Vorreiter Hamburg – Nach vier Absagen endlich wieder DOM

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Gleich viermal hintereinander platzte der Traum vom Hamburger DOM wie eine Seifenblase. Tatsächlich stand man oft kurz vor der Durchführung des größten norddeutschen Volksfestes – und das selbst in Pandemiezeiten – doch es fehlte das letzte Kännchen Glück bzw. die letzten kleinen Änderungen in den Coronaschutzverordnungen. Am 30. Juli dieses Jahrs endete die lange Durststrecke und endlich konnte die Tradition der weltbekannten Veranstaltung wieder fortgesetzt werden. Hamburg setzte mit der Durchführung des SommerDOMs ein Zeichen!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. So konnte man dem Heiligengeistfeld, während der 31 tollen Tage zwar gratis einen Besuch (es sollte ein Volksfest und kein temporärer Freizeitpark sein) abstatten, jedoch musste man ein Zeitfenster buchen, damit die maximal zulässige Gästezahl von 7.500 Personen (anfangs waren es 9.500) nicht überschritten wurde. Darüber hinaus trat die 3G-Regel in Kraft. Das bedeutete, dass ein Jeder, der sich auf dem SommerDOM vergnügen wollte, entweder einen negativen Test, seine Impfung oder seine Genesung nachweisen musste. Dies wurde an drei Zugangsportalen von einer angemessenen Anzahl an Sicherheitskräften überprüft. Lob an die Wirtschaftsbehörde (DOM-Referat). Diese befanden sich an dem Eingang Richtung Messe, an der Feldstraße und am Zugang Richtung St. Pauli. Da aus früheren Erfahrungen und Umfragen die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Besucher bei drei Stunden liegt, wurden die Timeslots entsprechend kalkuliert. Hier wurde der kleine, aber feine Unterschied zwischen Theorie und Praxis deutlich. Laut Statistik war es zwar so, dass die meisten Menschen den DOM nur so lang wie oben angegeben besuchten, nun aber waren sie zeitlich eingeschränkt und änderten ihr Verhalten entsprechend. Statt in aller Gemütlichkeit über das Heiligengeistfeld zu schlendern und spontan das Angebot zu nutzen, planten viele Gäste ihren Besuch und gingen gezielt die Geschäfte an, die sie am meisten vermisst hatten. Dies waren nicht die Imbissbetriebe, denn in der Pandemie wurde gut und gern gegessen und seitdem die Restaurants wieder geöffnet hatten, lief auch dieser Teil der festen Gastronomie wieder gut. Sich die Zeit nehmen und auf die Zubereitung eines Gerichtes zu warten und auf dem DOM zu verzehren, kam für viele Besucher nicht in Frage. Nein, es waren Spiel- und Fahrgeschäfte, die genutzt wurden. So konnten in diesen Sparten vereinzelt gar Gewinne im Vergleich zum früheren Durchschnitt vermeldet werden, jedoch Verluste im Gastronomieangebot. Besonders auffällig war, dass deutlich weniger Jugendliche zugegen waren, die sonst erst über das Heiligengeistfeld schlenderten und später auf den Kiez gingen. Dieser schloss nämlich spätestens um 23 Uhr seine Lokale und Alkohol wurde dann auch nicht mehr ausgeschenkt. Party? Fehlanzeige! Der DOM selbst war montags bis samstags wie gewohnt ab 15 Uhr geöffnet und sonntags öffneten sich bereits um 14 Uhr die Pforten. Freitag- und Samstagabend konnten sich die Gäste bis 00.30 Uhr auf dem DOM vergnügen.
Etwas befremdlich war das fortwährende Tragen eines Mund- und Nasenschutzes, zumal dies nebenan auf der Reeperbahn nicht notwendig war und es dort sicherlich mehr Chancen auf Ansteckungen gibt. Aber auch das war Teil des sehr aufwendigen Hygiene- und Sicherheitskonzeptes. Da also das Tragen von Masken sowieso Pflicht war, gab es auch keinen Grund, nicht in die Fahrgeschäfte einzusteigen und so wurde dieses Freizeitangebot besonders stark genutzt.

