Sommer in der Stadt in Plattling

Autor s. unten

Teilen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin

Dem Volksfestverbot zum Trotze


„Volksfeste können weiterhin nicht stattfinden“, betonte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder noch am 13. Juli dieses Jahres. Eine ernüchternde Aussage und eine Klatsche ins Gesicht der süddeutschen Schaustellerbranche, nachdem sich im Norden und im Osten bereits auf etlichen Plätzen die Karussells wieder drehten und die ersten großen Freizeitparks ihre Pforten geöffnet haben. Nun muss aber gehandelt werden, haben sich u. a. die Familien Zinnecker und Störzer gedacht, die bereits 2020 einige temporäre Freizeitparks im Freistaat erfolgreich ins Leben gerufen haben. Genau zehn Tage nach dieser politischen Zerstörung der großen Hoffnung auf den Sommer und den Herbst 2021 öffnete im niederbayerischen Zwiesel der temporäre Freizeitpark „Sommer in der Stadt“ mit immerhin acht Großfahrgeschäften, organisiert von Alexander Zinnecker und Hans-Jürgen Emmrich. Geplant war auch eine Veranstaltung vom 16. bis 25. Juli in Höchstadt an der Aisch, die jedoch wegen eines katastrophalen Unwetters mit erheblichen Schäden an einigen Schaustellergeschäften kurzfristig abgesagt werden musste.

Das Motto jedoch wurde beibehalten und so ist es dann ab dem 13. August für 17 Tage in Plattling weiter gegangen. „Der Komet“ hat es sich nicht nehmen lassen, den ausgerufenen Familien-Freizeitpark auf dem Volksfestplatz am Rennbahngelände zu besuchen und sich in den Bann einer echt bayerischen Veranstaltung in Volksfestverbotszeiten ziehen zu lassen.
Kurz nach Verlassen der A92 hat man bereits erste Hinweise auf den Rummel entdecken können, da überdimensionale Banner auf den „Sommer in der Stadt“ in Plattling hingewiesen haben. Das bewährte Motiv mit Kettenkarussell und Riesenrad hat als Basis für ein ansprechendes Plakat gedient. Ort und Datum waren überdeutlich zu erkennen und die drei Begriffe „Biergarten, Köstlichkeiten und Familientag“ sollten das Publikum animieren, der Veranstaltung einen Besuch abzustatten – mit Erfolg! Um eins vorwegzunehmen: Die Beschicker haben sich sehr zufrieden gezeigt mit dem Verlauf dieses Pop-up-Parks und die professionelle Organisation und Durchführung dieses Events gelobt.
Der „Sommer in der Stadt“ hatte mittwochs und donnerstags von 15 bis 22 Uhr, freitags und samstags von 15 bis 23 Uhr und sonntags von 13 bis 21 Uhr geöffnet. Für die Zusatzkosten in Pandemiezeiten ist ein Eintrittsgeld von 2 Euro auch für Kinder ab sechs Jahren erhoben worden.

