Saisonstart in Münster

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Rekordverdächtiges Send-Comeback

 

Wann hat es das jemals gegeben: neun Sendtage am Stück ohne auch nur einen einzigen Tropfen Regen! Aber genauso war es diesmal vom 19. bis 27. März – und nach zwei Jahren mehr oder weniger Zwangspause hatten sich die Send-Beschicker das auch verdient. Entsprechend der Witterung waren Besuch und Umsätze gut für die rund 180 Betriebe auf einer der ältesten Kirmessen Nordrhein-Westfalens.

 

Das Publikum war auch regelrecht „heiß“ auf Abwechslung und speziell auf Kirmes. Allerdings sind der Vorstand und die Mitglieder des Münsterland-Verbandes auch in den beiden von Corona stark beeinträchtigten Vorjahren nicht untätig gewesen. Immerhin führten sie mit großem persönlichen Einsatz sowohl im Sommer 2020 als auch 2021 auf dem Schlossplatz jeweils gut organisierte und sehr erfolgreiche Freizeitparks durch, bevor im Oktober 2021 wieder der erste nahezu auflagenfreie Herbstsend – ebenso erfolgreich – ans Netz gehen konnte.

Philipp Heitmann bei der Eröffnung

Offizielle Eröffnung
Philipp Heitmann, seit 19. Januar Vorsitzender des Schaustellerverbandes Münsterland, fiel erstmals die Aufgabe der Send-Eröffnung zu, der er sich vor der historischen Konzertorgel seiner Familie betont locker und nach Schaustellerart entledigte. Das für den Send unverzichtbare Instrument stand erstmals seit vielen Jahren wieder an seinem nahezu alten Standort in Querreihe 1, sodass die Sicht auf das prächtige Münster‘sche Schloss – Schmuckstück der Westfalen-Metropole – wieder frei und ein zusätzlicher optischer Leckerbissen war. Zwar wurde es durch diese Änderung zwangsläufig ein wenig eng während der Eröffnungszeremonie, doch die sollte ohne langes Brimborium zügig durchgezogen werden. Philipp Heitmann begrüßte zunächst Münsters OB Markus Lewe, die weiblichen Landtagsabgeordneten Schulze-Föcking und Wendland, eine Reihe von Ratsmitgliedern und Vertretern aus der Verwaltung sowie von diversen größeren Kirmessen aus der Nachbarschaft und wünschte dem bereits zahlreich erschienenen Publikum neun schöne und unbeschwerte Send-Tage. Sodann gedachte er den kurz vor dem Send verstorbenen langjährigen Beschicker Hans-Otto Schäfer, Manfred Parpalioni und Werner Sindermann. Während Hans-Otto Schäfer den Send mit immer wieder neuen Fahrgeschäftsattraktionen beschickt habe, werde Parpalioni als Betreiber des Kentucky-Derbys und Sindermann mit Schlüters unvergessener Boxbude in Erinnerung der Kollegen und der Sendbesucher bleiben, unterstrich Heitmann. Sodann überreichte er einen Scheck in Höhe von 500 Euro für die Klinik-Clowns und bat den OB darum, den Send zu eröffnen.

OB Markus Lewe spricht

Markus Lewe freute sich sichtlich darüber, dass für die Send-Beschicker nun eine harte Zeit überstanden sei und sie wieder hoffnungsvoll nach vorne schauen könnten. „Nicht umsonst sind solche Feste wie der Send Weltkulturerbe“, betonte Lewe und fügte an „Sie gehören einfach zu unserer Kultur dazu“. Die entscheidende Frage sei heute angesichts des Krieges in der Ukraine allerdings: „Darf man eigentlich in diesen Tagen Send feiern?“ Seine Antwort darauf: „Wenn ich mir überlege, dass hier viele Menschen sind, die auch mal wieder etwas Gutes erleben möchten, die nicht dauernd vor dem Fernseher sitzen mögen und ständig schlechte Nachrichten sehen und hören, sondern auch mal andere Bilder brauchen. Und wenn es nur dazu dient, selbst wieder Kraft zu gewinnen, für den Alltag oder humanitäre Hilfe zu leisten, dann ist das voll und ganz okay! Wir brauchen das zwischendurch und deshalb bedanke ich mich bei allen Organisatoren sowie den Mitarbeitern des Ordnungsamtes, die hier fleißig unterwegs waren.“ Mit den Worten „Hiermit ist der Frühjahrssend 2022 eröffnet!“ gab er nach seinem Statement das bereits gut angelaufene Volksfest offiziell frei. Beim anschließenden Bummel der Prominenz über den Send zeigte sich der OB zielsicher beim Bogenschießen und genoss unter anderem mit seiner Gattin Maria und Vorstandsmitgliedern der Münsterland-Schausteller sichtlich entspannt die Fahrt im Riesenrad und den freien Blick über seine Stadt. Ein Umtrunk in gemütlicher Runde dieses Mal beim Kollegen Fichna, beendete bei strahlendem Kaiserwetter den üblichen Rundgang.

Werbung/Presse
Wie schon in den Vorjahren setzte der Schaustellerverband Münsterland, der seit dem zweiten Weltkrieg für die Werbung rund um die Send-Veranstaltungen verantwortlich ist, auf die Zusammenarbeit mit der Werbeagentur Mediaplan und deren Werbelinie für die drei Sende. Die geschmackvollen Plakate in verschiedenen Größen waren in Münster und Umgebung nicht zu übersehen. Darüber hinaus erwiesen sich die PR-Berichte und Infos in den Münsteraner Presseorganen als außerordentlich hilfreich für den Send, der schließlich in aller Munde war. Auch im Internet war die Veranstaltung einmal mehr gut vertreten.

