Vom Wildtierpark zum Freizeitparadies – Bayern-Park

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Der Bayern-Park im Wandel der Zeit.

Kaum zu glauben, doch der Ursprung des Bayern-Parks geht zurück in die Zeit um das Jahr 1600, als das Rottaler Stockhaus erbaut wurde. Das Gebäude wurde der Dreh- und Angelpunkt des Bauernhofes, aus dem 1985 der Vilstaler Wildtierpark entstand. Noch heute ist es das erste Gebäude, das man sieht, wenn man den niederbayerischen Freizeitpark besucht.

Da neben dem Dam- und Rotwild, Ponys, Ziegen, Greifvögeln und diversen Wildtieren auch die Spielplätze großen Anklang bei den Besuchern fanden, wurde bereits sechs  Jahre nach Eröffnung der Wildtierpark zum Bayern-Park umgebaut. So können sich seit August 1991 Klein und Groß auch an Fahrgeschäften erfreuen, von denen einige noch heute im Park zu finden sind. Darunter die Schweinchenbahn, Schieneneisenbahn, Sommerrodelbahn und Parkrundfahrt mit dem Dotto Train.

So manch eigentümliches Fahrgeschäft verschwand allerdings mit der Zeit. So das „Frau Holle Riesenrad“ und „Schneewittchen-Karussell“, welche beide jeweils durch ein Fahrrad angetrieben wurden. So konnten die Kinder in den Gondeln sitzen und die Eltern mussten daneben in die Pedale treten.

Auch für das leibliche Wohl wird seit der Eröffnung 1991 im Hofstadl mit Biergarten gesorgt, denn in einem echten bayerischen Freizeitpark, darf ein Biergarten auf keinen Fall fehlen. Das Bier gibt es zwar nicht mehr in der Maß, sondern in Flaschen, dafür hat sich die Auswahl der Speisen deutlich ausgeweitet.

Bereits in den ersten Jahren wurde das Portfolio der Attraktionen ständig erweitert. Denn schon damals war Stillstand ein Fremdwort in der Freizeitparkbranche. Mit Schildkrötenbahn und Pferdereitbahn wurde in den ersten Jahren vermehrt auf die kleineren Gäste geachtet.

Erst 1995, also zehn  Jahre nach Gründung des Vilstaler Wildtierparks, wurde auch auf die erwachsenen Besucher eingegangen. Der von der Reederei Heistracher gebaute Mississippi-Raddampfer drehte seine Jungfernfahrt auf dem Chiemsee, ehe er letztendlich in den Bayern-Park als fester Bestandteil einzog. Die Zierer Drachenbahn dreht noch heute in der Höhle ihre  Runden und war die erste wetterunabhängige Attraktion, die der Park bot.

Neben der Schiffschaukel von Metallbau Emmeln erhielt der Bayern-Park auch seine erste Achterbahn: Die Froschbahn. Damals war dies dem Park allerdings selbst noch nicht bewusst, dass es sich hierbei um eine Achterbahn handelte. In den Parkplänen wurde diese anfangs als „Wellenbahn“ beschrieben. Tatsächlich handelt es sich um einen Small Tivoli Coaster der Firma Zierer, mit gerade mal 60 Metern  Länge und 3,5 Metern  Höhe. Mit 26 km/h fährt sie dafür vier 4 Runden, weswegen man trotz der kleinen Strecke fast eine  Minute unterwegs ist.

Nachdem die Besucherzahlen stiegen, investierte man 1997 in gleich mehrere Anlagen.

Eines der Highlights bis heute ist dabei die Reverchon „Wildwasserbahn“, vor der sich besonders an warmen Tagen des Öfteren eine lange Schlange bildet.

Ein komplett neuer Bereich wurde mit dem Schwanenkarussell (Wasserkarussell, Metallbau Emmeln), Hubseilturm (Tower, Sunkid Heege) und Wellenflieger (Hersteller unbekannt) eröffnet. Dazu kam ein weiterer Biergarten, da ein Gastronomiebetrieb alleine nicht mehr ausreichte.

Eine der wortwörtlich größten Attraktionen wird als solche von den wenigsten Besuchern wahrgenommen und ist doch nicht mehr aus dem Bayern-Park wegzudenken: Die Barockkirche.

Die Kirche wurde am 20. Mai 2000 eingeweiht und stammt somit vom Bayern-Park selbst. Dabei könnte man davon ausgehen, dass es sich um einen echten Bau aus der Barockzeit handelt, mit all den Heiligenfiguren, Stuckarbeiten und sogar einer Orgel.

