12. Januar 2026

Stuttgart kürt die schönsten Weihnachtsmarktstände 2025

Autor s. unten

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Der Himmel ist grau, es sieht nach Regen aus, und mit 13 Grad fühlt sich der Tag eher nach Herbst als nach Advent an. Trotzdem ist der Stuttgarter Weihnachtsmarkt bereits zur Mittagszeit gut besucht, in den Gassen drängen sich Besucher, Glühwein- und Würstchenduft liegen in der Luft. Im Hof des Alten Schlosses trifft sich kleine Gruppe: Andreas Kroll, Geschäftsführer der in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft, und Julia Wilhelm, Projektleiterin des Stuttgarter Weihnachtsmarktes, begrüßen zum Presserundgang. Was die Standbetreiber zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: Sie alle gehören zu den Gewinner der diesjährigen Standprämierung .

Wie in den vergangenen Jahren basiert die Prämierung auf einer Kombination aus Publikums- und Juryentscheid. In Kooperation mit dem Stuttgarter Wochenblatt konnten Besucher für ihre Favoriten abstimmen, rund 530 Menschen beteiligten sich. Ergänzt wurde dieses Votum durch eine Jury aus Mitgliedern des Weihnachtsmarkt-Teams. Im Fokus stehen vor allem die aufwendig gestalteten Dächer – längst ein Markenzeichen des Stuttgarter Weihnachtsmarktes.

Erster Stopp auf dem Schillerplatz: „D’r Spätzles-Schwob“

 

Vom Alten Schloss geht es zunächst über den Schillerplatz – direkt zum Drittplatzierten: „D’r Spätzles-Schwob“ von Christine Winkler. Ihr Imbiss gehört seit vielen Jahren zu den Fixpunkten des Marktes, und auch bei der Standprämierung ist sie keine Unbekannte: 2015, 2016, 2018 und 2019 holte Winkler bereits viermal den ersten Platz.

Wer vor ihrem Stand stehen bleibt, versteht schnell, warum die Jury auch 2025 wieder überzeugt ist: Auf dem Dach gruppieren sich zahlreiche schneebedeckte und geschmückte Tannenbäume, dazwischen tummeln sich verschiedenste Waldtiere, dazu kommt eine Holzkrippe. So entsteht eine kleine, sehr dichte Winterlandschaft, die den Stand optisch in eine eigene Weihnachtswelt verwandelt. Für den dritten Platz erhält Christine Winkler ein Preisgeld von 150 Euro und eine Urkunde.


Quer über den Markt zum Marktplatz: Crêpes bei Familie Weeber

 

Anschließend führt der Rundgang fast über den gesamten Weihnachtsmarkt zum Stand der Familie Weeber vor dem neuen Haus des Tourismus am Marktplatz. Hier betreibt Armin Weeber in diesem Jahr seinen „Crêpes-Stand“ – und sichert sich den zweiten Platz.
Schon aus der Entfernung ist der Stand kaum zu übersehen: Über 2.000 rote und lilafarbene Kugeln und Schleifen hängen an hohen Ästen über dem Dach. Jede einzelne wurde in vielen Stunden Arbeit befestigt. Das leuchtende Farbspiel macht den Crêpes-Stand zu einem echten Blickfang und zeigt, wie viel Liebe zum Detail in der Gestaltung steckt.

Dass die Familie Weeber ein besonderes Gespür für stimmungsvolle Inszenierungen hat, ist bekannt: In den vergangenen drei Jahren holte der Familienbetrieb mit der „Wurstbude“ von Claudia Weeber jeweils den ersten Platz bei der Standprämierung. 2025 gibt es für Armin Weeber nun Rang zwei, ein Preisgeld von 200 Euro und eine Urkunde – begleitet von spontanem Applaus der Passant:innen, die die Ehrung mitbekommen.

 


Premiere in der Sporerstraße: Der Stand von Marion Kopp

 

Vom Marktplatz geht es weiter in Richtung Dorotheenquartier, vorbei an der Markthalle. Wo früher die lebendige Krippe in der Sporerstraße stand, befindet sich seit diesem Jahr der Stand von Marion Kopp. An diesem Tag wird sie von ihrem Mann Uwe Kopp vertreten – und der ahnt nicht, dass hier die wichtigste Auszeichnung des Rundgangs verliehen wird.

Als Andreas Kroll und Julia Wilhelm vor dem Stand stehen, die Urkunde hervorholen und das Preisgeld von 300 Euro überreichen, ist die Überraschung entsprechend groß: Der Imbiss- und Getränkestand von Marion Kopp belegt 2025 den ersten Platz. Der Stand wird bereits in dritter Generation betrieben und zeigt, wie familiäre Tradition und zeitgemäße Gastronomie zusammengehen.