Traumstart
Nach der offiziellen Eröffnung durch OB Markus Lewe und Philipp Heitmann vom Schaustellerverband legte der Frühjahrssend einen Traumstart hin. Bereits vor der offiziellen Freigabe des Kirmesvergnügens gab es in den Gängen zwischen Riesenrad, Wellenflug, Geisterbahn und sonstigen Attraktionen sowie den unzähligen Randgeschäften reges Gedränge. Bei der Besetzung des Platzes mit attraktiven Geschäften hatte Platzmeister Thomas Lehmkuhl diesmal besonders kräftig zugelangt. Immerhin zählten zum Send-Aufgebot mit der Großschaukel „Infinity“ und dem erstmals verpflichteten, 80 Meter hohem Kettenflieger „Aeronaut“, beide aus dem Hause Hoefnagels, gleich zwei der derzeit wuchtigsten Fahrattraktionen auf dem Markt. Hinzu kam Göbels attraktives Riesenrad „Grand Soleil“, das erstmals wieder auf dem früheren Russen-Stammplatz an der Südseite des Schlossplatzes platziert war. Neu auf Münsters Traditionskirmes war Haberkorns „Chaos Airport“ mit seinem von außen einsehbaren, interessantem Hindernisparcours. Wieder einmal in Münster präsent waren Schäfers „Voodoo Jumper“ des Weiteren die Klassiker „Breakdance“ von Bonner und „Shake & Roll“ von Schäfer sowie die beiden Skooter „Formel 1“ von Heitmann und „Highway Nr. 1“       von Schneider. Nach seinem ersten Gastspiel im Oktober 2021 brillierte erneut auch Heitmanns brandneuer „Disco Jet“ auf dem Stammplatz für dieses Geschäft neben dem Russen. Eine weitere Send-Premiere feierte Roders „Hupferl“ und wie immer dabei war auch heuer ein Wellenflug, diesmal der von Otto Wendler. Großer Beliebtheit erfreute sich auch Barths rasante Familien-Acht „Feuer und Eis“, die unter Courtney lange Jahre zum Stamm des Münchner Oktoberfestes zählte und jetzt von Bonn aus die Plätze erobert. Die Gruselsparte war durch die attraktive „Geister Villa“ von Molengraft-Sipkema vertreten und im „Adventure Live Simulator“ konnten sich die Besucher auf eine rasante visuelle Abenteuerfahrt einlassen. Der insgesamt gute Gesamteindruck des Frühjahrssend wurde erneut etwas getrübt durch die nach wie vor nicht optimale Bebauung der Promenade längs des Platzes – hier gilt es weiterhin einige Lücken zu schließen. Auch auf dem Platz selbst sollten luftige Bereiche in den Budenreihen, die den insgesamt geschlossenen Eindruck des Sends nach wie vor stören, künftig „retuschiert“ werden. Alles in allem ging jedoch die abwechslungsreiche und durch entsprechende Geschäfte auch sehr attraktive Gestaltung des Sends einmal mehr in Ordnung.

Fazit
Der Verlauf der ersten Sendveranstaltung in diesem Jahr entsprach den hervorragenden Witterungsbedingungen und dem Heißhunger des Münsterland-Publikums auf einen in jeder Beziehung wieder richtigen Send. Vergessen waren die Ausfälle der vergangenen zwei Jahre, – die frohen Gesichter des Publikums und der Beschicker sprachen da Bände. Nach dem großen Erfolg dieses ersten „Nach-Corona-Sends“ dürfen die Protagonisten auch in Zukunft auf die Zugkraft der Münster‘schen Traditionsveranstaltungen auf dem Schlossplatz setzen.

Starkes Engagement für die Ukraine
Eine unbeschwerte Zeit auf dem Send erlebten für ein paar Stunden Frauen mit Kindern aus der Ukraine. Möglich gemacht hatten den Send-Besuch die Beschicker in Zusammenarbeit mit der Ukraine-Hilfe Nottuln. Mit dem von einem Busunternehmen zur Verfügung gestellten Bus wurde die über 50-köpfige Gruppe zum Send nach Münster chauffiert, wo Schausteller um Arno Heitmann die Gäste erwarteten. Die ukrainischen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen konnten kostenlos die Send-Karussells benutzen und auch für das leibliche Wohl wurde gesorgt. Dabei durften Currywurst mit Pommes als typisch deutsche Fast-Food-Spezialität ebenso wenig fehlen wie Popcorn, Zuckerwatte und gebrannte Mandeln für die Kinder. Des Weiteren sammelten die Beschicker mittels der Heitmann‘schen Konzertorgel für die ukrainischen Flüchtlinge und verschickten zusätzlich 300 Kirmestüten mit Mandeln, Popcorn und Lebkuchenherzen an Kinder, die in der ehemaligen Kaserne Roxel untergebracht sind. Dazu Philipp Heitmann: „Die vor dem Krieg Geflüchteten haben genug Elend gesehen und Angst gehabt. Die Nottulner Ukraine-Hilfe und die Schausteller sorgten jetzt für ein paar Stunden Glück“ und „Die Konzertorgel (Baujahr 1904) unserer Familie hat zwei Weltkriege überstanden und spielt alle Jahre für einen guten Zweck. Da liegt es nahe, dass sie diesmal zugunsten der Ukraine-Hilfe!“ erklingt.

Text und Fotos: Rainer Schulz

Die Gäste aus der Ukraine stellen sich dem Erinnerungsfoto
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