Hamburger Sommerdom 2026 startet mit 254 Geschäften – „Hypnotizer“ als Neuheit und 100 Jahre Autoscooter im Fokus der Pressekonferenz
Erstmals dauert der Hamburger Sommerdom fünf Wochen. Bei der Pressekonferenz am 22. Juli standen deshalb nicht nur Neuheiten und Veranstaltungen im Mittelpunkt, sondern vor allem auch die wirtschaftlichen Auswirkungen für die Schaustellerbetriebe. Mit dem „Hypnotizer“ präsentierte Bethel Thelen zudem eine Investition von rund zwei Millionen Euro. Gleichzeitig wurde im Autoscooter „Stardust“ ein Volksfestklassiker gewürdigt, der seit 100 Jahren Generationen verbindet.
Einen treffenderen Ort hätte man für die Pressekonferenz zum Sommerdom 2026 kaum wählen können: Im Autoscooter „Stardust“ trafen am Mittwoch, 22. Juli, Tradition, technischer Fortschritt und unternehmerische Zukunft unmittelbar aufeinander.
Moderatorin Alina Wegner begrüßte auf dem Podium Michael Jenke, der den verhinderten Leiter des DOM-Referats, Sören Lemke, vertrat, sowie Sascha Belli, den Ersten Vorsitzenden des Landesverbands des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller Hamburg. Im weiteren Verlauf kamen Bethel Thelen, Betreiber der DOM-Neuheit „Hypnotizer“, und Hans-Heinrich Dieckmann, Betreiber des Autoscooters „Stardust“, hinzu. Damit waren neben dem Veranstalter und dem Schaustellerverband auch zwei Unternehmer vertreten, deren Geschäfte beispielhaft für die Verbindung von Innovation und Tradition auf deutschen Volksfesten stehen.
Vom 24. Juli bis zum 30. August öffnen auf dem Heiligengeistfeld insgesamt 254 Geschäfte. Erstmals dauert der Sommerdom damit fünf statt vier Wochen. Die verlängerte Spielzeit wird zunächst 2026 und 2027 erprobt. Anschließend sollen Besucherzahlen, Befragungsergebnisse und wirtschaftliche Erfahrungen ausgewertet werden. Grundlage der Entscheidung war unter anderem eine Besucherbefragung, bei der sich zahlreiche Gäste für eine zusätzliche Sommerdom-Woche ausgesprochen hatten.
Eine zusätzliche Woche entlastet die Betriebe
Für die Schausteller bedeutet die fünfte Woche weit mehr als eine Verlängerung des Freizeitangebots. Sascha Belli rückte bei der Pressekonferenz vor allem die wirtschaftliche Seite in den Mittelpunkt. Mit dem Ende einer Veranstaltung beginne für die Betriebe schließlich kein Urlaub. Stattdessen müssten die Geschäfte abgebaut, verladen und auf den nächsten Festplatz transportiert werden.
Die Transport- und Umsetzkosten seien inzwischen einer der größten Kostenfaktoren der Branche. Eine Woche länger auf einem erfolgreichen Platz bleiben zu können, spare nicht nur Kraftstoff und Fahrzeiten, sondern auch zahlreiche Arbeitsstunden für Abbau, Transport und erneuten Aufbau. „Für uns ist es natürlich schön, einfach das Karussell stehen zu lassen“, brachte Belli den Vorteil auf den Punkt.
Die zusätzliche Woche verschiebt allerdings auch die Reiserouten einzelner Betriebe. Besondere Absprachen mit anderen Volksfesten habe es nach Angaben Bellis nicht gegeben. Jeder Schausteller müsse seine Tournee entsprechend planen und entscheiden, ob die verlängerte Spielzeit in Hamburg wirtschaftlich sinnvoll sei.
Gerade für große Fahrgeschäfte kann die längere Laufzeit jedoch ein wichtiges Argument sein. Aufwendige Transporte und mehrtägige Auf- und Abbauzeiten lassen sich bei einer fünfwöchigen Veranstaltung besser kalkulieren als bei kurzen Gastspielen. Der Hamburger DOM könnte deshalb langfristig auch bei der Gewinnung großer und besonderer Reisegeschäfte profitieren.