Wie die meisten Besucher starteten wir unseren Bummel über das Heiligengeistfeld an der U-Bahn-Station St. Pauli. Einige der gewohnten Reihengeschäfte mussten diesmal den Kontrollstationen weichen, wodurch dieser Bereich leider an Flair verlor. Dies war auch in der Feldstraße der Fall und auch an anderen Stellen vermisste man den ein oder anderen Betrieb. Dies war der Tatsache geschuldet, dass der gesamte Aufbau wegen des Hygienekonzeptes etwas entzerrt werden musste. Über 20 Prozent der üblichen Geschäfte erhielten keinen Vertrag, was selbstredend zu Verdruss bei den nicht Berücksichtigten führte. Der gewöhnliche Besucher bekam von all dem wenig mit, hatte man sich doch bemüht alles so ordentlich und professionell zu gestalten, wie es dieser Tage möglich war – auch das muss erst einmal geschafft werden.
Das Riesenrad stand an gewohnter Stelle und wie man es vom SommerDOM kennt, ragte das rund 60 Meter hohe Exemplar von Greier gen Himmel. Der in „Mein Rad“ umgetaufte Koloss wirkte in den Abendstunden durch seine neue LED-Technik noch einmal prächtiger als ohnehin schon. Auch das zweite Großfahrgeschäft traf man an der bekannten Stelle. Nülkens in weiten Teilen modernisierter „Viva Mexico“ rotierte ein paar Meter weiter auf der Innenseite, so dass sich einmal mehr das herrliche Bild von Walzerfahrt und Riesenrad ergab. Au contraire war die folgende Attraktion erst zum zweiten Mal in Hamburg zu Gast und sorgte für Abwechslung. Die Rede ist von Landwermanns „Kick Down“, der durch seine elipsenförmige Fahrweise sowieso ein bisschen anders als alle anderen Fahrgeschäfte ist. Vor allem Thrillseeker hatten bei der Tempofahrt ihren Spaß. Wer den interaktiven Fahrspaß bevorzugte, war in Rachs „Geister Fabrik“ bestens aufgehoben. Im Eingangsbereich wurde den wartenden Fahrgästen kurz durch lustig animierte Videos erklärt, wie man sich auf Geisterjagd begibt und dann ging es auch schon los ins Reich der lebenden Toten. Als detailverliebt darf man die Gestaltung von Bellis „Kuddel der Hai“ bezeichnen. Hier bewegen sich Figuren, dort läuft Wasser aus einem Krug und aus einem Lautsprecher vernimmt man einen original norddeutschen Seemann. So werden Mama und Papa auch bestens unterhalten, während ihre Sprösslinge über die Schienen bewegt werden. Mit einem reizvollen Lichtspiel wusste Mantaus „DOM Scooter Bumper 1“ zu überzeugen. Sowohl an den Fronten als auch im Innern der Halle funkeln und blinken hunderte Dioden. Den ersten Kopfplatz im Rundlauf nahm Vorlops „Atlantis Rafting“ ein. Die Strecke führt an verschiedensten mystischen Skulpturen und künstlichen Gewächsen vorbei und ist nicht nur wegen der Rotation der Rundboote ein echtes Erlebnis. Zweifellos zu den beliebtesten Achterbahnen auf der Reise gehört Eberhards „Wilde Maus XXL“. Hier stimmt einfach alles – das Erscheinungsbild, der lange Streckenverlauf, der zusätzliche Laufparcours – eine großartige Anlage! Wer sich etwas abseits der Großfahrgeschäfte amüsieren wollte, hatte auf der Sonderfläche Gelegenheit dazu. „Malle“ war diesmal das Motto und in der Tat sorgten entsprechend dekorierte Stände, das gastronomische Angebot und auch entsprechende Hintergrundmusik für mediterrane Momente. Leider war das auch schon alles – Live-Musik oder andere Events hätten das Ganze deutlich aufgewertet. Doch zurück zu unserem Rundgang: Wer Loopingaction erleben wollte, war bei Wilhelms „Shaker“ richtig. Eine actionreiche Fahrt, bei der es vor, zurück, um die eigene Achse und über Kopf ging. Zu den höchsten Attraktionen zählte wieder einmal Nülkens „Sky Dance“. Der Flieger erreicht eine sagenhafte Gesamthöhe von 55 Metern und bietet grandiose Aussichten über das Festgelände und weit darüber hinaus. Flower-Power is back! Friedenszeichen und Blumen schmücken den Musik Express „Action“ von Ohlrogge. Dabei macht das ständig wechselnde RGB-Licht die Fahrt über Berg und Tal noch bunter.