Das Dach ist üppig mit Tannenzweigen und kleinen Weihnachtsbäumen bestückt und von Lichterketten durchzogen. Die Dekoration besteht überwiegend aus Naturmaterialien: handgefertigte Rehe, Pilze und Sterne aus Holz aus der eigenen Familie, ergänzt durch kleine Weihnachtsmänner. Highlight ist eine große, leuchtende Sternschnuppe, die über dem Stand zu schweben scheint. Das Gesamtbild erinnert an eine Hütte mitten im Wald – unterstützt durch den Standort in der Sporerstraße, der den Gästen Raum lässt, um vegane Wurst, Krautschupfnudeln oder einen Hot Aperol in entspannter Atmosphäre zu genießen.

Uwe Kopp bestätigt dem Komitee in seiner schwäbisch-humorigen Art: „Wenn ich für jedes Foto, das vom Stand gemacht wird, auch eine Wurst verkaufen würde, wäre das super.“ Tatsächlich ist der neue Platz, auf dem bis zum letzten Jahr die lebendige Krippe stand, noch nicht so frequentiert wie andere Standorte. Neulich, erzählt er, habe eine Dame bedauernd gesagt, dass die lebendige Krippe nicht mehr aufgebaut sei. „Die Krippe ist zwar nicht mehr da, aber dafür noch der Esel …“, habe er ihr dann verschmitzt geantwortet.

Der neue Standort hat allerdings auch Vorteile: Man kann mit dem Aufbau früher beginnen. Insgesamt sind 28 Reisigbündel am Gebäude verbaut. Stolz berichtet Kopp, dass inzwischen seine beiden erwachsenen Kinder Tim und Nele die Arbeit auf dem Dach übernehmen – er selbst sei dafür „dann halt doch schon a bissle z’ alt“. Vor allem Tochter Nele habe sich stundenlang im Regen abgemüht, Wurzeln, Figuren und Schnitzereien anzuordnen. Der Erfolg, das zeigt der erste Platz, gibt der Familie recht.


Letzte Station am Schlossplatz: Die kleine Dampflok im Kinder-Märchenland

Zum Abschluss des Rundgangs geht es zurück zum Schlossplatz, ins Kinder-Märchenland. Dort ist die Faller-Modellbahn aufgebaut – eine liebevoll gestaltete Miniaturwelt, in der eine kleine Dampfbahn ihre Runden dreht. Das Besondere: Die Bahn ist nicht nur zum Anschauen da, Kinder und selbst Erwachsene können tatsächlich mit der kleinen Dampflok ihre Runden drehen.

Als die Gruppe beim letzten Preisträger, der Eisenbahn von Oliver Schiedt, ankommt, fängt es schließlich doch an zu regnen – optimales Timing, denn die Ehrung ist gerade noch im Trockenen gelungen.

Für die aufwendige Gestaltung der Dampfeisenbahn mit der winterlichen Miniaturlandschaft erhält Schiedt erneut den Sonderpreis. Wie schon in den vergangenen Jahren würdigt dieser Preis den enormen handwerklichen und zeitlichen Aufwand, der in der Szenerie steckt: unzählige Details, sorgfältig platzierte Figuren, stimmige Beleuchtung. Der Sonderpreis ist mit 100 Euro dotiert und ebenfalls mit einer Urkunde verbunden.
Anerkennung für viele Stunden Arbeit

Beim gesamten Rundgang wird deutlich, wie viele Gedanken und wie viel Zeit die Standbetreiber in ihre Dekorationen investieren. Die prämierten Dächer sind dabei nur die sichtbarsten Beispiele – sie stehen stellvertretend für die Arbeit vieler, die aus einem Weihnachtsmarkt mehr machen als eine Ansammlung von Verkaufsständen.

Andreas Kroll hebt hervor, dass hinter jedem Stand Menschen stehen, die unzählige Stunden investieren, um den Besucher:innen ein besonderes Erlebnis zu bieten, und dass diese Leistung große Anerkennung verdient. Julia Wilhelm betont, wie vielfältig die eingereichten Stände waren und dass die Abstimmung gezeigt habe, wie unterschiedlich und individuell die Handschrift der Beschicker:innen ist.

Trotz grauem Himmel und milden Temperaturen zeigt sich an diesem Mittag, warum der Stuttgarter Weihnachtsmarkt Jahr für Jahr Menschen anzieht: Es sind die vielen kleinen, individuellen Kunstwerke, die gemeinsam das Gesamtbild prägen. Wer die prämierten Dächer und die ausgezeichneten Stände selbst in Augenschein nehmen möchte, hat dazu noch Gelegenheit – der Stuttgarter Weihnachtsmarkt ist bis einschließlich 23. Dezember jeweils bis 21 Uhr geöffnet.

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