Damit andere Veranstaltungen auf dem Heiligengeistfeld durch die zusätzliche Woche nicht beeinträchtigt werden, verkürzt sich die anschließende Abbauzeit. Zugleich endet der Sommerdom freitags und samstags bereits um Mitternacht. Die Stadt will damit die Belastungen für die Anwohner begrenzen.
Keine allgemeinen Preiserhöhungen geplant
Belli verband die verlängerte Spielzeit außerdem mit der Hoffnung auf stabile Preise. Durch die zusätzliche Woche könne anders kalkuliert werden. Für den Sommerdom seien deshalb keine allgemeinen Preiserhöhungen vorgesehen. Auch der Fahrpreis für den neuen „Hypnotizer“ wurde mit fünf Euro angegeben.
Ob diese Kalkulation aufgeht, wird sich allerdings erst nach Abschluss der Veranstaltung zeigen. Entscheidend ist, ob die fünfte Woche zusätzliche Besucher nach Hamburg bringt oder ob sich das bisherige Publikum lediglich über einen längeren Zeitraum verteilt. Belli zeigte sich zuversichtlich, dass die Einsparungen bei den Transport- und Umsetzkosten auch den Gästen zugutekommen können.
254 Geschäfte sorgen für einen vielfältigen DOM
Der Sommerdom 2026 ist mit insgesamt 254 zugelassenen Geschäften stark besetzt. Dazu gehören 143 gastronomische Betriebe, 52 Fahr-, Schau- und Belustigungsgeschäfte, ebenfalls 52 Spielgeschäfte sowie sieben Verkaufsstände einschließlich der traditionellen Bauchläden.
Diese Aufteilung zeigt, dass der Hamburger DOM nicht allein von einzelnen spektakulären Fahrgeschäften lebt. Spielgeschäfte, Verlosungen, Ausschank- und Imbissbetriebe, Verkaufsgeschäfte, Kinderfahrgeschäfte und klassische Karussells tragen gemeinsam zum Charakter des Volksfestes bei.
Zu den auffälligen Fahrgeschäften zählt erneut der „Olympia Looping“. Die größte transportable Achterbahn der Welt verfügt über fünf Loopings, eine Streckenlänge von mehr als 1.250 Metern und erreicht Geschwindigkeiten von über 90 Kilometern pro Stunde. Mit „Sky Fall“, „The Beast“, „Jekyll & Hyde“ und „Airwolf“ stehen weitere bekannte Hoch- und Rundfahrgeschäfte auf dem Heiligengeistfeld. Ergänzt wird das Angebot unter anderem durch die „Wilde Maus“, Wasserbahnen, Laufgeschäfte und insgesamt 19 Kinderfahrgeschäfte.
Zwei Millionen Euro für die nächste Generation
Im Mittelpunkt der Neuheiten stand der „Hypnotizer“ von Bethel Thelen. Für den Schaustellerbetrieb war die Entscheidung für ein zweites Großfahrgeschäft eng mit der Zukunft der Familie verbunden. Nachdem Thelens Sohn signalisiert hatte, in das elterliche Unternehmen einsteigen zu wollen, begann die Suche nach einer weiteren Anlage.
Von der Bestellung bis zur Fertigstellung vergingen rund dreieinhalb Jahre. Die Auftragsbücher führender Hersteller seien derzeit so gut gefüllt, erklärte Thelen, dass Schausteller bei einer Neubestellung mit mehrjährigen Lieferzeiten rechnen müssten. Die lange Vorlaufzeit nutzte die Familie, um Gestaltung, Thematisierung und Fahrablauf zu entwickeln.
Rund zwei Millionen Euro investierte der Betrieb in das neue Fahrgeschäft. Der bis zu 30 Meter hohe Pendel-Ride besitzt eine motorisch drehbare Gondel und drei unterschiedliche Fahrabschnitte. Im „Flight Mode“ blicken die Fahrgäste nach außen. Im „Face Off Mode“ sitzen sie sich gegenüber, bevor die Gondel im abschließenden „Trance Mode“ dauerhaft rotiert.
Begleitet wird die Fahrt von einer aufwendigen Inszenierung mit Licht- und Soundeffekten, einer großen LED-Kugel und einem animierten Sensenmann. Grundlage der Gestaltung ist die Geschichte des reisenden Hypnotiseurs Lord Philip Fortescue, der versucht, den Tod zu hypnotisieren.
