Über 90 Jahre Autoskooter Göbel

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Es begann mit Spielbude und Autoskooter.

In diesem Jahr besteht Autoskooter Göbel seit nunmehr 94 Jahren. Das ist nun keine klassische Jubiläumszahl, zeugt aber von einer langen Tradition, die einst in Sachsen begann, als Kaiser Wilhelm II. regierte und 1918 die Weimarer Republik ausgerufen wurde. Es waren Krisenjahre mit einer Stabilität von 1924 bis 1929, bevor Ende 1929 die Weltwirtschaftskrise begann. Alles begann mit einer Spielbude und im Stabilitätsjahr 1927 wurde der erste Autoskooter angeschafft. Bernhard Göbel gehörte damit damals zu denersten, der solch ein Exemplar sein Eigen nennen konnte. Die ersten Autoskooter in Deutschland kamen noch aus Amerika. Im Jahr 1926 gab es in Düsseldorf eine Gesundheitsmesse (Gesolei), wo Hugo Haase im angrenzenden Vergnügungspark einen Autoskooter präsentierte. Hersteller war die amerikanische Firma Stoehrer & Pratt Dodgem Corporation. Dies gilt allgemein als Geburtsstunde des Autoskooters in Deutschland, obwohl zu jener Zeit in der Weimarer Republik auch schon andere Schausteller Bahnen mit selbstfahrenden Autos in Betrieb hatten. In Deutschland etablierte sich mit den Firmen Bothmann und Gundelwein schnell eine Industrie für Autoskooter. Federführend war hier die Firma Bothmann aus Gotha, die sofort im Jahr 1926 mit der Produktion begann. So ist auch Bernhard Göbels Autoskooter aus dem Jahr 1927 ein Bothmann Produkt. Die Autoskooter-Fahrzeuge sahen damals für unsere Verhältnisse noch gewöhnungsbedürftig aus mit der offenen Front und dem Heckantrieb. Die heutigen Ursprünge der Firma Göbel liegen in Dresden, wo Bernhard Göbel, geboren 1894, als Sohn des Postbeamten Bernhard Göbel nicht den gleichen Beruf wie sein Vater ergreifen wollte und als „Umsteiger“ das Metier wechselte. Martha Göbel, geb. Seifert und Bernhard Göbel wurden Schausteller und starteten mit einer Warenausspielung, Süßwaren und Kinderkarussell unter den damaligen schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen in die Zukunft. Martha Seiferts Eltern aus Leipzig reisten damals mit einem Wiener Riesenrad und einer Geisterbahn. Martha und Bernhard Göbel hatten zwei Söhne, Hans Joachim (im Krieg gefallen) und Gerhard Göbel, geb. 1927 in Leipzig. 1927 wurde der Bothmann Autoskooter angeschafft. Es war einer der Ersten in Deutschland. Der große Einschnitt kam mit den Ereignissen des 2. Weltkrieg und dessen Ende. Der Autoskooter wurde gut versteckt in Cottbus eingelagert. Nach Kriegsende wurde ein Neuanfang gestartet. Schon nach kurzer Zeit offenbarte sich, dass unter dem sozialistischen Regime in der SBZ (sowjetischen Besatzungszone), wozu Leipzig gehörte, für eine geschäftliche Zukunft keine Aussicht bestand. Die Flucht in die Westzone wurde geplant und erst mal in einer abenteuerlichen Fahrt nur mit dem Wohnwagen bis in den Harz bei Bad Harzburg durchgeführt. Gestartet wurde mit einem Ball-und Pfeilwerfen Spielgeschäft. Kurz darauf wurde auch der versteckte Autoskooter über die damals noch offene Zonengrenze geholt und stand ab 1948 wieder für die Reise im Reisegebiet Harz zur Verfügung. Alles andere, wie auch das große Haus in Leipzig, waren verloren.Gerhard Göbel übernahm den Betrieb nach dem Tod seines Vaters Bernhard im Jahr 1949. Im Jahr 1953 reifte der Entschluss, nachdem das Reisegebiet im Harz erschöpft war, weiter Richtung Westen, nach Worms, umzusiedeln.

