Vom 12. bis 21. Juni öffnet die Pforzemer Mess ihre Tore. Beim Pressegespräch am 05.05. im Festzelt der Familie Platzer stellten Marktmeister Marc Pfrommer, erster Bürgermeister Dirk Büscher und Vertreter des Schaustellerwesens ein Programm vor, das Tradition, Familienfreundlichkeit und seltene Großanlagen zusammenbringt.
Dass die Spitze des Fachmagazins DER KOMET mit den Verlegern Martin Eckert und Christoph Schober sowie Mitarbeiterin Hannah Klahn beim Pressegespräch zur Pforzemer Mess vertreten war, wertete Marktmeister Marc Pfrommer als „kleinen Ritterschlag“. Das Interesse kommt nicht von ungefähr: Von der Fläche her bewege sich die Veranstaltung vielleicht im Mittelfeld, sagte Kevin Kratzsch, Vizepräsident des Deutschen Schaustellerbundes. „Aber von ihrer Bedeutung her ist die Mess ein sehr großes Fest. Die Schaustellerwelt schaut auf diese Veranstaltung.“
Erster Bürgermeister Dirk Büscher nannte die Mess eines der großen Highlights für Stadt und Region. Pforzheim freue sich auf eine traditionsreiche Veranstaltung, die „die Bevölkerung verdient“ habe. Pfrommer wiederum kündigte eine „wunderschöne Messe“ an, bei deren Beschickung bewusst auf große, klassische Anlagen, Familienangebote und neue Akzente gesetzt worden sei.
Drei außergewöhnliche Großanlagen auf einem Platz
Besonders stolz zeigte sich Pfrommer auf die diesjährige Auswahl der Fahrgeschäfte. Im Fokus standen große, klassische Anlagen, „wie sie heute eigentlich fast nicht mehr gebaut“ würden. Mit “Parkour” von Aigner, “Skater” von Kaiser und Markmanns “Hexentanz” stehen gleich drei Fahrgeschäfte auf dem Platz, die bundesweit oder sogar weltweit Seltenheitswert besitzen – selbst für Branchenkenner ein seltener Anblick.
Der “Parkour” bringt 90 Tonnen Stahl, 20 hängende Gondeln und eine Fahrt ganz ohne Looping auf den Platz. Der “Skater” gilt als echter Hingucker mit besonderem Fluggefühl. Das bemerkenswerteste Stück im Ensemble dürfte der “Hexentanz” sein. Die weltweit einzige mobile Ausführung dieses Karusselltyps, bei der 24 Gondeln um eine 16 Meter hohe Flammensäule wie kleine Hexen tanzen.
Zu den weiteren Attraktionen zählen die Riesenschaukel “Konga” von Küchenmeister mit 45 Metern Flughöhe und bis zu 120 km/h, Eberhards beliebte “Wilde Maus – das Original“, das Riesenrad “Grand Soleil” von Göbel-Worms, “Musikexpress” von Baier, Haas Autoscooter “Number 1“ sowie der “Königlicher Wellenflug” von Kaplan, Tanja Hartmans “Historisches Etagenkarussell” und Laufgeschäft „Villa Wahnsinn“ von Olnhausen. Der “Musikexpress” fährt dabei noch für drei Euro – eine Seltenheit, die Pfrommer ausdrücklich hervorhob. Wenn ein 90-Tonnen-Geschäft wie der “Parkour” für fünf Euro eine Fahrt anbiete, sei das „ein sehr, sehr guter Preis und auch ein familienfreundlicher“.
Als Neuheit des Jahres betritt die Geisterbahn “Diablos Residenz” von Hoefnagels jr. erstmals den Pforzheimer Messplatz. Sie war bereits für das Vorjahr eingeplant, wurde aber nicht rechtzeitig fertiggestellt. Besucher werden an der Kasse von einer acht Meter großen Diablo-Figur empfangen. Spezielle Innen- und Außenbeschallung sorgt für Schauder und Nervenkitzel. Für Familien und Kinder ist Kaisers „Brunos Freche Farm“ das Highlight. Ein aufwendig dekoriertes Kinderfahrgeschäft im Bauernhof-Stil, mit Traktoren als Chaissen, Kühen und Bäumen als Dekoration. „Wirklich ein ganz goldiges Kinderfahrgeschäft“, schwärmte Pfrommer.