Thelen begründete den unternehmerischen Mut zur Investition auch mit der anhaltenden Popularität der Volksfeste. Für die Schaustellerbranche ist die Anlage zugleich ein Beispiel dafür, wie eng technische Innovation, Investitionsbereitschaft und Generationennachfolge miteinander verbunden sind. Neue Fahrgeschäfte entstehen nicht kurzfristig, sondern müssen über Jahre geplant, finanziert und anschließend auf wechselnden Festplätzen wirtschaftlich betrieben werden.
100 Jahre Autoscooter
Den traditionsreichen Gegenpol zum „Hypnotizer“ bildete das Jubiläum „100 Jahre Autoscooter“. Im Jahr 1926 wurden die elektrisch betriebenen Fahrzeuge auf der Düsseldorfer Ausstellung GeSoLei erstmals einem großen Publikum in Deutschland präsentiert. Seitdem entwickelte sich der Autoscooter zu einem der bekanntesten und beständigsten Fahrgeschäfte auf deutschen Volksfesten.
Hans-Heinrich Dieckmann betreibt den „Stardust“ in der dritten Schaustellergeneration. Für ihn liegt die besondere Stärke des Autoscooters in seiner breiten Zielgruppe. Nachmittags nutzen vor allem Kinder und Familien das Geschäft, während der Scooter am Abend zum Treffpunkt für Jugendliche und junge Erwachsene wird.
Der „Stardust“ wurde umfassend modernisiert und mit 28 neuen Chaisen ausgestattet. Zehn Fahrzeuge verfügen über einen zusätzlichen Knopf, mit dem sich während der Fahrt ein Drift-Modus aktivieren lässt. Dabei wird die Hinterachse freigegeben, sodass die Chaisen kontrolliert seitlich durch die Kurven rutschen können.
Trotz neuer Fahrzeuge, LED-Technik und moderner Musik ist das Grundprinzip unverändert geblieben: Jeder Fahrgast entscheidet selbst, in welche Richtung er fährt. Jede Runde verläuft anders. Genau darin sieht Dieckmann einen wichtigen Grund dafür, dass der Autoscooter seit Generationen zum Volksfest gehört.
Auch Michael Jenke bezeichnete den Scooter als Sinnbild für den Charakter des Hamburger DOM. Ein Volksfest brauche auf der einen Seite spektakuläre Neuheiten, die zusätzliche Besucher anziehen, auf der anderen Seite aber ebenso die vertrauten Klassiker, die generationsübergreifende Erlebnisse ermöglichen.
Events als zusätzliche Besuchsanlässe
Vier Feuerwerke begleiten den Sommerdom am 24. Juli sowie am 7., 21. und 28. August. Am 30. Juli findet zum zehnten Mal der Regenbogentag statt. Die Parade beginnt um 19 Uhr am Riesenrad. Schaustellerbetriebe beteiligen sich mit besonderen Angeboten und kleineren Aktionen.
Die vierten DOM-Sommerspiele folgen am 13. August. Bei Disziplinen wie Entenangeln, Dosenwerfen und Bowling können Kinder und Erwachsene ihr Geschick unter Beweis stellen. Jeden Mittwoch bleibt außerdem Familientag mit ermäßigten Angeboten bei Fahr-, Spiel- und Belustigungsgeschäften sowie in der Gastronomie.
Solche Programmpunkte schaffen zusätzliche Anlässe für einen DOM-Besuch und verteilen die Nachfrage über die gesamte Laufzeit. Für die Schausteller ist dabei entscheidend, dass Veranstaltungen und Aktionen nicht nur Aufmerksamkeit erzeugen, sondern tatsächlich zusätzliche Gäste auf den gesamten Rundlauf bringen.
Der Sommerdom 2026 wird deshalb in mehrfacher Hinsicht zum Test: für die Stadt als Veranstalterin, für die Reiseplanung der Schausteller und für die Frage, ob eine längere Spielzeit den Betrieben wirtschaftliche Vorteile verschafft. Gelingt der Versuch, könnte die fünfte Woche nicht nur die Attraktivität des Hamburger DOM erhöhen, sondern zugleich Transportkosten reduzieren, Investitionen absichern und den Betrieben mehr Planungssicherheit geben.
Foto: Nils Lankenau