Nach der Freistellung von Marcus Christen und neuen Ermittlungen ordnet die Veranstaltungsgesellschaft ihre Schlüsselbereiche neu
Die Stuttgarter Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart stellt sich neu auf: Zum 1. April 2026 werden die Bereiche „Cannstatter Wasen/Innenstadtfeste“ und „Eigenveranstaltungen“ in einer gemeinsamen Abteilung gebündelt. Die Leitung übernimmt Christian Eisenhardt, der bislang bereits den Bereich Eigenveranstaltungen verantwortet. Nach Angaben des Unternehmens wurde die Entscheidung in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat, dem Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Fuhrmann und dem künftigen Geschäftsführer Guido von Vacano getroffen.
Offiziell begründet in.Stuttgart den Schritt mit einer effizienteren Struktur. Fachwissen und Ressourcen sollten gebündelt, Abläufe verbessert und die Zusammenarbeit zwischen den Teams gestärkt werden, heißt es in der Pressemitteilung. Kaufmännischer Geschäftsführer Martin Rau spricht von einer strukturellen Anpassung, mit der gemeinsame Prozesse und Ziele besser organisiert werden könnten.
Neuordnung nach Monaten der Unruhe
Die Personalie kommt jedoch nicht überraschend. Bereits im November 2025 war der bisherige Wasen-Chef Marcus Christen mit sofortiger Wirkung freigestellt worden, nachdem Vorwürfe gegen ihn erhoben worden waren. Zugleich hieß es damals aus dem Umfeld von in.Stuttgart, die Freistellung stehe ausdrücklich nicht im Zusammenhang mit Vergaben rund um Wasen oder Weihnachtsmarkt. Aber Regio TV berichtete damals über einen „Verdacht auf Unregelmäßigkeiten beim Wasen“ im Zusammenhang mit der Freistellung.
Inzwischen hat die Affäre eine neue Dimension erreicht. Nach einem Bericht der Stuttgarter Nachrichten vom 17. März 2026 wurde der frühere Bundesrichter Rolf Raum von Oberbürgermeister Frank Nopper als Sonderermittler eingesetzt. Er soll Vorgänge bei der städtischen Veranstaltungsgesellschaft und Vorwürfe gegen den ehemaligen Mitarbeiter prüfen. Dem Bericht zufolge hat die Staatsanwaltschaft außerdem offizielle Ermittlungen wegen des Verdachts der Bestechlichkeit aufgenommen, ohne öffentlich zu machen, gegen wen sie sich konkret richten.
Die Aufarbeitung ist zur Chefsache geworden
Brisant ist auch der politische Rahmen der Affäre. Laut dem Bericht zum Sonderermittler kam die Angelegenheit ins Rollen, weil sich eine Person aus dem Gastgewerbe direkt an Oberbürgermeister Nopper gewandt hatte. In der Folge wurde die Aufklärung im Rathaus zur Chefsache.
Damit ist die Neuordnung bei in.Stuttgart weit mehr als eine bloße interne Umverteilung von Zuständigkeiten. Sie ist auch ein Signal nach außen: Der Bereich, der für einige der sichtbarsten und publikumsstärksten Veranstaltungen der Landeshauptstadt steht, soll organisatorisch stabilisiert und politisch befriedet werden. Diese Einordnung ergibt sich aus dem zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhang der Neuaufstellung mit den seit Monaten laufenden Vorwürfen und der nun eingeleiteten externen Prüfung.
Ein interner Mann für die großen Traditionsformate
Mit Christian Eisenhardt setzt die Gesellschaft dabei auf eine interne Lösung. Sein Weg bei in.Stuttgart begann im Juli 2013 in der Unternehmenskommunikation. Seit 2019 leitet er den Bereich Eigenveranstaltungen. Zu seinen bisherigen Aufgaben zählen laut Pressemitteilung unter anderem die Neukonzeption des Stadtwerke Stuttgart Lichterfestivals, Bewerbungen um die Handball-WM der Frauen 2025, die Handball-WM der Männer 2027 sowie die FINALS 2027. Auch Großveranstaltungen wie das Historische Volksfest und die zentrale Silvesterfeier der Stadt gehörten zu seinem Verantwortungsbereich. Bei der UEFA EURO 2024 war er zudem für Side Events und Fan Service zuständig.
Mit der neuen Aufgabe übernimmt Eisenhardt nun auch Verantwortung für die Traditionsformate, die wie kaum andere für Stuttgart stehen: das Cannstatter Volksfest, das Stuttgarter Frühlingsfest und den Stuttgarter Weihnachtsmarkt. In der Pressemitteilung bezeichnet er diese Veranstaltungen als „Aushängeschilder unserer Stadt“, die weiterentwickelt werden müssten, ohne ihre Wurzeln zu verlieren.
Für in.Stuttgart ist diese Personalie deshalb mehr als eine Beförderung. Sie ist der Versuch, in einem belasteten Bereich wieder Ordnung, Vertrauen und Handlungsfähigkeit herzustellen. Dass die Gesellschaft dabei auf einen erfahrenen Mann aus den eigenen Reihen setzt, ist eine klare Botschaft: Nach Monaten der Turbulenzen soll nun ein Neustart gelingen. Diese Schlussfolgerung stützt sich auf die offizielle Neuordnung der Zuständigkeiten einerseits und die parallel laufende externe Aufarbeitung andererseits.
Kommentar
Für Außenstehende mag die Neuordnung bei in.Stuttgart wie eine reine Personalentscheidung wirken. Für Schausteller, Marktkaufleute und Beschicker, die Jahr für Jahr auf dem Cannstatter Wasen, dem Frühlingsfest oder dem Weihnachtsmarkt stehen, ist sie weit mehr als das. Wer solche Feste beschickt, braucht Verlässlichkeit, faire Entscheidungen und klare Ansprechpartner.
Denn in Stuttgart steht für die Branche viel auf dem Spiel. Cannstatter Wasen, Frühlingsfest und Weihnachtsmarkt gehören zu den bedeutendsten Veranstaltungen im Land. Wer dort beschickt, trägt wirtschaftliches Risiko und Verantwortung für Qualität, Attraktivität und Tradition. Umso wichtiger ist es, dass die Menschen, die diese Feste mit Leben füllen, nicht im Unklaren gelassen werden.
Die Erwartung aus der Branche ist deshalb berechtigt: Die Aufarbeitung muss konsequent sein, die Kommunikation offen und die künftige Organisation nachvollziehbar. Nur so kann verlorenes Vertrauen zurückkehren. Für Schausteller und Marktkaufleute ist Klarheit kein Wunsch, sondern Voraussetzung.
Quellen:
Pressemitteilung von in.Stuttgart vom 26. März 2026; Bericht der Stuttgarter Nachrichten vom 17. März 2026 zum eingesetzten Sonderermittler; Berichterstattung von SWR, Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten und Regio TV zur Freistellung von Marcus Christen im November 2025.
Fotos: in.Stuttgart/Willy Löbl, in.Stuttgart/Thomas Niedermüller