Von 539 eingegangenen Bewerbungen bis zum Stichtag 15. September 2025 wurden 303 als fristgerecht und vollständig anerkannt; 68 Betriebe erhielten schließlich einen Platz. Darunter auch weitere Attraktionen und viele gastronomische Betriebe, die für das leibliche Wohl auf der Mess sorgen. Auch der Krämermarkt ist traditionell wieder Teil der Pforzemer Mess. Der Markt bietet ein vielfältiges Sortiment an Haushaltswaren, Gewürzen, Mode und Kunsthandwerk.
Ein Quartett für die Goldstadt
Mit der Pforzemer Mess startet die erste Städteedition des KOMET-Quartetts. Die 32 Spielkarten zeigen 18 aktuelle Fahrgeschäfte sowie Beschickungen früherer Jahrgänge. Ergänzt wird das Set durch eine Spielregelkarte mit Marktmeister Marc Pfrommer und eine mit Glitzerfolie veredelte Sonderkarte für die Familie Haas, die seit 100 Jahren mit der Mess verbunden ist.
Die Kartenrückseite wurde eigens für Pforzheim gestaltet – mit Seckel, Wildpark, Skyline, Goldwaage, Goldbarren und dem Stadt-Signet Die auf 2.000 Exemplare limitierte Edition erscheint im Poker-Format und ist für 20 Euro bei teilnehmenden Schaustellerbetrieben erhältlich; 5 Euro verbleiben beim jeweiligen Betrieb. Veranstalter und Verlag bitten die Betriebe, den Kauf auf freiwilliger Basis mit einer kleinen Zugabe zu verbinden – etwa einer Freifahrt, einem Gutschein oder einer ähnlichen Aufmerksamkeit.
Das Konzept soll fortgeführt werden: Für das Gäubodenfest in Straubing ist bereits eine weitere Städteedition geplant. Schaustellerbetriebe können sich künftig zudem über das einzigartige Anzeigenformat „Stars vom Festplatz“ in kommende Editionen aufnehmen lassen. Perspektivisch soll das Quartett auch auf weitere Sparten ausgeweitet werden, etwa auf gastronomische Betriebe.
Familienfreundlichkeit bleibt im Mittelpunkt
Ein zentrales Thema der Pressekonferenz waren die Preise. Die Schausteller betonten, dass man trotz Inflation, steigender Personal- und Logistikkosten familienfreundlich bleiben wolle. Julius Kritz formulierte es deutlich: Die Pforzemer Mess solle ein Fest für alle bleiben – nicht nur für eine bestimmte Zielgruppe oder Einkommensgruppe.
Der Familientag findet am Donnerstag, 18. Juni, statt. Dann gelten ganztägig reduzierte Preise: An Fahr- und Laufgeschäften sind 30 Prozent Nachlass vorgesehen, zusätzlich gibt es Sonderangebote an weiteren Geschäften. Pfrommer betonte, dass dieser Familientag bewusst bis zum Feierabend gelte und nicht nur auf einzelne Stunden begrenzt sei.
Feuerwerk, Bimmel-Bahn und sichtbare Werbung
Das diesjährige Höhenfeuerwerk wird neu inszeniert. Statt wie bisher hinter dem Festzelt abgefeuert zu werden, steigt es am Freitag, 19. Juni, um 22.15 Uhr direkt vom Messplatz auf – aus dem Herzen der Veranstaltung. Das verwendete “Kalte Feuer” ist nahezu lautlos, feinstaubfrei, metall- und plastikfrei. „Ich bin wirklich gespannt, wie das angenommen wird“, sagte Pfrommer.
