Man hätte den Donnerschlag fast überhören können, so beiläufig wurde er verkündet: Nur 2,5 Millionen Menschen besuchten nach Angaben des Veranstalters das 179. Cannstatter Volksfest. Im Vorjahr waren es noch 4,2 Millionen. Ein Rückgang um rund 40 Prozent – und dennoch ziehen Schausteller und Festwirte eine überwiegend positive Bilanz. Wie passt das zusammen?
Auf der Abschluss-Pressekonferenz am 11. Oktober präsentierte in.Stuttgart-Geschäftsführer Guido von Vacano die Besucherzahl ohne großes Aufheben. Für fast jedes andere deutsche Volksfest wären 2,5 Millionen Besucher ein Traumwert. Für Stuttgart bedeutet die Zahl jedoch einen Rückgang um 1,7 Millionen innerhalb eines Jahres. 2024 waren sogar noch 4,6 Millionen gemeldet worden.
Eine schlüssige Erklärung für diese Entwicklung gibt es bislang nicht. Das parallel veranstaltete Landwirtschaftliche Hauptfest und die dadurch eingeschränkten Parkmöglichkeiten werden als mögliche Faktoren genannt. Ob sie den erheblichen Unterschied erklären können, bleibt offen.
Zufriedene Beschicker, weniger Besucher
Bemerkenswert ist vor allem die Bilanz der Schausteller und Festwirte. Schaustellerverbandsvorsitzender Mark Roschmann sprach von einem guten Volksfest. Neue Attraktionen hätten sich positiv auf den gesamten Platz ausgewirkt. Auch die Festwirte berichteten von gut ausgelasteten Zelten, insbesondere in der zweiten Woche, und einer steigenden Nachfrage nach Firmenveranstaltungen.
Eine erstmals gemeinsam mit der Messe Stuttgart durchgeführte Besucherbefragung ergab zudem eine Zufriedenheit von 96 Prozent.
Weniger Besucher, zufriedene Beschicker und gute Bewertungen – diese Zahlen erzählen offenbar unterschiedliche Geschichten.
Wie aussagekräftig sind Besucherzahlen?
DER KOMET beschäftigt sich seit Jahren mit der Entwicklung der Stuttgarter Volksfeste. Bereits im Frühjahr konnten wir uns die technische Besucherzählung in der Leitstelle erläutern lassen. Die jetzt veröffentlichten Zahlen werfen neue Fragen zur Erfassung, Auswertung und Vergleichbarkeit auf.
Dabei geht es nicht darum, die aktuellen oder früheren Besucherzahlen vorschnell infrage zu stellen. Entscheidend ist, was diese Zahlen tatsächlich aussagen – und welche wirtschaftlichen Folgen sie für Schausteller und Veranstalter haben.
Auch die Sicherheitsauflagen könnten dadurch erneut in den Blick geraten. Vertreter der Stuttgarter Schaustellerverbände bereiten eine Anfrage an den Gemeinderat vor, um Anforderungen und Kosten anhand der tatsächlichen Besucherströme überprüfen zu lassen.
Der Blick ins KOMET-Archiv zeigt außerdem: Schon vor 30 Jahren wurde in der Branche über die Aussagekraft offizieller Besucherzahlen gestritten.
Ist der Besucherrückgang ein Warnsignal oder die Chance auf einen neuen Maßstab für erfolgreiche Volksfeste? Die große KOMET-Analyse erscheint am 22. Oktober
DER KOMET geht dieser Frage in einer ausführlichen Analyse nach. Wir beleuchten die Besucherzählung, historische Parallelen, wirtschaftliche Auswirkungen und die ersten Signale der neuen Stuttgarter Führung.
Die vollständige Hintergrundgeschichte „Cannstatter Volksfest: Erfolg ist mehr als eine Zahl“ von Martin Eckert erscheint am Donnerstag, 22. Oktober 2026, in DER KOMET, Ausgabe 5902.
Foto: © in.Stuttgart – Thomas Niedermüller