Würzburg: Kiliani im Kleinformat

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Noch einmal wegen Covid-19 auf das Fest zu Ehren des Frankenapostels Kiliani verzichten? Nein, das kam für die Würzburger nicht infrage. Nur eben deutlich kleiner musste es sein, weil auf dem Festgelände „Talavera“ heuer ein Test-und Impfzentrum aufgebaut ist. Die Ersatzfläche in den benachbarten Mainwiesen hat nur eine sehr eingeschränkte Corona-Edition zugelassen. Dennoch sind die Beteiligten mit dem Erfolg zufrieden.Die Kiliani-Aktivitäten 2021 haben sich in drei Bereiche gegliedert. Da war zunächst der „Kiliani-Sommergarten“ in den Mainwiesen, der Ende Mai gestartet und bis in die letzte Juli-Woche, mit einer Verlängerung, betrieben worden ist. Die Festwirtfamilie Michael Hahn und einheimische Gastronomen haben in einem idyllischen Pop-up-Biergarten zunächst 420, später bis zu 640 Gästen Platz geboten. Auch ein eigenes Festbier ist ausgeschenkt worden. Der Schaustellerteil mit Riesenrad, Autoskooter, Wellenflug, Kinderkarussells und Reihengeschäften vis-a-vis des Biergartens hat am 25. Juni begonnen und ist am 18. Juli zu Ende gegangen. Somit eine Woche länger als die normale Spielzeit in Bayerns sechstgrößter Stadt gewesen wäre. Die traditionelle „Kiliani-Verkaufsmesse“ in der Innenstadt hat zum eigentlichen Festtermin stattgefunden, also vom 2. bis 18. Juli. Hier war das Sortiment der 46 Händler um zwei Kinderfahrgeschäfte bereichert worden.Die Intentionen im Würzburger Ordnungsamt waren, ein Angebot für die Bürger zu schaffen. Gleichzeitig hat man den einheimischen und regionalen Schaustellern die Möglichkeit geboten, ihren Beruf auszuüben. Damit der Ersatzfestplatz auch vielfältig und attraktiv ist, haben neben den örtlichen Akteuren ein Riesenrad sowie kilianibewährte Standardgeschäfte wie Autoskooter und Wellenflieger aufbauen dürfen. Auf eine offizielle Eröffnung, laute Musik, die üblichen Rahmenveranstaltungen und Werbung ist verzichtet worden. So hat man vergeblich die gewohnten Großwerbeflächen, Fahnen oder sonstige Festhinweise gesucht. Das Riesenrad als Wegmarke musste genügen. So sind neben feierlaunigen Biergartenbesuchern besonders viele Eltern mit Kindern in die malerischen Mainwiesen gekommen, sodass ein Wechsel in der Besucherstruktur zur Familie hin konstatiert worden ist. Das weiträumige Areal mitten in der Natur hat es zugelassen, dass eine Einzäunung und ein Besucherlimit entfallen konnten und nur die üblichen Hygieneregeln zu beachten waren. Die einzigen Veranstaltungen waren der Kiliani-Gottesdienst am 18. Juli und ein Gottesdienst mit Taufe und Kommunion durch den katholischen Schaustellerseelsorger Sascha Ellinghaus.Eine erfolgreiche Premiere hat das 38 Meter hohe Riesenrad von Fred und Oliver Hofmann–Jehn aus Eisenach in Thüringen gefeiert. Das in den Niederlanden für 1,3 Millionen Euro gebaute Rad ist am Eröffnungstag durch Pfarrer Johannes Bräuchle von der evangelischen Circus-und Schaustellerseelsorge, gesegnet worden. Für das Taufwasser haben Regenwolken gesorgt, die sich pünktlich zum Ende der Zeremonie geöffnet haben. Dank des vollständig überdachten Bahnhofs sind die Gäste der Geschäftstaufe im Trockenen geblieben. Auch der KOMET gratuliert der Familie Hofman-Jehn zu ihrem neuen Riesenrad und wünscht viel Erfolg. Nach dem Debütplatz bleibt das 144 Personen fassende Hochgeschäft weiterhin am Mainufer: Es wird flussabwärts ins nahe Aschaffenburg umgesetzt.Nach zwanzigmonatigem Stillstand ist der Autoskooter der Familie Distel aus München in eine Post-Lockdown-Premiere gestartet. Der Selbstfahrer hat die lange Pause ohne jegliche Schäden überstanden. Einzig die Zugmaschinen verursachten erhöhte Wartungskosten.Mit dem wunderschönen Wellenflug von Harry Distel aus Nürnberg hat sich die Reihe der Fahrgeschäfte geschlossen. Die Kids hatten die Wahl zwischen einem bekannten Baby-Flug und einem Kinderkarussell. Reihengeschäfte mit Süßwaren und Spielen haben den Schaustellerbereich komplettiert.In die Ersatzveranstaltung waren die Verantwortlichen mit kleinen Erwartungen hinein gegangen. So auch die Schausteller. Umso mehr hat sie der Erfolg überrascht. Auch die Besucher, die „Klein-Kiliani“, wie die lokale Presse das Fest tituliert hat, nicht mit dem Volksfest früherer Jahre verglichen haben, sondern sich dankbar für das Angebot überhaupt gezeigt haben, waren begeistert. Bezüglich der Maskenpflicht an und in den Geschäften hat sich das Publikum diszipliniert gezeigt. Die Atmosphäre unter schattenspendenden Bäumen am Mainufer ist auch etwas ganz Besonderes. Wenn es vereinzelte Stimmen unter den Schaustellern gibt, die generell Kiliani in die Mainwiesen verlegen möchten, so scheitert dies an der Infrastruktur. Anders als im vorigen Jahrhundert reichen heute die Anschlussmöglichkeiten für Strom nicht aus und die Abwasserentsorgung bereitet Probleme. Hinzukommen Überschneidungen mit anderen Events.Das terroristische Messerattentat eines 24-jährigen Somaliers in der City, nur kurz nachdem die Schausteller ihre Attraktionen gestartet hatten, hat glücklicherweise zu keinen unmittelbaren Auswirkungen geführt. Die Stadt und die Schausteller waren angesichts des Todes von drei Frauen und mit zum Teil schweren Verletzungen neun weiterer Menschen schockiert, aber zu einem Veranstaltungsabbruch ist es nicht gekommen. Als Dauerregen den Main-Pegel zum Ansteigen gebracht und ein Hochwasser die Mainwiesen zu fluten gedroht hat, hat der Regen rechtzeitig eine Pause gemacht, sodass der Kiliani-Sommergarten störungsfrei verlaufen ist. Auch wenn Kiliani im Kleinformat eine entschleunigte und dennoch erfolgreiche Veranstaltung war, für 2022 sehnen sich alle nach einer regulären Festausgabe des größten Volksfestes in Unterfranken.

Text: Wilfried Roßbach; Fotos: Wilfried Roßbach und Helmut Bresler

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