Die kostenlose Bimmel-Bahn übernimmt täglich ab 12 Uhr den Transfer zwischen Innenstadt und Messplatz. Startpunkt ist der „Dicke“ in der Karl-Friedrich-Straße. Gefahren wird im 30-Minuten-Takt, die letzte Fahrt vom Messplatz ist um 21 Uhr vorgesehen. Für Pfrommer beginnt der Messbesuch damit bereits in der Bahn: Wer durch die Stadt Richtung Messplatz fährt, freue sich schon unterwegs auf die Veranstaltung.
Artur Dingeldein, 1. Vorsitzender des Pforzheimer Schaustellerverbandes, erinnerte daran, welchen Stellenwert die Mess für die Stadt und die Schaustellerfamilien hat. Sie sei „nicht wegzudenken“ und für viele die fünfte Jahreszeit in Pforzheim. Gerade die ausgewogene Mischung aus Angeboten für junge Besucher, Familien und Kinder zeichne die Veranstaltung aus. Besonders hob Dingeldein hervor, dass es in diesem Jahr gelungen sei, gleich drei Geschäfte mit Seltenheitswert auf dem begrenzten Platz unterzubringen. Kritz rechne aufgrund der Fußball-WM auch in diesem Jahr mit weniger Besuchern. Doch durch die Zeitverschiebung mit mehr als sonst bei EM oder WM üblich.
Auch in der Werbung engagiert sich der Verband sichtbar: 35 Fahnenmasten in der Innenstadt, 16 neue Brückenbanner an Enz und Nagold sowie Galgenfahnen am Bahnhof und neu gestaltete Bauzaunbanner tragen das Mess-Logo in den Stadtraum. „Wir dürfen nicht sagen, wir haben einen Selbstläufer“, betonte Verbandsvorsitzender Julius Kritz. Weil Pforzheim durch die Dauerbaustelle auf der A8 von vielen Autofahrern als Ausweichstrecke genutzt wird, sollen die Banner auch Durchreisende auf die Mess aufmerksam machen – und, wie Dingeldein augenzwinkernd formulierte, so manchen dazu veranlassen, „die Bremse reinzuhauen“ und den Messplatz zu besuchen.
Im Zelt der Familie Platzer
Für das gastronomische Herzstück der Mess vermeldete Festwirtin Marina Platzer nahezu vollständige Preisstabilität. Neu auf der schön gestalteten und umfangreichen Speisekarte sind Wildbratwürste aus der eigenen Jagd ihres Mannes sowie Frozen Cocktails wie der „Frozen Rosy“ – ein geslashter Durbacher Weißherbst. Ein Profikoch mit Erfahrung aus der Sternegastronomie, der bereits im Vorjahr in der Küche stand, kehrt zurück.
Mehr als nur Bratwurst und Karussell
Kevin Kratzsch ordnete die Mess über das Programm hinaus ein. Dass Präsidiumsmitglieder des DSB zu regionalen Pressegesprächen reisen, sei nicht selbstverständlich – in Pforzheim aber „mehr als berechtigt“. Getragen werde die Veranstaltung von den Pforzheimerinnen und Pforzheimern selbst sowie einem starken Miteinander zwischen Stadt, Marktamt, Verband und Beschickern.
Volksfeste erfüllten eine gesellschaftliche Aufgabe, so Kratzsch: Sie seien Orte, an denen Menschen unabhängig von Herkunft, Alter oder Lebensentwurf zusammenkämen. „Egal wer du bist, egal woher du kommst, egal wen du liebst – hier bist du willkommen“, sagte er. Gerade in Zeiten von Inflation und gesellschaftlicher Spaltung gewännen Volksfeste an Bedeutung – als „gesellschaftliches Lagerfeuer“. Unterstrichen werde das durch die Aufnahme der Schaustellerei in das Immaterielle Kulturerbe. Die Mess sei eben nicht nur Bratwurst, Langos und Kinderkarussell, sondern Teil der Geschichte der Menschen und ihrer Region.
Beitrags-Bild: Für sie ist die Mess eine Herzenssache: Marina Platzer, Marc Pfrommer, Martin Eckert, Christoph Schober, Hannah Klahn, Patrick Seyfert, Dirk Büscher, Artur Dingeldein, Kevin Kratzsch und Julius Kritz (von links). © Röhr Pforzheimer Zeitung