Aktualisiert: 02.09.2026 – 19:00 Uhr
Der Bundesverband Schausteller und Marktkaufleute (BSM) hat seine Teilnahme an einem Presserundgang der Landeshauptstadt München zum Oktoberfest abgesagt. Der Verband kritisiert den Einfluss städtischer Stellen auf die Gestaltung des Teufelsrads und will mit seiner Absage ein Zeichen gegen aus seiner Sicht unzulässige Einflussnahme setzen.
Der BSM wollte der Einladung ursprünglich folgen und mit der Stadt über „Mittel und Wege zur Sichtbarmachung der Schaustellerkultur als Immaterielles Kulturerbe auf dem Oktoberfest“ sprechen. Am 2. September teilte der Verband dem Referat für Arbeit und Wirtschaft jedoch mit, auf die Teilnahme zu verzichten.
BSM sieht Eingriff in die Gestaltungshoheit
Auslöser ist die Umgestaltung von vier rund 80 Jahre alten Pappmaché-Figuren am Teufelsrad. Auf Anregung der Münchner Gleichstellungsstelle für Frauen und der Fachstelle für Demokratie wurden unter anderem Ausschnitte höher gestaltet, Röcke blickdichter gemacht sowie Radlerhosen und Schuhe ergänzt.
Im Mittelpunkt der Begründung des BSM steht die Frage, wer über die Gestaltung eines Schaustellergeschäfts entscheidet. In seinem Schreiben bezeichnet der Verband die Gestaltung der Betriebsstätte als „Kernkompetenz des Unternehmers als Träger des wirtschaftlichen Risikos“. Diese Freiheit finde ihre Grenzen in Rechtsvorschriften und gesellschaftlichen Bewertungen, die sich im Laufe der Zeit verändern könnten.
Kritisch bewertet der BSM insbesondere, dass die Hinweise der städtischen Stellen zwar als freiwillige Empfehlungen bezeichnet werden, gleichzeitig aber gegenüber einer Betreiberin ausgesprochen wurden, die sich regelmäßig um die Zulassung zum Oktoberfest bewirbt. Der Verband spricht in seinem Schreiben von „Zensur“ und will mit seiner Abwesenheit beim Presserundgang ein Zeichen setzen.
In deutlichen Worten kritisiert der BSM zudem den Einfluss aus seiner Sicht „Sach- und Branchenfremder“ auf das Erscheinungsbild des Oktoberfestes. Beschicker und Veranstalter wüssten am besten, was bei den Besuchern ankomme, heißt es in dem Schreiben.
Die unterschiedlichen medialen Reaktionen zeigen, dass bei einem sensiblen Thema wie diesem ein frühzeitiger gemeinsamer Austausch zwischen Stadt, beteiligten Stellen, Verbänden und Betreiber wohl hilfreicher gewesen wäre als die Debatte, die sich nun öffentlich verselbstständigt hat. Zu spät ist es dafür sicher nicht: Ein gemeinsamer Austausch könnte helfen, die unterschiedlichen Positionen zusammenzuführen und konstruktive Lösungen für die Zukunft zu finden – auch für andere Städte und Plätze.
DER KOMET beschäftigt sich in der kommenden Ausgabe auch mit der Debatte um das Teufelsrad. Im Kommentar „Vom Teufelsrad zur Glaubensfrage“ geht es unter anderem um die Frage, ob sichtbare Haut bereits Sexismus bedeutet, um die Rolle der Münchner Gleichstellungsstelle und um den Umgang der Schaustellerbranche mit gesellschaftlichem Wandel und Immateriellem Kulturerbe.
Bild: Helmut Bresler