Ab in den wilden Westen! Auf dem nächsten Kopfplatz lud Raschs „Fuzzy’s Lachsaloon“ zu einem irren Trip über fünf Etagen. Unzählige Gimmicks haben es hier auf die Lachmuskeln der Besucher abgesehen. Alpines Flair versprühte Goetzkes Riesenschaukel „XXL-Höhenrausch“. Die typisch bayerisch blau-weißen Rauten passen perfekt zu etlichen Darstellungen der Bergwelt. Raschs „Super Skooter“ wartete gleich mit zwei Neuerungen auf. Einerseits lenkte eine neue Lichtsteuerung die Beleuchtung ähnlich eines Analyzers bei einer HiFi-Anlage, andererseits bot sich die Gelegenheit mit Drifting Cars neue Fahrmanöver auszuprobieren. Direkt gegenüber traf man mit der farbenfroh gestalteten „Ballonfahrt“ von Heitkamp-Krakor auf ein echtes Familienkarussell, das gleichermaßen von der jüngeren wie der älteren Generation genutzt wurde. Ganz im Gegensatz zum DOM-Dancer von Rasch. Dieses Karussell zielt ganz klar auf das jugendliche Publikum ab. Die Teens werden von diesem Breaker förmlich angezogen. Angesagte Musik, kesse Sprüche und eine weit überdurchschnittliche Lichtanlage wissen zu begeistern! Der nächste Gegensatz folgte mit „Viva Cuba“. Hartmanns setzen alles daran, dass man sich für Augenblicke tatsächlich wie in der Karibik fühlt. Latein-amerikanische Klänge, originale Requisiten und die Bemalung transportieren die Gäste gedanklich in den Inselstaat. Ein neues Wasserabenteuer wurde den Hamburgern und ihren Gästen in Form von Schneiders „Piraten-Fluss“ geboten. Die extrem aufwendig thematisierte Wildwasserbahn wurde optimal auf dem Kopfplatz am Millerntor-Stadion positioniert, so dass sowohl die Fahrstrecke als auch sämtliche Dekorationselemente bestens vom Publikum eingesehen werden konnten. Die sprechende Freibeuter-Figur tat ihr Übriges. Trocken wirbeln konnte man sich dann in Thelens „Jekyll & Hyde“. In rasanten Geschwindigkeiten wurde man hier in atemraubenden Höhen durch die Lüfte geschleudert, so dass kein Fön eine bessere Wirkung hätte erzielen können. „Die Familienachterbahn der Superlative“ war auf dem kommenden Riesen-Display zu lesen. Angebracht war der LED-Screen an Ahrends „Drifting Coaster“. Mit den nach links und rechts jeweils 120 Grad schwingenden Gondeln ist diese Schienenattraktion absolut einzigartig auf der Reise. Mit Vespermann-Hartkopfs „Stardust“ wurde das Autoscooter-Trio auf dem DOM vervollständigt. Effizient programmierte Moving Heads zauberten sehenswerte Lichtspiele auf die Fahrbahn. Sebastian Päprer hat das Kultkarussell „Love Dream“ übernommen. Die Raupenbahn fuhr diesmal coronabedingt leider ohne Verdeck. Nichtsdestotrotz war klar zu erkennen, wie viel Spaß der Neubesitzer an der Anlage hatte und vermittelte dieses Gefühl auch an seine Fahrgäste. Die Bahn zählt absolut zu den Gute-Laune-Karussells. Auf seinem angestammten Platz in Richtung Budapester Straße hob einmal mehr Hansteins „Wellenflug“ ab. Das Karussell brillierte mit seiner Pixel-LED-Beleuchtung und ist nach wie vor ein Dauerbrenner bei Groß und Klein. Mit dem generationsübergreifenden Laufgeschäft „Happy Family“ von Heine endete der Reigen der Großattraktionen. Hier konnte man sich noch einmal richtig austoben und Spaß haben, bevor man sich wieder auf den Heimweg machte.
Nicht unterschlagen wollen wir die 16 Kinderattraktionen. Die Zusammenstellung war ein Traum für den Nachwuchs. Die riesige Auswahl reichte vom „Ottifanten-Flieger“ über den „Auto-Corso“ bis zur Kinderrennstrecke „Super 8“. Ein tolles Sammelsurium für Kids.

Mit rund 500.000 Besuchern wurde nur etwa ein Sechstel der üblichen Besucherzahlen vermeldet. Dem gegenüber standen im Durchschnitt „nur“ 20 Prozent weniger Umsätze. Einige Unternehmen vermeldeten gar höhere Gewinne als 2019. Dafür konnte man einige Stargäste willkommen heißen. Unter anderem waren Friedrich Merz (CDU) und der vielleicht neue Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zugegen. Sie gingen beide vertieft ins Gespräch mit den Schaustellern.

Wie eingangs erwähnt wurde das Spielangebot gut und gerne genutzt. Das wie eh und je vielfältige und hochwertige Angebot an Speisen war weniger geworden. Nach aktuellem Stand soll der WinterDOM am 6. November starten. Dann wird sich gewiss noch einmal einiges ändern, hoffentlich dann auch für die reisende Gastronomie zum Positiven.

Zu guter Letzt noch ein Riesen-Kompliment an die Freie und Hansestadt Hamburg, die dieses Event überhaupt möglich gemacht hat. Darüber hinaus konnten sämtliche Schausteller platzgeldfrei aufbauen und das war eine Geste, die schlicht großartig und großzügig war und für die sich beide Schaustellerverbände von Herzen bedanken.

Text und Fotos: Dennis König

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