Das Jahr darauf feierte man zehn  Jahre Bayern-Park und der Park beschenkte sich und seine Besucher mit mehreren Attraktionen.

Dazu zählen der Schmetterlingstanz (Airboat, HUSS), die wirbelnden Pilze (Tea Cups, Technical Park), Eselreitbahn (Reitbahn, Metallbau Emmeln) und vor allem die Achterbahn. Damit zog die erste offizielle Achterbahn in den Park, denn die Froschbahn wurde noch immer als Wellenbahn betitelt.

Der New Tivoli Coaster ist ebenfalls von Zierer, doch mit einer Länge von 384 Metern um ein Vielfaches länger, als die Froschbahn. Der Achterbahnzug zählt mit 20 Wagen und einer Kapazität von 40 Personen zu den längsten, die Zierer je herstellte.

Die größte Parkerweiterung von 150.000 m² kam 2004. Zu dem Bereich gelangt man seitdem über eine Brücke, da das Parkgelände durch eine öffentliche Straße getrennt ist. In dem neu erschlossenen Parkteil siedelte sich der Wildtierpark an und konnte so artgerechtere Gehege bauen. Für die Twinbob-Rodelbahn konnte das hügelige Gelände optimal genutzt werden und entzerrt zusätzlich durch die abgelegene Lage die Besucherströme im Park.

Im Jahr darauf entstand im neuen Parkteil eine der schönsten Attraktionen, die der Bayern-Park zu bieten hat, die „Rundbootfahrt durch Schlossgarten und Grotte“ von MACK Rides. Mit den runden Booten geht es durch den blumigen Garten, ehe man in das Schloss hineingelangt und dort die Venusgrotte von Schloss Linderhof zu Gesicht bekommt. Auch König Ludwig II und Sissi geben sich die Ehre und winken den Gästen zu.

Man blieb für die nächste Neuheit dem Thema Wasser treu und holte sich die bis dahin größte Attraktion in den Park: Das „Wildwasser-Rafting”. Bei seiner Eröffnung war es die größte Anlage weltweit, die vom Schweizer Hersteller abc rides jemals ausgeliefert wurde. Bei einer Gesamtlänge von 600 Metern  ist man fast sechs  Minuten unterwegs und fährt vorbei an Minenarbeitern, die nach Kohle graben. 2021 wurde die Thematisierung neu angepackt und die in die Jahre gekommenen Figuren wurden durch Holzbauten, Kisten und Fässer ersetzt.

Leider endete das Jahr 2007 mit dem Tod des Gründers des Parks, Alfons Hochholzer. Daraufhin übernahm sein Sohn Josef Hochholzer den Park, der schon an der Gründung des Wildparks beteiligt war. Leider sollte er den Park nicht lange führen, denn keine 1 ½ Jahre nach der Übernahme des Parks verstarb Josef Hochholzer mit 54 Jahren überraschend und der Bayern-Park musste 2009 erneut nach einer neuen Führungskraft suchen und fand diese in dessen Nichte Silke Holzner (damals Leitl).

Als letztes Projekt von Josef Hochholzer wurde 2009 die Indoorhalle Burg Fellbach eröffnet, die ein reichhaltiges, wetterunabhängiges Angebot an Unterhaltung bietet. Mit Luna Loop, Pendelbahn (Butterfly) und Komet hatte man Fahrgeschäfte von Sunkid Heege, während die Kletterwand, Softballanlage und Spielebagger sich zum Austoben eignen. Im Jahr darauf wurde die Burg noch durch weitere Spielemöglichkeiten für die Allerkleinsten ergänzt.

Seit der Übernahme durch Silke Holzner änderte sich auch das Erscheinungsbild des Parks, denn es wurde immer mehr auf die Thematisierung der Attraktionen geachtet. Zudem wusste man, dass man Attraktionen auch für die erwachsene Zielgruppe braucht, um attraktiv zu bleiben.

So machte man sich zum 20. Geburtstag des Bayern-Parks 2011 das wortwörtlich größte Geschenk in seiner Geschichte: Die Eröffnung des „Freischütz”. Doch dieser sollte länger auf sich warten lassen, als ursprünglich geplant. Denn erst am 21. August konnte der extremste Launch Coaster Deutschlands die ersten Gäste befördern. Besonders der Durchschuss nach der ersten Fahrt machte viele Probleme, weswegen man ein Jahr nach Eröffnung nur noch eine Runde fuhr. Derzeit wird die Bahn generalüberholt und ein Durchschuss soll ab Juli 2022 wieder möglich sein.

