubel hatten. Dass die Bilanz in Recklinghausen am Ende dennoch einigermaßen positiv ausfiel, ist der großen Beliebtheit und dem zweimaligen Ausfall der Veranstaltung zu verdanken. Wenn es einigermaßen trocken und angenehm war, kamen die „ausgehungerten“ Fans denn auch scharenweise auf den Platz und sorgten für passable Umsätze.

Im Einzelnen: Nachdem der Eröffnungstag bei Kälte und Nässe nahezu abgeschrieben werden musste, konnten am ersten Samstag und Sonntag, als sich das Wetter beruhigt hatte, relativ gute Umsätze verbucht werden. Eine richtig kalte Dusche erwischte die Beschicker zu Wochenbeginn, sodass mancher nicht einmal ans Handgeld kam. Das änderte sich am Dienstag, als die „Meet & Greet“-Aktion lief und viele junge Familien auf den Platz rief. Ähnliches galt für den darauffolgenden Familientag. Ein Totalausfall dann am Donnerstag, als wegen einer Sturmwarnung die Veranstaltung komplett geschlossen blieb. Auch der nachfolgende Freitag schwächelte etwas. Dafür lief das abschließende Wochenende endlich so wie von den Beschickern erwartet, wobei insbesondere der Palmsonntag Massenbesuch und ausnehmend starke Umsätze generierte. Alles in allem wurde man aber leider immer wieder an das Jahr 2008 erinnert, als die Recklinghauser Zeitung es mit der Headline „Scheiß-Wetter vermiest die Kirmes“ ziemlich drastisch auf den Nenner brachte.

Sonderaktionen ziehen nach wie vor
Sowohl der Familientag als auch das erneut spektakuläre Treffen der Kinder am Dienstag mit ihren lebensgroßen Idolen zogen erneut. Als die Paw Patrol, Micky Maus, Winnie Puuh und Co. nachmittags um 16 Uhr aufliefen, spielte das Wetter eine untergeordnete Rolle. Beim „Meet & Greet” konnten die Kinder ihre Stars einmal persönlich treffen. Ganze drei Stunden liefen Everest oder Rubble aus der Paw Patrol-Familie sowie die Disney-Helden Micky Maus, Pluto oder Winnie Puuh über den Platz und ließen sich bereitwillig mit den Kindern und auch manchem Erwachsenen fotografieren. Am direkt darauffolgenden Familientag waren es mehr die ermäßigten Preise bei den Karussells, Verkaufs- und Spielbuden, die das Familienpublikum lockten. So wurden nachmittags unzählige kostengünstige Runden auf den insgesamt zwölf Kinderfahrgeschäften vom Mini-Skooter über die lustige Seewelt und den Kettenflieger bis hin zur Mini-Acht gedreht, während abends einmal mehr auch die Älteren in den Genuss zahlreicher Vergünstigungen für Leib und Seele kamen. Apropos Seele – wer wollte, konnte auf der KIrmes auch etwas für sein Seelenheil tun. Der traditionelle Gottesdienst fand diesmal in Ermangelung eines Zeltes am ersten Sonntag auf der Skooterplatte von Petter statt und war relativ gut besucht.

Fazit
Die erste Palmkirmes seit zwei Jahren hätte ein überragender Erfolg werden können, wenn Petrus von Anfang an mitgespielt hätte. Dass die Recklinghäuser und die Menschen aus dem weiten Vest ihre Palmkirmes feiern wollten, ja richtig heiß darauf waren, steht außer Zweifel, wenn man betrachtet, wie gut es zum Beispiel am Ende lief. Doch den ganz großen Gewinn, – um es in der Tombola-Sprache auszudrücken, – haben die Beschicker diesmal nicht ziehen können. Dass die Palmkirmes zurzeit insgesamt gut aufgestellt ist und sowohl bei der Verwaltung, dem Schaustellerverein, bei den Beschickern und bei den Besuchern einen hohen Stellenwert genießt, steht für den Berichterstatter außer Zweifel.

Auch der Schaustellerverein „Vest Recklinghausen“ zeigte Herz für die Menschen in der Ukraine. Richard Abendroth und sein Stellvertreter Joachim Schirrmeister-Drews überreichten Bürgermeister Christoph Tesche einen Spendenscheck in Höhe von 4.800 Euro zugunsten der ukrainischen Stadt Bytom, der Partnerstadt von Recklinghausen. Der Verein hatte die üblichen Palmkirmes-Herzen dieses Mal für den guten Zweck verkauft und stattdessen zur Eröffnung „Ukraine-Friedensherzen“ ausgegeben. Zusammen mit dem Erlös der begehrten PK-Pins und einer Aufstockung durch den Verein ergab das die stattliche Summe von 4.800 Euro.

Text und Fotos: Rainer Schulz

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