Die Liebe spielte hier wohl auch eine Rolle, denn Gerhard Göbel heiratete 1953 in Worms Ingeborg Schuster. In Worms musste man sich erst einen Namen auf den Festen erarbeiten und war logischerweise von den Kollegen als Konkurrenz nicht gern gesehen. Am neuen Wohnsitz wurde der Autoskooter im Jahr 1953 von 4-Meter-Platten auf 3-Meter-Platten umgebaut, damit er besser transportierbar war. Dadurch wurde der Bothmann-Skooter vom 7-Pfostenskooter zum 8-Pfostenskooter. Begonnen wurde in der Remeyerhofstraße in Worms mit späterem Wohnsitz in der Speyerer Straße. Andreas und Hans Göbel wurden gweboren. Mit Ihren Ehefrauen Petra und Christine bauten sie das Unternehmen im Lauf der Jahre beträchtlich aus und mittlerweile arbeiten auch ihre Kinder Christian, Tobias und Sebastian in dem gut florierenden Betrieb mit. Heute ist das Unternehmen international und national vor allem als Großunternehmen durch die sieben Riesenräder bekannt. Heute ist der Firmensitz in der Weinsheimer Straße in der Nibelungenstadt. Aber auch die Autoskooter-Geschichte ging weiter.Nachdem die Firma Mack in Waldkirch Mitte der 30er-Jahre ins Autoskooter-Geschäft eingestiegen war, wurde 1956 der erste 6-Säulen-Autoskooter dort erworben. Mack produzierte nicht wie andere Hersteller eigene Chaisen, sondern arbeitete anfangs mit der Firma Mosebach, später überwiegend mit der Firma Ihle in Bruchsal zusammen und so hatte auch Gerhard Göbels Neuerwerbung Ihle-Chaisen auf der Fahrfläche. Das Geschäft mit den Autoskootern entwickelte sich sehr gut und so wurde 1962 ein zweiter Mack-Pfostenskooter von der Firma Belinski aus Frankfurt gebraucht gekauft. Dieser wurde 1974 nach der Neuerwerbung des Reverchon-Autoskooters an Firma Braun verkauft. Nummer 3 von Mack folgte im Jahr 1965 als 8-Säuler. Der letzte Autoskooter von Firma Mack wurde im Jahr 1969 gebraucht von der Firma Gold aus Frankfurt erworben. Im Jahr 1971, in der Ausgabe 3923 des Komet, wurde Gerhard Göbel, der seit 1965 1. Vorsitzender des Schaustellerverbandes Wonnegau e.V. war, vorgestellt und befragt. Damals waren drei Autoskooter im Besitz des Unternehmens und die Fragen drehten sich auch um Göbels seit 1965 bestehenden Märchenwald in Bad Dürkheim.

Seit Kriegsende war auch die französische Firma Reverchon in den Autoskooter Absatzmarkt eingestiegen. 1974 war es so weit, bei Göbels wurde als Neuzugang ein Reverchon-Autoskooter angeschafft und der Hersteller lieferte gleich die Chaisen dazu. Nun war erst mal Pause mit den Investitionen in Autoskooter. Es kamen andere Geschäfte, wie u. a. Rutsche, Wilde Maus, Wildwasserbahn, Twister und Astro-Liner in die von Ingeborg und Gerhard Göbel geführte Firma. In den 80ern starteten auch die Söhne Andreas und Hans mit ihren Familien in das Geschäftsleben. Erst im Jahr 2000 gab es mit dem von der italienischen Firma Cosmont aus Bibbiano gebauten Millennium-Autoskooter wieder ein neues Produkt. Dieser 2-Säuler mit der Fahrbahngröße: 24 x 12 m befindet sich heute noch im Besitz der Familie Göbel. Im Jahr 2001 kam dann ein weiterer neuer Cosmont-Autoskooter dazu, welcher als Erstes in Worms-Pfeddersheim aufgebaut wurde. Dieser wurde dann im Jahr 2005 verkauft. Ein kurzes Intermezzo gab auch der im Jahre 2010 gekaufte Autoskooter von Markus Schneider, der vorher in Mannheim Karl Köhler gehörte. Ende des Jahres 2020 befinden sich drei Autoskooter in derHand von Familie Göbel, die größtenteils in Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg reisen. Es ist der oben erwähnte Millennium-Autoskooter und der übernommene Adesko-2-Säuler. „Crash Zone“ von Thomas Blum (im Jahr 2015) und Radilack-2-Säuler „Crash Car“ von Peter Blum (im Jahr 2018).

Text: Ulrich Wehmeyer, Quelle: Olaf Schmitz, „Mythos Autoskooter“, 2018 erschienen im KOMET-Verlag.

Fotos: Ulrich Wehmeyer, Privat und Archiv Familie Göbel

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