Ausreichende Parkplätze waren direkt vor dem Rummel vorhanden, sodass keine weiten Laufwege in Kauf genommen werden mussten und für den Großteil der Bevölkerung der rund 12.000 Einwohner zählenden Gemeinde war der Weg zum Festplatz dank der zentralen Lage ohnehin nur ein kurzer Spaziergang. Direkt am Eingang konnte mit einem bayerischen Neuzugang aufgetrumpft werden. Adam Leider hatte erst im vergangenen Winter den „Flipper“ von Hoefnagels/Hinzen erworben und präsentierte ihn nun taufrisch in Plattling. Farbenfroh und technisch auf dem neusten Stand hat der Huss-Klassiker das Jugendpublikum magisch angezogen und die Teens mit einer abwechslungsreichen und schwungvollen Karussellfahrt versorgt. Einen Trip zurück in die 1970er hat man im „New Psychodelic“ von Bechstedt am eigenen Leib erfahren. Unter der Regie der oberpfälzischen Familie hat das von Karl Häsler entwickelte Laufgeschäft eine interessante Erweiterung erhalten. Bevor man sich in die ursprüngliche Halle begeben hat, galt es, einen neuen Anbau zu durchschreiten, der mit vielen neuen Lichteffekten aufgewartet hat. Durch die Spektralbrille und die sehr gut ausgewählte Musik fühlte man sich augenblicklich in die gute alte Hippie-Zeit zurückversetzt. Über eine herrlich ulkige Aufmachung verfügt Sonntags „Supergaudi“, der somit seinem Namen alle Ehre macht. Sowohl die dargestellten Personen als auch die lustigen Sprüche veranlassen das Publikum zum Schmunzeln. Während der Fahrt auf dem modernen Scheibenwischer geht es jedoch ordentlich zur Sache. Einen deutlichen Kontrast zum teilweise sehr heißen Wetter hat die Thematisierung von Husars Berg- und Talbahn gesetzt. „Himalaya“ nennt sich das aus Frankreich stammende Geschäft, auf welchem Ski- und Snowboardfahrer in actionreichen Posen zu erblicken sind. Nicht minder actionreich ist die Tempofahrt im großen Rund, obgleich sie Alt und Jung gleichermaßen anspricht. Die beiden Top-Attraktionen des Hauptveranstalters haben auf der Südhälfte des Veranstaltungsgeländes aufgebaut. Auf der Innenseite ist der 20 Personen fassende Zug des „Z-Coaster“ über die rund 110 Meter lange Strecke gerattert. Der Buchstabe „Z“ steht in diesem Falle für Zombies, obgleich die Untoten durchaus mit Witz und familienfreundlich gemalt wurden. Schräg gegenüber ist es in rund 40 Metern über Kopf gegangen. Die atemraubende Loopingfahrt in Zinneckers „Freak“ wird durch reizvolle Lichteffekte, Feuerspiele und zeitgemäße Comicdarstellungen bestens untermalt. Ein erweiterter Eingangsbereich und eine verfeinerte Fassade waren neue Eyecatcher an dem KMG-Speed. Vis-a-vis der Hightechmaschine hat ein Hauch von Kirmesnostalgie geweht. Böhms Kettenflieger wurde in seiner 70. Tournee aufgebaut und erfreut damals wie heute groß und klein. Zwischen Nebelschwaden und Stroboskopblitzen konnte man die ein oder andere Kollision in Schneiders „DTM Racing“ beobachten. Die dicken Gummiumrundungen der Chaisen dämpfen die Crashs der Autoscooterchaisen jedoch erheblich ab. Zu guter Letzt wurde es gruselig. Das Laufgeschäft „Frankenstein“ reist erst seit gut einem Jahr unter der Leitung von Familie Böhm, die im Innern allerlei neue Figuren und Effekte positioniert haben. Diese Belustigung ist ein typisches Beispiel dafür, dass man außen überhaupt nicht erahnen kann, was und wie viel sich in den düsteren Katakomben befindet, doch so viel sei verraten: Es lohnt sich!

Ein Bungee-Trampolin, zwei Kinderkarussells und ein Babyflug haben die jüngsten Besucher zu begeistern gewusst. Verschiedenste Ausspielungen garantierten Kurzweil. Exemplarisch sei die Ballwurfbude „Aufs Maul“, ebenfalls aus dem Hause Böhm genannt, bei der es gilt, Bälle in das Mundwerk von prominenten Menschen, genauer gesagt: verulkte Puppen zu werfen. Herzhafte und süße Snacks hat es in Hülle und Fülle gegeben und wer sich einmal eine kleine Pause vom Bummel übern Rummel gönnen wollte, konnte sich im gemütlichen Biergarten auf verschiedenste Art und Weise erfrischen. Die Familie Zinnecker hat mit dem Sommer in der Stadt in Plattling überdeutlich bewiesen, wie man Frohsinn, Vergnügen und Gemütlichkeit selbst in Coronazeiten im Freistaat Bayern vermitteln kann. Im Anschluss ist es dann größer und erfolgreicher in Mainburg mit dem Gallimarkt-Park weiter gegangen. Jetzt hofft man auf die Zusagen der Politiker, dass die Weihnachtsmärkte auch tatsächlich durchgeführt werden können.

Text und Fotos: Dennis König

Werbung

Auch interessant

Rubriken

125

Aktuelles

62

Feste

9

Märkte

15

Parks

64

Artikel

4

Events

8

International

3

Ratgeber

5

Gesichter

9

Hinweise

15

Interviews

6

Musik

Neueste Beiträge

125

Aktuelles

62

Feste

9

Märkte

15

Parks

64

Artikel

4

Events