Die Achterbahn der Firma Maurer & Söhne aus München war mit fünf  Mio.€ die bisher teuerste Investition in ein Fahrgeschäft in der Geschichte des Parks. Launch-Antrieb, 483 Meter  Länge, 24 Meter Höhe, 80 km/h Spitzengeschwindigkeit, vier Inversionen, 4,4g und eine Fahrzeit von 0:50 Sekunden versprechen Adrenalin pur und sie ist bis heute der Anziehungspunkt für die Jugendlichen und Erwachsenen. Dies machte sich auch schnell an den Besucherzahlen bemerkbar, denn 2012 konnten diese um zehn Prozent 10% gesteigert werden.

Nach so einer großen Investition wurde es die Folgejahre etwas ruhiger, was Neuheiten anbelangt, doch 2014 wurde ordentlich bei der Firma Zierer eingekauft. „Steinwirbel” (Kontiki), „Thaolon” (Familienfreifallturm) und der alte Wellenflieger wurde durch einen Neuen namens „Königsflug” ersetzt. Besonders „Thaolon” setzt in Sachen Thematisierung neue Maßstäbe, denn der Familienfreifallturm befindet sich in einem schwarzen Turm mit Zwergen, die in Minen arbeiten, in ihren Hütten hausen oder beisammen in der Schenke sitzen.

Auch bei allen weiteren Neuheiten, die später entstanden, war immer die Thematisierung von großer Bedeutung. Der 2016 eröffnete Sky Fly „Duell der Adler“ befindet sich in einem überdimensionalen Adlerhorst und 2018 kam mit Stadlgaudi 4D (Interaktiver Dark Ride, Lagotronics Projects), Bulldogfahrt und Hoftierrennen (Schienengeführte Themenfahrten, Metallbau Emmeln) das Thema Bauernhof vermehrt in den Park. Während sich „Duell der Adler” an die größeren Besucher richtet, sind sämtliche Bauernhof-Attraktionen für die ganze Familie geeignet und können gemeinsam gefahren werden.

Bereits im Herbst 2019 kündigte sich die Neuheit für 2020 an: „Voltrum”, Süddeutschlands höchster Freefalltower von funtime. Mit 109 Metern  Gesamthöhe, 93 Metern  Fallhöhe, 113 km/h Fallgeschwindigkeit und zwei Minuten Fahrtzeit wurde der Wunsch nach einer weiteren adrenalinreichen Attraktion vollgehend erfüllt.

Pandemiebedingt konnte die Saison 2020 nicht pünktlich starten und so feierte „Voltrum” erst am 30. Mai 2020 Premiere. Seitdem wird das Stationsgebäude nach und nach mit Dekoelementen erweitert. Im Innenbereich hängt eine Art großer Stromgenerator, dessen Soundeffekte an das Fahrprogramm der Gondel angepasst wurde. Je höher die Gondel fährt, desto mehr sieht und hört man, wie der Strom von den Leitungen an der Wand in den Generator fließt. Kurz vor dem Fall ist für einen Moment Stille, ehe der Generator dann fast zu explodieren droht. Unten angekommen beruhigt sich die Anlage wieder und man sieht erneut vereinzelt Lichter zum Mittelpunkt fließen.

Da dem familiengeführten Park Zusammenhalt auch in der schwierigen Zeit der Pandemie wichtig war, konnten sie der Familie Neigert aus Reisbach ermöglichen, ihren Süßwarenstand von 2020 bis April 2022 auf dem Parkplatz aufzustellen. Für diese Möglichkeit möchte sich Familie Neigert auf diesem Weg ganz herzlich beim Bayern-Park bedanken.

Auch 2022 wird wieder gebaut. Da der alte Eingang nicht mehr zeitgemäß ist und für die Anzahl der Besucher langsam zu klein wird, entsteht derzeit ein neuer großer Eingang mit Burgtürmen und Fachwerkhäusern. Somit erlebt man zukünftig vom ersten Augenblick an das Thema Bayern und für was es bekannt ist. Passender könnte der Bayern-Park seine Besucher nicht begrüßen.

Text und Fotos: Romina Fellinger

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