Rudolstaedter Vogelschiessen

Dennis König

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Große Medienpräsenz zum Jubiläum


Grandioser 300. Geburtstag des Rudolstädter Vogelschießens

 

Harmonische Kombination von „The Lady Show“ und dem „Venetian Carousel“

Alle waren da: Funk, Fernsehen, Reporter für das World Wide Web, Journalisten von regionalen und überregionalen Blättern, örtliche Politiker, Minister und auch der Ministerpräsident Bodo Ramelow, dessen nicht eben schaustellerfreundlichen Handlungen vom Vorjahr noch einigen Beschickern im Gedächtnis geblieben waren. Als besonderer Ehrengast war überdies Albert Ritter, seines Zeichens Präsident des „Deutschen Schaustellerbundes“ sowie der „Europäischen Schaustellerunion“ zugegen. Diese überdurchschnittlich große Delegation bummelte – von Marktmeister Frank Grünert geführt – über die Bleichwiese und ließ sich von dem großartigen Angebot verzaubern.

Doch nicht nur diese dreistellige Gruppe, auch Hunderte, ja: Tausende weitere Besucher wollten dem Jubiläum beiwohnen – schließlich gab es 724 Tage lang kein Vogelschießen und da herrschte Nachholbedarf! Am Ende wurde die Besucherzahl mit rund 500.000 angegeben – stark! Damit resümierte Frank Grünert einen noch größeren Andrang als in den Vorjahren und die von ihm befragten Beschicker zeigten sich mit den Umsätzen sehr zufrieden.

Viel besser konnte man ein Jubiläumsfest auch nicht organisieren. Das würdige Rahmenprogramm wurde frühzeitig geplant, mit Betreibern von neuen Großattraktionen wurde schon im Vorjahr Kontakt aufgenommen und Reporter und Journalisten wurden mit überdurchschnittlich vielen Informationen gefüttert, um die Werbung für das 300. Vogelschießen zu forcieren.

Neben Comedy, Livemusik, Kasperletheater, Armbrustschießwettbewerben und dem namensgebenden Schießen auf den Holzvogel beeindruckte vor allem die Hochseilartistik der Geschwister Weisheit. Wie die Motorräder über die Stahlseile knatterten und irrsinnige Kunststücke in 62 Metern Höhe am höchsten Artistenmast der Gegenwart vollführt wurden, war schlicht atemraubend. Nahezu alle anwesenden Vogelschießenbesucher legten ihren Kopf in den Nacken und waren begeistert. So etwas sieht man nicht alle Tage.

Volksfestgeschichte wurde in Schmitz’ „The Lady Show“ lebendig. In der Paradox-Sideshow wurde u. a. die Dame ohne Kopf präsentiert und auch im Jahre 2022 scheint dies ein unerklärliches Phänomen zu sein, das die Besucher staunen und rätseln lässt.

In unmittelbarer Nachbarschaft drehte sich Langenbergs „Venetian Carousel“ zum allerersten Mal auf der Bleichwiese. Obgleich das doppelstöckige Pferdekarussell erst seit zehn Jahren auf der Reise ist, entfacht es einen Zauber aus der Anfangszeit der ersten drehenden Anlagen auf Jahrmärkten und erfreut wohl alle Generationen. Das Zusammenspiel von Schaubude und dem Zweistock-Bodenkarussell wusste sehr zu gefallen! Als Sahnehäubchen fanden zudem noch Wahrsagerin Odessa und ein Riesenrad-Modell ihren Standplatz am Rande dieser beiden Attraktionen – welch harmonische Zusammenstellung!

Dass sogar eine Weltpremiere gefeiert werden konnte, war ein weiteres Highlight des Jubiläums. Laurence Blume hatte im Herbst 2021 die Wildwasserbahn des Jaderparks käuflich erworben und seitdem auf links gedreht. Alles wurde erneuert, restauriert, technisch überholt und völlig neu dekoriert. Am Ende konnte auf dem Vogelschießen 2022 das Debüt von „Jim & Jasper’s Wildwassser“ erlebt werden. Blume hat mit dieser Bahn die größte Wildwasserattraktion unserer Zeit auf die Reise gebracht, die mit etlichen Zusatzgimmicks im Wartebereich auftrumpft, absolut familienfreundlich designt wurde und eine faszinierende unverbrauchte Thematisierung aufweist.

Dem noch nicht genug konnte ein wahrer Gigant in Rudolstadt präsentiert werden. Familie Hoefnagels reiste mit ihrem „Infinity“ an die Saale und präsentierte somit die höchste reisende Überschlagschaukel der Welt. In wahnwitzigen 65 Metern erleben bis zu 24 Personen den einmaligen Looping – irre!

Aber auch kleine Novitäten wurden vom Publikum begeistert angenommen. So war beispielsweise Meyers „Großes Kino 7D“ erstmalig mit von der Partie und bescherte seinen Gästen ein so noch nicht da gewesenes Filmerlebnis. Die vielen Spezialeffekte im Kinosaal untermalten das auf der Leinwand projizierte, auf perfekt abgestimmte Art und Weise.

Noch eine Vogelschießen-Premiere! Eine ganz besondere Geisterbahn konnte mit Dom-Jollbergs „Fahrt zur Hölle“ gewonnen werden. Die Gruselattraktion kennt man vor allem vom Münchner Oktoberfest und reist eher selten im Osten Deutschlands; von daher dürfte die Bahn den allerwenigsten Rudolstädtern bekannt gewesen sein. Bereits im Wartebereich begegnet man schaurigen Figuren und Wesen mit abgetrennten Gliedmaßen. Auf zwei düsteren Etagen im Innern geht es dann richtig zur Sache und wohl die wenigsten Insassen dürften diese Attraktion ohne Gänsehaut verlassen.

Die sich in den letzten Jahren bewährten und von den Besuchern überaus geliebten Fahrgeschäfte waren natürlich auch alle wieder mit dabei. Alt und Jung ließen sich in Jacobs Berg- und Talbahn „Musik-Palast“ von Tempofahrten mitreißen. Einen Tanz durch die Zirkusmanege wagte man in Meyers „Magic“. Ein exaktes Timing war in Janßens „Looping the Loop“ nicht ganz unwichtig, wollte man den Überschlag erreichen. Selbstironisch trat die Belustigungsanlage „Freddy’s Company“ von Hofmann-Jehn in Erscheinung. Einen Irrweg durch die englische Hauptstadt hielt Hofmanns „Down Town“ bereit. Als familienfreundliche Achterbahn war Walkhöfer & Fischers „Drachen“ erneut vor Ort. Seinen Autoscooter „Route 66“ präsentierte Krebs mit neuen Drift-Cars. Die Jugend bestens im Griff hatte Familie Meyer in ihrem wilden „Break Dance“. Anlässlich des Jubiläums hatten Meyers „Break Dance Hüte“ produzieren lassen und boten diese zum absoluten Sonderpreis an – reißender Absatz war das Ergebnis!

Wesentlich ruhiger als der F1 Breaker bewegte sich da das mit einer bildschönen Beleuchtung ausgestattete Riesenrad „Europarad“ von Schieck-Plaenert. Als ein weiteres zeitloses Kirmeswahrzeichen drehte Blumes goldener „Wellenflug“. Im Zusammenhang mit dem schmucken Kettenkarussell sollte unbedingt erwähnt werden, dass im Gegensatz zu fast allen anderen Beschickern hier der Fahrpreis im Vergleich zum letzten Gastspiel gesenkt wurde. Da hat Familie Blume ein klares Zeichen in Zeiten wie diesen gesetzt – Kirmes muss familienfreundlich und bezahlbar bleiben!

Fahrspaß für den Nachwuchs offerierten Katzschmanns Doppel-8-Schleife „Super-8-Truck“ und das Kindersportkarussell aus selbigem Hause. Eine weitere Attraktion, die den Kleinen vorbehalten war, war Krebs’ Bungee-Trampolinanlage, auf der sich Jungs und Mädchen im Salto Mortale üben können.

Keine Wünsche offenließ das Reihengeschäftsangebot. Exemplarisch seien der mit einer tollen Bandbreite an gerollten gefüllten Fladenbroten „Wrap It“ von Meinecke, die unvergleichlich gut betriebene Großverlosung „Hong Kong“ von Schleizitz, das moderne Wasserspiel „Aquafun“ von Bodem und die Wohlfühl-Gastronomie „Löschturm“ von Meyer genannt. Als heimliches Highlight stellte sich einmal mehr Schröders Travestie-Cabaret „Tingel-Tangel“ heraus. Die kunstvollen Darbietungen (sowohl von den Gestiken und Mimiken als auch beim Gesang und der Animation) bewegen sich auf höchstem Niveau und begeisterten das Publikum.

Das große Jubiläum des größten Volksfestes Thüringens war ein voller Erfolg. Es wurde so viel geboten, dass es nur so eine Freude war, über die Bleichwiese zu schlendern. Dass dann das Ganze auch noch mit Wetterglück beschenkt wurde, war das Tüpfelchen auf dem „i“.

Text und Fotos: Dennis König

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